15. August.
Thiermedicinische Rundschau ete.
sehrt gefunden wird. Den directen Beweis, dass die Nieren im gesunden Zustande nur mit einem
Bruchtheil ihrer Leistungsmöglichkeit functioniren. stoffgehalt des Blutes keineswegs ad maximum
und selbst sehr gesteigerten Anforderungen sich accommodiren können, hat Rosenstein geliefert. Derselbe exstirpirte einem im Stickstoffgleichge-
wicht befindlichen Thiere eine Niere; das Thier nahm nach der Operation die ganz gleiche Nah- rungsmenge auf wie fröher. und die Menge des
ausgeschiedenen Harnstoffes blieb genau die gleiche. Demnach hat die eine gebliebene Niere nach der Operation das Doppelte an Arbeit geleistet wie vorher, während doch in diesem Zeitraum gewiss
noch keine gewebliche, die erhöhte Arbeit leistende
Veränderung(Hypertrophie) in den Nierenepi-
thelien entstanden sein kann.— Auch in diesen Beispielen trifft es zu, dass die Vermehrung des
normalen, adäquaten Reizes die excessive Functions- steigerung hervorruft, nämlich die Anhäufung von
harnfähigen Substanzen in dem die Nieren durch-⸗
kreisenden Blute.—
Auch für das Blut bezw. die Blutzellen lässt sich nachweisen, dass unter gewöhnlichen Verhältnissen ihre lebenswichtige Thätigkeit nicht bis zur Genüge ausgenutzt wird. gefunden lässt sich als Folge einer Blutent-
ziehung anfangs und unmittelbar nach derselben
Wie Bauer
keine wesentliche Aenderung in der Abgabe von
und der Aufnahme von Sauerstoff also keine Aenderung des Gasaus-
Kohlensäure feststellen,
tausches trotz der Verminderung der absoluten
Menge der rothen Blutzellen. Hierfür sind zwei Erklärungsmöglichkeiten a priori denkbar. Ent- weder bindet nach und in Folge der Blutent- ziehung das Hämoglobin der einzelnen Blutzelle mehr Sauerstoff als früher; oder die Gesammt-
zunehmen, zu binden vermag.
menge des im normalen Organismus im Blute
und in den Geweben vorhandenen Sauerstoffes übersteigt bei weitem den unter gewöhnlichen Verhältnissen bestehenden Sauerstoff bedarf.
Die erstere dieser Annahmen dürfte kaum die richtige sein. Allerdings hat Pflüger es als wahrscheinlich hingestellt, dass die Sättigung des Hämoglobin in der Lunge mit Sauerstoff nicht eine ganz vollkommene sei, aber die Differenz ist doch nur eine recht geringe und dürfte kaum zur Erklärung des durch die Blutentzichung an-
rung der Sauerstoffträger eintreten kann, ehe die mittelbaren Consequenzen davon sichtbar werden. Die Thatsache, dass im Normalzustande der Sauer-
bei dem Verbrauche ausgenutzt wird, ist auch durch Versuche von Finkler dargethan, welche Folgendes ergeben. Auch nach sehr bedeutenden Blutverlusten bleibt der Sauerstoffgehalt des ar- teriellen Blutes und die Kohlensäureabfuhr durch das Blut unverändert, während der Sauerstoff- gehalt des venösen Blutes rapid sinkt. Dieses Sinken kann natürlich nur erklärt werden durch einen Mehrverbrauch des Sauerstoffs im Stoff- wechsel der Gewebszellen. Und wenn auch die procentische Sauerstoffmenge im arteriellen Blute die gleiche bleibt. so ist doch die absolute Menge desselben gesunken wegen der Verminderung der Gesammtblutmenge. Die Folge davon ist, bei gleichem Bedarf der Gewebszellen, eine Ver- minderung des procentischen Sauerstoffgehaltes im venösen Blute.
Und doch giebt es eine sehr merkwürdige Beobachtung, welche darauf hinzuweisen scheint, dass in der That die rothen Blutzellen„durch Anstrengung der wenigen dieselbe Arbeit leisten können wie viele“, vorausgesetzt dass unsere Schulanschauung, nur sie und nicht auch die weissen seien Sauerstoffträger, unbedingt zu Recht besteht. Pettenkofer und Voit haben fest⸗ gestellt, dass ein Individuum mit hochgradigster reiner linearer Leukämie(1: 3) bei der gleichen Nahrung in der Ruhe ebensoviel Sauerstoff auf- wie der Gesunde. Eine Zählung der absoluten Ziffer der rothen Blutzellen ist nicht angegeben, aber wir können nach der Analogie anderer Fälle wohl annehmen, dass erhebliche Oligocythämie bestanden habe. Und wir werden deshalb zu dem Schlusse ge- drängt, entweder dass wie in dem Falle der Aderlässe so auch in diesem Falle die absolute Menge der Sauerstoffträger immer noch ausreiche, um dem gröbsten Bedürfnisse zu genügen oder
dass wirklich unter solchen pathologischen Ver-
fänglich gar nicht berührten Gasaustausches hin- dation fähig ist.— kannt ist, wie die Verminderung der Zahl der systems einen Beweis für den in dieser Par-
reichen; abgeschen davon, dass es ganz unbe-
rothen Blutzellen dieselben zu einer Mehrauf- nahme von Sauerstoff führen sollte. Die sehr viel einfachere Deutung ist wohl die, dass die Gesammtmenge des im Blute und in den Ge⸗- weben normal vorhandenen Sauerstoffes weitaus das Bedürfniss unter normalen Verhältnissen über- steigt, so dass schon eine bedeutende Verminde-
hältnissen eine stärkere Sättigung des Hämoglobin mit Sauerstoff eintrete. Wie immer sich aber auch die Sache verhalten möge, eines geht daraus hervor, dass auch die von der Arbeit der Blut- zellen abhängige Funetion einer gewissen Accommo-
Sehr schwierig ist es. im Bereiche des Nerven-
legung durchgeführten Gedanken zu erbringen,
deshalb schwierig oder fast unmöglich, weil bi-
lateral gleichwerthige Functionen in der Art, dass
beim Ausfall der einen Seite die andere dafür
eintreten könnte, im Bereiche des Nervensystems
nur vereinzelt vorkommen: dann deshalb. weil 43*


