FFF

28 Thiermedicinische Rundschau etc.

1889. No. 3.

mancher klinischer Befunde bei Gehirnkrankheiten geltend.

Noch schlagender tritt uns die Bedeutung des Thierexperimentes entgegen, wenn wir die neueste ätiologische Forschungsrichtung in der Medicin betrachten. Klinische und pathologisch-anatomische Thatsachen drängen zu der Anschauung, dass ein bestimmter Krankheitsprocess eine Infectionskrank- heit sei, ja sie lassen uns sogar die pathogene Bedeutung eines bestimmten, in Krankheitspro- ducten und Geweben nachweisbaren Mikroorganis- mus vermuthen; den sicheren Nachweis alles dessen aber liefert uns erst das Thierexperiment. die gelungene Synthese der Krankheit.

Nichts mehr brauche ich wohl hinzuzufügen, um die Bedeutung, welche eine eingehende Kennt- niss der allgemeinen Pathologie für die Diagnosen- stellung besitzt, noch schärfer zu beleuchten, und nur die wohlgemeinte Mahnung will ich nicht unterlassen, dass Sie es nicht versäumen mögen, die täglich sich mehrenden Errungenschaften dieses Specialzweiges der medicinischen Wissenschaften in den Vorrath Ihres Wissens aufzunehmen.

Nur wer es lernt, den Kranken zu unter- suchen und mit jenem Geschick das Krankheits- bild aus dem oft wirren Symptomencomplexe herauszulesen, wie es zuerst die Hippokratiker verstanden, nur wer über umfassende, auf eigener Anschauung fussende Kenntnisse der pathologi- schen Anatomie verfügt und wer der allgemeinen Pathologie in ihrer Entwicklung gefolgt ist und weiter folgt, wird in der Lage sein, Diagnosen zu stellen, annähernd gleich jenen, wie sie mein unvergesslicher Vorgänger so oft in diesem Saale gestellt hat. Ihm stand eben eine von uns oft bewunderte, umfassende Kenntniss der beiden von mir besonders hervorgehobenen Wissensgebiete zur Verfügung.

Noch Eines aber besass Bamberger ausser- dem, und zwar etwas, das er nicht wie das Uebrige seinem rastlosen Fleisse zu verdanken hatte, etwas viel mehr, das ihm von Natur aus eigen war: seine Begabung, sein Talent. Schon frühzeitig machte es ihn zum Künstler in der Diagnostik und liess ihn später seine ungeheure klinische Erfahrung in wahrhaft künstlerischer Weise verwerthen.Ars longa, vita brevis schreibt Hippokrates. Lassen Sie uns, meine Herren, diesen Satz entsprechend variiren und, Bamberger vor Augen, erst sagen, seine Kunst war gross, sein Leben für uns zu kurz, dann aber alle, tiefe Wehmuth im Herzen, still diesen Saal verlassen, welcher der hauptsächlichste Schau- platz seiner Thätigkeit war.

Sein Andenken wollen wir bewahren, Beispiel soll uns führen.

sein

zusammenliegen.

Aeussere Krankheiten.

Acute Maulentzündung bei Pferden, veranlasst durch die Raupe des Weissdornspinners(Por-

thesia chrysorrhoea). von Kösters. Geitschr. f. Vet. I, Heft.)

Im Monat Mai d. J. erkrankten 52 Pferde eines Artillerie-Regiments an einer acuten Maul- entzündung. Die Lippen waren stark geschwollen, schmerzhaft und heiss, Unterlippe hing herab und die Maulspalte stand offen. Im Bereich der wenig behaarten Haut der Lippen befinden sich mehrere unregelmässig geformte, glänzende Stellen, welche bei Berührung besonders empfindlich sind. Aus beiden Nasenlöchern kommt ein anfänglich wässeriger später zäher, bräunlich-gelber reich- licher Ausfluss. Die Nasenwände sind mit braun- grauen Krusten bedeckt. Die Schleimhaut der Nase ist bei mehreren Pferden geschwollen, ge- röthet und mit dunkelrothen Flecken besetzt. Die Schleimhaut des Maules ist an den Lippen und in der Nähe der Schneidezähne mit rothen Punkten besetzt, die oft gruppenweise zu 5 7 Am Lippenrande, am Zahn- fleische, an der Schleimhaut der Backen und am Zungenbändchen bestehen ausserdem erbsen- bis bohnengrosse Erosionen mit unregelmässigen Rän- dern, rothem Grunde und in der Regel dünnem,

eitrigen Belag. Das gleichzeitige Auftreten dieser

Krankheitserscheinungen im gesammten Pferde- bestande einer Batterie liess vermuthen, dass hier eine ganz specifische Ursache vorlag, die allgemein gewirkt hatte und zunächst im Futter zu suchen war; dasselbe bestand aus Hafer, Häcksel und Heu. In dem noch nicht zerschnittenen, aus guten Gräsern bestehenden Grünfutter wurden einige trockene Fichenblätter gefunden, die von zwei am Rande der Wiese. von der das Gras genommen war, stehenden Eichbäume herrührten. Diese Eichen waren mit zahlreichen Raupen be- setzt. Es ergab die nähere Untersuchung, dass es sich um die Raupe des Weissdornspinners, Porthesia chrysorrhoea, handelte. Weitere Fütte- rungsversuche bestätigten, dass diese Raupe die vorgenannten Krankheitserscheinungen bei den Pferden erzeugt hatte. Von einer entlegenen Wiese wurden Pferde mit gutem Grase mehrere Tage hindurch ohne nachtheilige Folgen gefüttert. Dasselbe Gras wurde dann mit todten Raupen- bälgen vermengt und an zwei Pferde verabreicht. Die Thiere frassen mit grosser Gier, traten jedoch bald von der Krippe zurück und bekundeten ihr Missbehagen durch Hochziehen der Oberlippe, Schütteln mit dem Kopfe, sowie durch Reiben der Lippen am Krippenrande und an den vor- gestellten Vorderknieen. Gleich nach der Auf-

nahme des Futters zeigten sich an der äussern