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PThiermedicinische Rundschau etc.
1889 No.2
die bis dahin in der practischen Mediein noch immer herrschende hippokratische
tomische Diagnose.
zu erwartenden Befund zu bestimmen, immer erfolgreicher, wofür als ein gutes Beispiel
Lambertini's nur auf Inspection und Palpation
des Herzstosses, der Arterien und Venen gegrün- dete Diagnostik der Herzkrankheiten dienen kann.
In Morgagni's Zeit fällt auch das Erscheinen des Inventum novum Auenbrugger's von dem seine Zeitgenossen übereinstimmend aussagen, dass
bei Erkrankungen der Brustorgane, speciell bei Empyem zu stellen wusste. Wie zu ersehen, haben wir demnach die anatomische Diagnose als eine Errungenschaft des 18. Jahrhunderts zu betrachten. Mit Anfang unseres Jahrhunderts kam dann in Frankreich die pathologische Ana- tomie und physikalische Diagnostik, damit die anatomische Diagnose zu rascher Blüte. In deutschen Landen, wo die Ausläufer der Brown- schen Lehren noch spukten und verschiedenartige naturphilosophische Systeme die Geister umfangen hielten, dauerte der Kampf länger und erst pei- läufig 30 Jahre später kam diese Richtung zum Durchbruch. Es trat in Würzburg Schönlein auf und begründete die sogenannte naturhistorische Schule, es begann Skoda hier in Wien seine Arbeiten.
Vor Allem aber sind es die Leistungen Roki- tansky's, welche die pathologische Anatomie
zur allgemein acceptirten Grundlage der Semiotit
und pathologisch-anatomischen Begriffe zum In- halte der klinischen Diagnosen machten. Dieser Forscher und Gelehrte, mit seinem einzig da- stehenden Beobachtungstalent und dem glänzenden Geiste, den unsere Universität zeit seines Lebens mit gerechtem Stolze den Ihrigen genannt hat, begnügte sich nicht mehr mit der Beschreibung äer Leichenbefunde, sondern suchte, und zwar mit Prfolg, die Entwicklung der pathologischen Processe aus den einzelnen Befunden zu con- struiren. Padurch erwuchs der anatomischen Piagnose eine ganz wesentliche Erweiterung ihres Feldes und ausserdem die Möglichkeit zu einer rein anatomischen Classification der pathologischen Vorgänge zum Zwecke des practischen medi- einischen Unterrichtes in der Klinik.
Und so kam es, dass auch in Deutschland das bis zu Ende der dreissiger Jahre allgemein verbreitete Streben nach Systematik in der speci- ellen Pathologie aufgegeben wurde. Uns Medi- einern der Jetztzeit erscheint dies, wenn wir ver- gleichend die hervorragenderen Parstellungen der speciellen Pathologie und Therapie aus diesen
Zeiten des Ueberganges lesen, nahezu wie eine Diagnostit Erlösung.
definitiv beseitigt, an ihre Stelle trat die ana- Die Versuche, während Leb- zeiten des Patienten den bei der Leichenöffnung wurden
Noch der Inhalt der Vorlesungen Schön- lein's, welcher wenigstens ein sogenanntes natür- liches System an Stelle der früheren künstlichen setzte, erscheint uns als etwas völlig Fremdes.
Schon in der Bearbeitung der speciellen Pathologie
und Therapie jedoch, welche von Canstatt, einem Schüler und Freunde Lucas Schönlein's, stammt und Anfangs der vierziger Jahre er- schienen ist, kommt das anatomische Eintheilungs- princip besser zur Geltung, in den folgenden
Bearbeitungen erscheint es bereits als das allein er regelmässig richtige anatomische Diagnosen
herrschende. Die systematische Darstellung der speciellen Pathologie und Therapie wählt die ana- tomisch distincten Organe und Organsysteme und dann die anatomisch charakterisirten Veränderungen der Organe als hauptsächlichstes Fintheilungs- princip. So, um einige Beispiele zu nennen, das Werk des Leipziger Professors Wunderlich, die beiden grossen Sammelwerke über specielle Pathologie, Virchow's Handbuch, an welchem auch unser unvergesslicher Bamberger einen hervorragenden Antheil genommen hat, und das von v. Ziemssen herausgegebene neueste Sammel- werk. Wie es immer geschieht, macht sich dabei anfangs ein gewisser Uebereifer geltend, insoferne als klinische Krankheitsbilder ohne auch nur halb- wegs ausreichende Begründung auf pathologisch-
anatomische Grundlagen bezogen werden. Denken
Sie z. B. an die Rolle, welche die Hyperämie und Anämie des Centralnervensystems bei der Deutung verschiedenartiger nervöser Krankheitszustände ge- spielt hat. Heutzutage ist die nothwendige Corree- tur hierfür bereits erfolgt.
Nicht vergessen darf ich jedoch schliesslich zu erwähnen, dass neben dem anatomischen auch das ätiologische Moment bei der systematischen Darstellung der Krankheiten frühzeitig Eingang fand und seinen berechtigten Platz behauptete; so erscheint das Capitel der Infectionskrankheiten sehr bald als ein selbständiges, wenn auch nicht in dem Umfange, den es jetzt einnimmt.
(Schluss folgt.)
Pathologische Anatomie und Pathogenese.
Experimentelle Beiträge zur lnfectiosität der Milch tuberculöser Kühe. von Hirschperger. (Deutsches Archiv f. klin. Med. Bd. 44, S. 500)
Zur weiteren Klärung der Frage, in wie weit die Tuberculose der Kühe eine Quelle der Infection für den Menschen sein könne, hat Hirschberger in dem pathologischen Institut zu München eine Reihe weiterer und sehr interessanter Versuche angestellt. Es sollte zunächst geprüft werden, ob Fälle, in denen tuberculöse Kühe eine infee-


