———
—
30 Thiermedicinische Rundschau ete.
1889. No. 3.
Schluss nur für Bergheu zulässig erklärt. In- dessen ergaben die neuesten„Untersuchungen alpiner Alpenflächen von C. Pruwirt“, dass auch für die betr. Alpenwiesen Schindler's Theorie nicht pässe.
Bei der Nothwendigkeit, in einer so wichtigen Sache zu festen Ansichten und Schlüssen zu ge- langen, ist namentlich die Militär-Verwaltung in hohem Grade interessirt. Es galten bisher nur folgende Bestimmungen:
Fs muss gut gewonnen und nicht bedeutend mit Moos, Rohr, Disteln, Schachtelhalm etc. ge- mischt sein— kurz, nur sehr allgemeine Be- stimmungen.
Es ist aber jetzt von dem schon oben er-
wähnten Königl. Proviantmeister G. Eisermann eine genauere Anleitung in der Entstehung, bei
der besonders auf die botanische Untersuchung Werth gelegt wird.
Die Frage, warum die Sauergräser und Schachtelhalme trotz ihres hohen Proteingehaltes 8so wenig nährend sind, erklärt Redner zum Theil durch ihren Reichthum an Kieselsäure. Dem- selben Umstande ist es auch wohl zuzuschreiben, dass gerade Futterpflanzen, die bei vielen Land- wirthen als vorzügliches Futter gelten, auf der Weide bei guter Auswahl stehen bleiben, z. B. Alchemilla vulgaris, Thymus serpyllum, Origanum vulgare, Mentha-Arten u. a.
Nach Dietrich und König hat gerade saures Heu auch einen unangenehmen Geruch, von einem Oel herrührend, der durch Dämpfen gemildert werden kann. Ausser dem Kieselsäure- gehalt dürfte der Grund des geringen Nährwerthes der Sauergräser noch in dem Mangel an Kalk- salzen und Phosphorsäure liegen, wie von Morgen nachgewiesen wurde. Ebenso wichtig ist der Gehalt an Kochsalz, und ist das Heu nach Redner nicht nur als Nahrungs- sondern auch als Genuss- mittel zu betrachten und stehen darin die Marsch- wiesen und Bergwiesen obenan.
Zum Schlusse stellt Redner für den Practiker, der keine chemische Analysen machen kann, folgende Thesen auf:
1. Bei der Beurtheilung des Heues ist zu- erst seine physikalische Beschaffenheit maass- gebend, in zweiter Reihe die botanische Zu- sammensetzung und endlich die chemische.
2. Mit der chemischen Analyse sollte stets die botanische vorgenommen werden, jedenfalls immer die letztere.
3. Fine planmässige Untersuchung der Wiesengräser, nicht nur in Bezug auf ihren Nährwerth, sondern auch auf ihre Reizstoffe ist wünschenswerth.
4. Endlich, und zwar besonders wünschens- werth ist eine Untersuchung der Vorgänge bei der Umwandlung der Gräser in Heu.
Fleischbeschau.
Zur Trichinenschau. Von Hertwig. ach einem
Vortrage im Verein für öffentliche Gesundheitspflege.)
In den auf grosse Erfahrungen im Berliner Schlachthause beruhenden sehr interessanten Aus- führungen des Redners gab derselbe zunächst bekannt, dass die Trichinen am häufigsten in den Zwerchfellpfeilern vorkommen. Unter 150 unter- suchten trichinösen Schweinen fehlten dieselben nur bei 10 Thieren, wo die Trichinen überhaupt nur sehr vereinzelt vorkamen. Thatsache ist aber weiter, dass die Trichinen am seltensten in den Zwischenrippenmuskeln angetroffen werden. Sel- tener findet man sie auch in den Augenmuskeln. Diese zu untersuchen ist jedoch wegen der Schwierigkeit, die betreffenden Muskeln freizulegen, sehr umständlich und deshalb in grossen Schlacht- häusern aufgegeben worden. Häufig finden sich dagegen die Trichinen in den Zungenmuskeln, im Zwerchfell, in den Kehlkopf- und Bauchmuskeln. Von der Untersuchung der Zwischenrippenmuskeln würde man danach auch Abstand genommen haben und dafür die Zungenmuskeln, welche in
Berlin nicht untersucht werden, eingeführt haben,
wenn nicht jene Lieblingssitz der Strahlenpilze wären. Deshalb ist die Untersuchung beibehalten. Redner ist ferner der Meinung, dass es besser ist für die Sicherheit der Untersuchung, wenn von einzelnen bevorzugten Muskeln(Zwerchfells- pfeiler z. B.) viele Präparate angefertigt werden, als von vielen verschiedenen Muskelgruppen wenige Präparate untersucht werden. In Amerika würden nach Billings 24 Präparate aus den Zwerchfell- pfeilern angefertigt und ebenso in Petersburg. Auch BRedner hält eine genaue Untersuchung dieser Präparate aus dem Lieblingssitz der Tri- chinen für ausreichend, da beim Nichtvorhanden- sein der Trichinen in den Zwerchfellspfeilern eine Gefahr nicht vorhanden ist. Jedenfalls können Verordnungen, welche Untersuchung der Augen- und Zwischenrippenmuskeln fordern, abgeändert werden. Dass mit solchen Untersuchungen an vielen Stellen nicht ausreichende Sicherheit gegeben, beweist die Thatsache, dass in zwei Jahren 34 tri- chinöse Schweine durch Nachuntersuchung auf dem Berliner Schlachthof ermittelt sind, die sämmtlich auswärts als trichinenfrei befunden waren. Von diesen stammten 32 allein aus der Provinz Brandenburg, wo in obigem Sinne eine Polizeiverordnung pesteht.
Zur Sicherheit der Ausführung einer guten Untersuchung tritt Redner für Finrichtung von


