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20 Thiermedicinische Rundschau etec.
1889. No. 2.
phosphorsaurem Kalk mechanisch zur Ausfällung zu bringen. Man kann diesen Niederschlag trock- nen, und er wirkt immer noch giftig. Im trocke- nen Zustand lässt sich so das Gift aufbewahren, sogar ohne Veränderung auf 100 Grad erhitzen. 2 Centigramm von diesem Niederschlag genügen zur Tödtung eines Meerschweinchens.
Trotz seiner höchst energischen Wirksamkeit kann aber das Diphtheriegift ungestraft in den Verdauungskanal von Kaninchen und Tauben, die für subcutane Injection sehr empfänglich sind, eingeführt werden. Die grosse Energie der toxischen Wirkung des Piphtheriegiftes bringt es mit sich, dass man Thiere schwierig an das-
selbe gewöhnen kann, da selbst kleine Dosen
langandauernde Wirkungen erzeugen können. Eben wegen dieser grossen Heftigkeit des Giftes müsste bei der Behandlung von Diphtheriekranken sogleich im ersten Beginn der Bildung von Pseudomembranen eingeschritten werden. Wenn man dem Bacillus Zeit lässt, eine grössere Quan- tität von Gift zu produciren, dann ist die Ent-
fernung der Membranen und alles Uebrige nutzlos,
da der Organismus bereits vergiftet ist. Denn bei Dyphtherie entsteht, im Gegensatz zu anderen Infectionskrankheiten, die Infection nicht durch eine Verbreitung des Infectionserregers in den Geweben und Organen, sondern durch die Piffu- sion einer toxischen Substanz, die an der Obef- fäche einer Schleimhaut, gewissermaassen ausser- halb des Körpers, gebildet wird.
Mittheilungen aus Vereinen und Versammlungen.
— Bericht über die Versammlung des Vereins Schlesischer Thierärzte in Breslau am 12. Mai 1889. (Fortsetzung)
Unseren gegenwärtigen Schlachthäusern fehlt jede Ein- heitlichkeit in ihren dem Zwecke entsprechenden Be- stimmungen. Die Schlachthäuser erscheinen etwa, wie eine Truppe ohne Führer, wie eine Truppe, bei der wohl jeder einem gleichen Ziele entgegenstrebt, aber jeder nach seiner eigenen Weise. Diesen Uebelständen kann jedoch leicht begegnet werden, wenn die hohen Regierungen der Entwickelung der Schlachthäuser ihre besondere Aufmerk- samkeit schenken und die Bearbeitung dieser Angelegen- heiten den hierzu einzig und allein berufenen Sachver- ständigen, den Departementsthierärzten, anvertrauen möchten. Was Könnte da nicht alles geschaffen werden. Die Re- gierungen könnten schon die sorgfältigste Prüfung der Entwürfe zu den Schlachthäusern vornehmen, unnöthig kostspielige Bauten verhindern, kleineren Stadtgemeinden vielleicht auch mit Entwürfen zu einfachen billigen Schlacht- häusern pehilflich sein, oder solche Entwürfe wenigstens pei den ihnen unterstellten Technikern anregen, nothwen- dige und practische Einrichtungen zur Einführung bringen, und besonders der Platzfrage und der Abfuhr der Spül- wässer besondere Aufmerksamkeit schenken. Es würde nicht vorkommen, dass ein Schlachthaus auf sumpfiges Terrain und dicht an die Stadt gebaut würde und bei der Einrichtung die Abfuhr der Spülwässer nicht einmal in
