15. November.

Thiermedieinische Rundschan etc.

41

dem zur Nothwendigkeit, wenn in Jahren wie in den voraufgegangenen, ein Hauptfuttermittel zur Ernährung der Schweine, namentlich bei den kleinen Leuten, die Kartoffel, missräth und der Absatz der Schweine in diesen Kreisen eine em- pfindliche Einschränkung erleidet: es mag daher nicht überflüssig erscheinen, in Kürze einige Haupt- momente hervorzuheben, welche für die glück- liche Durchführung der Schweinemast von Be- lang sind.

Vor Allem muss man sich vergegenwärtigen, dass beim Schweine die Verdauungs- und Er- nährungsvorgänge sich wesentlich anders abspielen als bei den anderen wichtigen landwirthschaft- lichen Nutzthieren. Rind und Schaf sind in Folge ihres complicirten Verdauungsapparates unbedingt auf voluminöse vegetabilische Futtermittel ange- wiesen, und das Pferd muss ebenfalls als reiner Pflanzenfresser bezeichnet werden. Anders das Schwein. Dieses ist omnivor und vermag sich pald von Vegetabilien, bald von Substanzen ani- malischen Ursprungs zu ernähren. Fs vermag diese Futtermittel nicht so sorgfältig zu zer- kleinern wie die vorher erwähnten Thierarten, es schlingt mehr, so dass sogar an und für sich leicht verdauliche Stoffe, wenn nicht genügend zubereitet, wie z. B. Kartoffelstückchen, unverdaut im Kothe wieder erscheinen. Feste, verholzte Pflanzentheile, sowie eingetrocknete und erhärtete animalische Abfälle sind für das Schwein nicht assimilirbar, dagegen können dieselben mit Vor- theil verabreicht werden, wenn sie zerquetscht, zer- kleinert und mit Flüssigkeit durchtränkt sind. Das Schwein ist der beste Verwerther für Küchen- abfälle und es resultirt hieraus seine Bedeutung für den kleinen Haushalt(Haubner). Rind und Schaf verdauen die Holzfasern bis über 70 Proz.,

während das Schwein dieselben nur in verhältniss⸗

mässig geringem Grade auszunützen vermag, ein Umstand, der bei der Beurtheilung und Auswahl der Futtermittel im Auge behalten werden muss. Während es aber für die Wiederkäuer nahezu gleichgültig erscheint, ob stärkemehlhaltige Futter- stoffe in rohem Zustande oder gedämpft aufge- nommen werden, ist es beim Schweine vortheil- hafter, die Stärkekörner durch Kochen und Däm- pfen vorher aufzuschliessen, wie vergleichende Versuche von Heiden u. A. mit gedämpften und rohen Kartoffeln deutlich dargethan haben. Wesentlich für das Gedeihen der Schweine ist die Reinhaltung der Stallung wie der Thiere selbst, nichts ist unbegründeter, als das Schwein, wie es üblich ist, als den Typus des Schmutzes und der Unreinlichkeit zu betrachten. Das Schwein suhlt sich nur in der Jauche, wenn ihm kein frisches Wasser zur Verfügung steht, und es lagert sich nicht einmal auf seinen Mist,

nicht fehlen.

wie alle Versuchsansteller pestätigen, wenn die Stallräume ein trockenes und reinliches Lager gestatten. Haubner, der pekannte Veterinär. sagt: Sollen sich die Schweine wohlbefinden, sich gut und schnell mästen, so halte man ihren Stall rein, erneuere die Streu oft, bade sie im Sommer täglich in reinem Wasser und striegle sie alle zwei Tage mit einem Striegel, einer starken Bürste oder mit einem abgestutzten Birkenreispesen, die Functionen der Haut sind bei diesen Thieren sehr thätig und die Reinlichkeit ist zu ihrem Wohlbefinden unerlässlich.

Bei der Fütterung der Schweine ist mit Vor- sicht zu Werke zu gehen. Wie erwähnt. schlingt das Schwein und es frisst ungleich, weshalb es sich auch leicht verfrisst; es soll daher das Futter in mindestens 3 Mahlzeiten, bei vorgeschrittener Mast in 5 verabreicht werden, welche nach dem Appetit der Thiere zu reguliren sind, so zwar, dass vor jeder Fütterung die Thiere durch Schreien ihr Nahrungsbedürfniss kund geben. Zwischen den einzelnen Mahlzeiten müssen genügende Pausen gelassen werden, damit das Schwein seinem natürlichen reichlichen Bedürfniss nach Ruhe und Schlaf nachkommen kann. Sorgfältige Reinhaltung der Tröge ist Haupterforderniss, andernfalls durch Säuerung etc. des Futters leicht Indispositionen eintreten, welche die Masterfolge schwer beeinträchtigen können. Die Steigerung der Ration darf nur allmählich erfolgen und soll pro Tag höchstens 1 ½ Pfund betragen.

Die tägliche Gewichtszunahme der Mast- schweine ist eine sehr bedeutende; im Verhältniss dreimal so gross, wie die der Mastochsen und Hammel. Auch ihre Ausnutzungsfähigkeit ist eine viel erheblichere. Während beim Schafe annähernd 800— 900 Pfd. organischer Substanz 100 Pfd. Lebendgewichtszunahme erzielten, ge- nügen beim Schweine hierzu schon 400— 450 Pfd. Besonders günstig erweisen sich die concentrirten Futtermittel, wegen ihres im Allgemeinen geringen Holzfasergehaltes dem Schweine besonders zu- sagen; von diesen können beim Schweine etwa 400 Pfd. soviel produciren, wie 1200 Pfd. beim Schafe. Auch zeichnen sich die Schweine durch grösseres Produetionsvermögen in ihrer Jugend aus, weshalb sich bei ihnen die Folgen einer schlechten Jugendernährung in verstärktem Masse fühlbar machen. Man geize nicht mit stickstoff- haltigen Nährstoffen, ohne dieselben überreichlich zu füttern und trage genügend Sorge, dass der Futtermischung die mineralischen Substanzen Es empfichlt sich daher ein Zu- satz von gefälltem phosphorsauren Kalk, 8— 10 g pro Kopf, oder von ausgelaugter Holzasche. Mit welchen Nachtheilen für die ganze spätere Ent- wicklung eine abnorme Fütterung in der Jugend