1. November.
Thiermedicinische Rundschau ete.
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richtung lediglich den Zweck habe, den Behörden an die Hand zu geben, wie umfangreich die Thätigkeit der be- amteten Thierärzte sei.
Die Führung der Tagebücher sei auserdem für die be- amteten Thierärzte ungemein zeitraubend und umständlich, die Angaben der wirklichen Entfernungen innerhalb 1 bis 200 Meter bei den Dienstreisen seien oft unmöglich, da Entfernungstabellen bei dem Inventarium der Kreis- thierarztstellen fehlen, und selbst wenn solche vorhanden sind, diese grosse Ungenauigkeit aufweisen.
Oftmals erfordere es die Lage der Sache, dass der beamtete Thierarzt Umwege machen muss, auf deren Liquidirung lieber Verzicht geleistet würde, da die Nothwendigkeit nicht immer in den Requisitionen der Amtsvorsteher angegeben sei und eine Ergänzung derselben, die ohnehin schon in ihrem Ehrenamt mit Arbeit überhäuften Amtsvorsteher nur noch mehr in Anspruch nähme und durch Hin- und Rück- sendung Zeit und Porto erfordere.
Die beamteten Thierärzte seien ja nur mittelbare Staatsbeamte, mit mittelmässigem Gehalt, dieselben müssten die Mittel, welche ihnen im Alter eine Pension ersetzen sollen, aus der Privatpraxis erwerben; der knappe Gehalt und die kärglichen Diäten dürften für diese Zwecke weder bestimmt sein noch dazu geeignet erscheinen; um so be-
fremdender sei es, dass dig Regierung den beamteten Thier-
ärzten derartig zeitraubende Pflichten auferlege, ohne pe- cuniäre Aufbesserung eintreten zu lassen.
Das Vorgetragene fand lebhaftes Interesse bei den An- wesenden, namentlich aber bei den beamteten Thierärzten, welche durchweg gleiche Eindrücke von der Finrichtung der Tagebuchführung bekommen hatten.
Als Schluss der Tagesordnung erstattete Kreisthierarzt Regenbogen einen Bericht über die Zweckmässigkeit eines von der Delegirten-Versammlung preussischer Thierärzte angeregten Ehrenraths auch für die schlesischen Thierärzte, und hob u. A. besonders hervor, dass von den Statuten der bereits bestehenden Ehrenräthe, diejenigen des Vereins der Thierärzte in der Provinz Hannover als die geeignetsten erkannt und mit den nöthigen Abänderungen von der Delegirten Versammlung empfohlen worden seien.
Die Versammlung beschloss bei der nächsten Sitzung die Wahl des Ehrenrathes vorzunehmen.
Das umfangreiche Programm des Tages hatte die zur Sitzung bestimmte Zeit zur Neige erschöpft, nach heftigem, lebhaftem Gespräch, nach Austausch der verschiedenen An- sichten über die vielseitigen Themata gaben sich die Mit- glieder der Versammlung den wohlthuenden Erquickungen eines kühlen Trunkes und eines solennen Mahles, welches durch Trinksprüche gewürzt ward, hin und blieben in froher Vereinigung noch bis zum Abend beisammen.
Der Vorsitzende Der Schriftführer Kampmann.
Kleine Mittheilungen.
— Ueber die Impfversuche gegen die Lungen- seuche, über welche wir schon früher eingehend Mit- theilung machten, findet sich jetzt in der„Nordd. Allg. Ztg. folgende Nachricht:„Die Versuche wurden vom Pro- fessor Dr. Schütz und Departementsthierarzt Steffen im Reg.-Bezirk Magdeburg ausgeführt. Am 8. Oct. d. J. wurden 12 junge Stiere mit Flüssigkeit und Stückchen aus erkrankten Lungen und zwar die einen warm, die andern kalt geimpft. Die auftretenden lokalen Krankheitserschei- nungen waren bei den warm geimpften Thieren die stärksten. Ende October mit vier nicht geimpften Controlthieren zwischen Lungenseuchekranke gestellt und mit denselben in möglichst enge, directe Berührung gebracht, wurden im December und Januar sämmtliche Thiere getödtet. Der Befund ergab, dass die 12 geimpften Thiere völlig gesund gewesen, dagegen drei Controlthiere Lungenseuche krank.