Betracht gezogen würde. Es würden also schon bei dem Baue alle für das Ptablissement und die umwohnende Nachbarschaft unbedingt erforderlichen hygienen Verhält- nisse besonders reiflicherer Erwägung unterzogen werden. Im weiteren könnten die Betriebs-Bestimmungen einheitlich geregelt, die Polizei-Verwaltungen angewiesen werden, das richtige und gleiche Maass von Anforderungen an den Be- trieb zu stellen, der Schlachtzwang auf alles Schlachten innerhalb der Gemeinde ausgedehnt, die Anstellung der PThierärzte geregelt, das Bestätigungsrecht der Schlschthaus- thierärzte den Regierungen vorbehalten, Schlachthof- meister mit der Untersuchung des Fleisches nicht mehr betraut, die Controle über die Untersuchungen der Trichinen- schauer innerhalb der Gemeinde nur den Schlachthaus- thierärzten zugewiesen, die Anstellung der Trichinenschauer nur auf Vorschlag und nach vorheriger Ausbildung von den Schlachthausthierärzten erfolgen, Bestimmungen über die Beurtheilung des Fleisches nach Qualitäten erlassen, die Untersuchung des Fleisches von auswärts, sowie die Ein- führung von Freibänken überall angeordnet, die Schlacht- hausthierärzte zur Aufstellung eingehender statistischer Tabellen und Berichte angehalten, sowie die Sammlung werthvoller Präparate gefordert werden. Es geht gegenwärtig enormes wissenschaftlich werthvolles Material verloren. Der Einfluss der Regierungen würde ein eminent segens- reicher sein, die Schlachthäuser würden das erfüllen, was man von ihnen erwartet; sie würden viel besser ihre sani- tären Aufgaben lösen wie gegenwärtig und sie würden dem Landwirthe, der dieselben heut für ein schreckliches Ge- spenst hält, durch Aufklärung mancher Schädlichkeit, we- sentliche Dienste leisten, kurz, sie würden also erst unter einer einheitlichen, zielbewussten Leitung voll und ganz ihren Zweck zum Wohle der Menschheit erfüllen. Um aber alle diese Forderungen verwirklichen zu können, ist es freilich fast Bedingung, dass von Seiten der hohen Re- gierungen die Gemeinden beständig darauf hingewiesen würden, dass es nur im Interesse der Gemeinden und der Verwaltung liege, wenn lediglich städtische Schlachthäuser errichtet werden. Die Errichtung öffentlicher Schlachthäuser darf nicht Sache des Einzelnen, sondern der ganzen Ge- meinde sein. Die Gemeinde-Mitglieder sind mit ihrer Ge- sundheit an der Sache interessirt, folglich haben sie das wesentlichste Interesse an der Sache. Es ist anzunehmen, dass, wenn von Seiten der hohen Regierungen dem Schlacht- hauswesen die gebührende Würdigung zu Theil geworden wäre, die Errichtung öffentlicher Schlachthäuser weit um- fangreicher wie bisher geworden und Innungen oder Ein- zelne nicht den Bau von Schlachthäusern ausgeführt hätten.
Solange die Schlachthäuser nicht einer bestimmten Operleitung resp. Aufsicht, nämlich dem bei jeder Regierung angestellten Pepartementsthierarzt unterstellt sind, solange werden dieselben ihre Aufgabe nur in beschränkter Weise erfüllen.
Wie es um die Schlachthäuser bestellt ist, so sieht es mit den Schlachthausthierärzten aus. Sieht man sich da die Ausschreibung solcher Stellen an, so wünscht der eine Magistrat eine Angabe der Honorarforderung von dem An- zustellenden, der andere schreibt mit so niedrigen Ein- künften die Stelle aus, dass etwa höchstens ein Pensionär diese Stelle als nebensächliche Beschäftigung übernehmen kann. In dem ersteren Falle wird eine unmoralische Stellen- jägerei erzielt, wobei es immer noch fraglich ist, ob auch wirklich der Qualificirteste die Stelle erhält und im letz- teren Falle ist vorauszusehen, dass meistens nur Personen dem Schlachthause vorstehen werden, welche sich erst in vorgerücktem Alter in diesen Specialzweig der thierztlichen Wissenschaft hineinleben müssen, und vielleicht nicht immer mit der nöthigen Autorität den oftmals widerwärtigen Ver- hältnissen eines Schlachthauses gewachsen sind. Pie Stelle des Schlachthausthierarztes ist Kein Ruheposten, sie fordert einen energischen und mit den einschlägigen Verhältnissen


