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40 Thiermedicinische Rundschau etc.

1889. No. 4.

selben, bisweilen auch erst im Verlaufe von mehre- ren Stunden, ein zusammenschnürendes Gefühl im Halse. Munde und Lippen. dann Prickeln und Brennen in den Händen und Füssen, Benommen- heit im Kopfe und hatten das Gefühl als ob die Glieder sich emporschwingen wollten, als ob sie fliegen müssten. Alles erscheint den Kranken ungemein leicht, die Gegenstünde, welche sie heben, schnellen gleichsam von selbst in die Höhe. Plötzlich überfällt die Patienten unter Erweiterung der Pupillen physische Aufregung, sie laufen un- ruhig umber, bis ebenso unerwartet ein Gefühl der Schwere sie beschleicht. 8o dass sie umsinken. die Beine ertragen den Körper nicht mehr, der der kraftlos in sich zusammenbricht. Unter fühl- bar zunehmender Erkältung der Hauttemperatur, Bewegungslosigkeit des gan?en Körpers, heftigem Erbrechen, schlafen dann die Unglücklichen für immer ein. Der Genuss von 5 bis 6 Muscheln veranlasste schon bei Erwachsenen solche heftige Zufälle.

Thiere, welchen Schmidtmann und Andere abgekochtes Muschelwasser einflössten, strecken den Kopf bald vorwärts bald rückwärts, suchen in höchster Athemnoth und Aufregung zu ent- fliehen, finden sich aber bald an Ort und Stelle gefesselt, indem ihre Hinterbeine plötzlich ge- lähmt ausgleiten, ihre Brust und Leib sich der Unterlage aufpressen. Die Muskeln versagen ihre Dienste und das Thier sinkt auf die Seite, noch wenige kräftige Zuckungen und es ist verendet.

Der Träger dieser so schrecklichen Giftwirkung ist ein Toxin, das einzig nur aus diesen gif- tigen Miesmuscheln erhältlich ist, von mir Mytilo- toxin genannt, welches mit Goldchlorid eine präch- tige krystallinische Verbindung liefert.

(Schluss folgt.)

Arzneimittellehre.

Beitrag zur Kenntniss des Hydrargyrum sali- cylicum. Von Dr. Müller-Dresden.(Monatshefte für practische Dermatologie VIII. Bd. 1889, Nr. 7.) Ellenberger und Hofmeister fanden bereits,

dass Hydrargyrum salicylicum ein vorzügliches

Antisepticum, Anticymoticum und Pesinficiens ist,

welches den Vorzug relativer Unschädlichkeit be-

sitzt. Ebenso fand Szadeck beim Menschen, dass bei Syphilis Tagesdosen von 0,1 per os und von 0,05 subeutan oder intramusculär applicirt von Menschen ohne Nachtheil vertragen wurden.

Verfasser suchte nun durch Versuche die

Fragen zu lösen:

1. Wird das Quecksilbersalicylat von dem Ver- dauungstractus, der Haut und den granulirenden

Wunden der Warmblüter aus resorbirt, und ist

der Organismus dieser Thiere im Stande, das ge-

nannte Mittel zu spalten, oder lässt er es unver- ändert den Körper passiren?

2. Welche Wirkung äussert das Qu ecksilber- Salieylat auf Räudemilben?

Aus den zur Beantwortung der Fragen an- gestellten Versuchen hebt Verf. folgendes hervor:

1. dass das Hydrargyrum salicylicum innerlich, subeutan und auf Wunden angewendet den übrigen Quecksilberverbindungen an Giftigkeit bedeutend nachsteht, eine Thatsache, die auch dadurch ins rechte Licht gestellt wird, dass er einem alten, wenig widerstandsfähigen Anatomiepferd inner- halb 4 Tagen etwa 30,0 Quecksilbersalicylat in Pillenform eingeben konnte, ohne dem Thiere irgendwie zu schaden:

2. dass das Mittel bei Hunden sowohl vom Verdauungstractus als von der Subcutis aus in die Blutbahn aufgenommen wird und im ersteren Falle nach 10— 15 Stunden, im letzteren nach 35— 42 Stunden wieder im Harn erscheint. sowie dass seine Aufnahme von der Subcutis schneller vor sich geht, wenn es im gelösten Zustande,

als wenn es im ungelösten Zustande applicirt

worden war;

3. dass die Aufnahme des Quecksilbersalicylats von der Haut aus nicht erfolgt;

4. dass das Hydrargyrum salieylieum von granulirenden Wunden aus dann sehr prompt resorbirt wird, wenn es in grossen Mengen zu Dauerverbänden benutzt wird, während bei der offenen Wundbehandlung nur sehr kleine Mengen dieses Körpers zur Aufnahme in die Blutbahn zu gelangen scheinen;

5. dass das genannte Mittel weder im gelösten Zustande, noch in Salbenform eine nennenswerthe Wirkung auf Demodex folliculorum auszuüben vermag.

Thierzucht.

Welche Massnahmen empfehlen sich bei der Fütterung bezw. Mästung der Schweine? von Prof. Schultze, Braunschweig.(Braunschw. landw. Zeitung No. 12, 1889.)

Ueber den vorliegenden Gegenstand hielt Verf. (Vorsteher der Versuchsstation in Braunschweig) einen Vortrag, den wir seines eittn In- teresses wegen, hier wiedergeben.

Nach den vorschiedensten wie sie mehrfach in den Amtsvereinen gepflogen wor- den sind, dürfte es keinem Zweifel unterliegen, dass auch in unseren Verhältnissen eine rationell betriebene Schweinezucht resp. Schweinemast eine angemessene Rentabilität sichert. Die letztere wird für Manchen, der sich mehr auf den Ver- kauf von jungen und Zuchtschweinen legt, ausser-