Bei weiteren Versuchen mit neuen 12 Thieren am 9. November wurde die noch warme Flüssigkeit aus kranken Lungen in verschiedener Menge eingeimpft. Die Menge der eingeimpften Lymphe war für den örtlichen Process bedeutungslos. Ein geimpftes Thier starb an Bauchfell- Entzündung durch Ausbreitung des Impfprocesses. Am 1. December wurden die geimpften Thiere zwischen Lungen- seuchekranke gestellt ohne zu erkranken; desgleichen am 27. Januar in einem zweiten Stall. Am 12. April wurden die geimpften und zwei Controlthiere am Triel mit warmer Lymphe geimpft. Die Controlthiere erkrankten schwer, das eine verendete. Die Erscheinungen an der Impfstelle bei den geimpften waren unbedeutend. Ein Einstäuben von 20 g warmer Lymphe in Fleischbrühe in die Nasenlöcher rief keine Erkrankung hervor. Am 26. Juni wurden den geimpften und zwei Controlthieren je 1 cem warmer Lymphe in die Lungen gespritzt. Die geimpften Stiere blieben gesund, während die Controlthiere erkrankten und eins davon verendete. Ende Juli wurden die Versuchsthiere ge- tötet, ohne dass Abweichungen constatirt werden konnten.
Es waren also die Versuchsthiere, soweit nach Sachlage beurtheilt werden kann, durch die Impfung gegen Inficirung unempfänglich ge- worden.
Tagesgeschichte.
— Die Feierlichkeiten aus Anlass der Erhebung der Königl. Thierarzneischule zu Dresden zur Königl. thierärztlichen Hochschule.
Einen Bericht über die Feierlichkeiten aus Anlass der Enthüllung des Haubner-Denkmales, welchen wir am 1. November v. J.(Nr. 3) unseren Lesern mittheilten, schlossen wir mit folgenden Worten:
„Wir können nun nicht unterlassen, bei Anlass dieses Festberichtes von Neuem dem aufrichtigen Wunsche und der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass die nächste recht baldige Einladung, welche den Verfasser dieser Zeilen wieder zu einer Feier nach Dresden rufen sollte, ihren Anlass haben möchte in der Erhebung der Königl. sächsischen Thierarzneischule zur Hochschule. In der That kann es auf die Dauer von allen Betheiligten nur als zugefügtes Unrecht empfunden werden, wenn inner-
halb des Peutschen Reiches nun bald über Jahresfrist bei
gleicher Anforderung an die Aufnahme der Studirenden, bei gleicher Gültigkeit der von den betreffenden Landes- behörden ausgestellten Approbationsscheine, die Rang- stellung der Lehrinstitute eine ungleiche ist! Be- züglich Dresdens kommt hinzu, dass diese Thierarzneischule die zweitälteste im Deutschen Reiche ist und schon im Jahre 1880 das Fest 100 jährigen Bestehens feierte. Kaum braucht noch in einer Fachzeitschrift erwähnt zu werden, welche immer gesteigerten Verdienste um die Wissenschaft sich gerade die Thierarzneischule zu Dresden erworben hat. Mag auch die innere Organisation der Schule wenig oder gar nicht von derjenigen bei einer Rectoratsverfassung ab- weichen, zur äusseren Gleichstellung sowohl mit den an- deren Hochschulen Dresdens und Sachsens, wie auch mit den thierärztlichen Preussens ist die Erhebung zur Hoch- schule dringendes Erforderniss.
Ist es gut und edel, der Verdienste der Todten zu ge- denken, so ist es nicht minder verdienstlich, auch der Lebenden sich zu erinnern. Darum schliessen wir unseren Bericht mit dem lauten Wunsche: Bald möge erstehen die thierärztliche Hochshule des Königreichs Sachsen!“
Die betreffende Nummer wurde seiner Zeit einer grossen Anzahl sehr hervorragender und maassgebender Persönlich- keiten des Königreichs Sachsen zugeschickt.
In Nr. 16(vom 15. Mai d. J.) theilten wir mit, dass
die Studirenden der königl. Thierarzneischule in Dresden
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