15. October.

Thiermedicinische Rundschau ete.

tiöse Milch liefern, häufig sind oder nur selten, und ferner wenn die Milch infectiös wird, ob bei allgemeiner Tuberculose oder auch bei localisirter.

Die Versuche wurden in der Weise vorge- nommen, dass die Milch von tuberculösen Kühen in sterilisirte Gefässe aufgefangen wurde und dann auf subcutanem oder intraperitonealem Wege junge Meerschweinchen geimpft. In anderen Fällen wurde die Milch unter Beobachtung aller Vorsichtsmassregeln aus den Milchgängen von

Eutern entnommen, welche dem Verf. vom Schlacht-

hause zu München unmittelbar nach dem Tödten der Thiere zugesendet waren. Das von Herrn Obermedicinalrath Dr. Bollinger controlirte Er- gebniss von 19 in dieser Richtung angestellten Versuchen war, dass in einer grossen Zahl von

Fällen Tubereulose bei den Versuchsthieren ein⸗

trat.

schweinchen trat eine ausgebreitete Miliartuber-

Milz, Leber u. s. w. ein, während die subeutan oder intermusculär geimpften Thiere tubereulöse

kamen. Das Fernbleiben jeder anderen intercur- krankung der Versuchsthiere ausschliesslich durch die infectiöse Milch hervorgerufen war. Dass die Gefahr der Infection keine geringe ist, zeigte ferner die Thatsache, dass sich in 11 von 20 Fällen die Milch tuberculöser Kühe als infectiös erwies. Ferner erwies sich die bisherige Annahme nicht

Bei den intraperitoneal geimpften Meer- wiederholen.

empfänglichen Schafe benutzt.

Magensaft zerstört werden; dagegen nicht die

Sporen. 8So seien, unter Berücksichtigung des

Umstandes, dass auch die Bacillen später vom

Darm aus resorbirt werden können, die verschie-

denen Wege der Infection durch Milch zu er-

klären.

Ueber den Durchtritt von Milzbrandsporen durch die intacte Lungenoberfläche des Schafes. Von Enderlen(path. Inst. München).(Deutsche Zeit- schrift für Thiermediein, Bd. XV, Heſt 1 u. 2, S. 50.)

Schon Buchner hatte Versuche über das Ein- dringen von pathogenen Bacterien durch die in- tacte Lungenoberfläche gemacht. Die Versuche waren jedoch nur an Mäusen, Meerschweinchen und Kaninchen gemacht. Verf. hatte ein Inter- esse, solche Versuche an grösseren Thieren zu

Es wurden die für Milzbrand sehr

Bei den Versuchen

eulose des Bauchfelles, des grossen Netzes, der gingen sämmtliche Thiere, denen das zerstäubte

Gift durch Einathmung beigebracht war, zu Grunde, während die Fütterungsthiere sämmtlich am Leben

Abscesse und Geschwüre an der Impfstelle be- blieben. Da sich nun pei den Versuchen die Ein-

athmung der Milzbrandsporen als viel gefährlicher

. 2§ 5 5*.* renten Krankheit zeigt, dass die tuberculöse Er- wie die Fütterung erwies, so scheint Verf. der

zutreffend, dass die Milch nur solcher Kühe ge- fährlich sei, deren Euter infectiös erkrankt sei,

bezw. die an allgemeiner Tuperculose leiden. Ver- suche und Untersuchungen nach dieser Richtung zeigten, dass die Mileh auch von solchen Kühen infectiös war, die nur geringgradig an localer Tubereulose litten. Kühe, die gut genährt und anscheinend gesund waren, lieferten eine infectiöse

Milch. Die Auffassung des Verf., dass die Milch

jeder tuberculösen Kuh nach Aufnahme der Keime aus tuberculösen Heerden vorübergehend infectiös sein kann, jedoch pei späterer Ausscheidung der- selben aus dem Blute nicht stets enthalten muss, ist deshalb durchaus begründet. Ebenso perechtigt ist auch die Erklärung, die Milch jeder tuber- culösen Kuh für verdächtig zu halten und um so mehr, je abgemagerter die Kuh und je mehr das Buter selbst in Mitleidenschaft gezogen ist.

Der Genuss ungekochter Milch, meint mit

Recht der Verfasser, sei nur statthaft, wenn man

sicher ist, dass die Kuh gesund ist. Andrerseits brauche der Genuss infectiöser Milch nicht immer schädlich zu sein. Individuelle Disposition, Energie und Menge der eingeführten Keime sind von Be- deutung. Wohl dürften auch die meisten in den Magen eingeführten Tuperkelbacillen durch den

Schluss berechtigt, dass manche Fälle von spon- tanem Milzbrand bei Weidethieren durch Ein- athmung zu erklären sind. Es wird diese Auf- fassung sagt Verf. dann zulässig sein, wenn bei einer Section weder Darmheerde noch Haut- carbunkel gefunden werden. Gelegenheit zur Zer- stäubung auf nassem oder trockenem Wege wird in den Milzbrandgegenden oft genug durch die Thiere selbst geschaffen werden.

Arzneimittellehre.

Untersuchungen über die Wirksamkeit verschie- dener chemischer Desinfectionsmittel bei kurz

dauernder Einwirkung auf lnfectionsstoffe. Von Jäger.(Arbeiten aus dem Kaiserl. Gesundheitsamt. Bd. V, Heft 2.)

Verf. ging bei seinen Versuchen von der Ab-

sicht aus, eine Grundlage für die Desinfection

von Thierställen zu finden. Es sollten in erster Linie solche Desinfectionsmittel chemischer Natur berücksicht werden, die gewöhnlich zur Verfügung ständen, auch sollten die Versuche möglichst den Verhältnissen in der Praxis angepasst werden. Es wurde deshalb bei den Versuchen das zu desinficirende Object mit dem PDesinficiens be- fruchtet bezw. bestrichen und das Desinfections- mittel dann trocknen gelassen und die der Ver- nichtung ausgesetzt gewesenen Infektionskeime auf ihre Lebensfähigkeit geprüft.

Es ergab sich zunächst, dass Kalk sich gegen- über den zur Untersuchung gezogenen Pauer-