15. October.
Volta's, welche allerdings erst spät, vor Allem durch Duchenne de Boulogne diagnostischen Zwecken dienstbar gemacht wurden, lassen Sie die ungeheure Entwicklung, welche die mikro- skopische und chemische Untersuchung des Blutes, der Secrete, der Excrete und Krankheitsproducte genommen hat, in Ihr Gedächtniss zurückrufen. Gestatten Sie, dass ich der Feststellung der dia- gnostischen Bedeutung des Kniephänomens durch Westphal und Erb, des Nachweises der Tuper- kelbacillen zu diagnostischen Zwecken, der neueren
Thiermedieinische Rundschau etc.
diagnostischen Methoden bei Magenkrankheiten
gedenke. Diese kurze und durchaus unvollständige Auf-
zählung möge Ihnen den Reichthum an Unter-
suchungsmethoden, welchen wir jetzt unser eigen nennen, vor Augen führen. Alle diese Methoden verdanken ihre Entstehung dem Streben nach Vermehrung der Mittel, welche uns die Feststellung
der Abweichungen des menschlichen Organismus von der Norm gestattén, demselben Streben somit, das schon Hippokrates und seine Jünger zur
Arbeit begeisterte. Unsere Sinne nur sind schär- fere, unser Rüstzeug ein besseres.
aber ist auch jetzt eine umfassende und objective
Untersuchung des kranken Individuums die erste
kritikloser Weise zusammengestellt wurden. Wie damals
Aufgabe des Arztes und eine der ersten Aufgaben des Klinikers ist es, den Schülern zu zeigen und zu lehren, wie eine solche Untersuchung vor-
genommen werden soll. Brauche ich es jetzt nochmals zu sagen, dass der Kliniker, dessen ehrendem Gedächtniss Worte geweiht habe, die Fähigkeit zu einer wahrhaft küntlerischen Auffassung und Durch- führung dieser Aufgabe besass?
Als den zweiten Theil der Erwägungen, welche uns zur Diagnose eines vorliegenden Krankheits- zustandes führen, habe ich früher den Rückschluss auf die anatomischen Veränderungen und die pe- stehenden Functionsstörungen bezeichnet.
ich diese meine ersten
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gestellte Thatsachen— und mit dem Wieder- auf leben der ursprünglich als ein Werk der alexandrinischen Schule entstandenen menschlichen Anatomie stellen sich pald auch die Anfänge der pathologischen Anatomie ein.
Schon bei Mundinus, der sich in seinen anatomischen Schilderungen immer noch ziemlich enge an die Anatomie des Galenus anlehnt, finden sich gelegentlich Bemerkungen üper vor- gefundene pathologische Veränderungen. Doch erst im 16. Jahrhundert, als die Arbeiten der grossen Anatomen dieser Zeit, Vesalius an der Spitze, den Galenischen Lehren den Garaus machten, tritt zum ersten Male das Bestreben klar hervor, den Befund während des Lebens und jenen an der Leiche mit einander zu ver- gleichen. Benivieni aus Florenz ist der erste Arzt, der eine Sammlung von klinischen Be- obachtungen mit den zugehörigen Leichenbefunden erscheinen lässt, und bald entwickelt sich ein wahrer Sammeleifer in der ärztlichen Welt, wobei alte und eigene Beobachtungen natürlich in völlig Ein Blik in das bekannte Sepulchretum des Bonetus, ein mit zahlreichen und merkwürdigen Illustrationen ausgestattetes, im Jahre 1679 erschienenes Buch, kann Ihnen dies zeigen.
Im 17. Jahrhundert kam durch W. Harvey's Entdeckung des Blutkreislaufes ein neues frisches Leben in die Medicin; immer reichlicher wurden die Sammlungen pathologisch-anatomischer Be- funde, immer enger die Bezichungen derselben zu den Befunden intra vitam. Harvey selbst be- tont in seinen Schriften wiederholt die hohe Be-
deutung der pathologischen Anatomie für die
practische Medicin.
Ge-
statten Sie, dass ich auch diesem Theile eine
kurze historische Parstellung widme und mit Ihnen untersuche, wann und wie die anatomische Diagnose in die diagnostische Thätigkeit des Arztes Eingang gefunden hat.
Den Hippokratikern lag, wie schon gesagt. eine derartige Diagnose ferne, und weder die Galeni'sche Mediein noch die arabische und scho- lastische lässt die Spur eines Strebens nach ana- tomischen Diagnosen erkennen.
Im 13. Jahrhundert erst, zusammen mit den Vorboten des wiedererwachenden geistigen Lebens, sehen wir die alten, unwahren und grösstentheils der Anatomie des Affen entlehnten Anschauungen über den Aufpau des menschlichen Körpers wan- kend werden, an ihre Stelle treten allmählich durch Zergliederung menschlicher Leichen fest-
„Die Section eines Phthisi- schen, heisst es an einer Stelle, oder die eines nach langwieriger Krankheit Verstorbenen ist lehrreicher als die von zehn Justificirten.“
So nahte die Zeit Morgagni's, des eigent- lichen Begründers der wissenschaftlichen patho- logischen Anatomie. Im Jahre 1761 veröffentlichte dieser grosse Forscher als Resultat der Arbeit seines Lebens jene fünf Bücher de sedibus et causis morborum, die ihm unveränglichen Ruhm gebracht haben. Diese erste aller zusammen- hängenden Darstellungen der pathologischen Ana- tomie betrifft jedoch nicht den Leichenbefund allein, denn Morgagni fasst bei seiner Schilderung den ganzen Krankheitsvorgang auf, von dem der Leichenbefund den einen und zwar abschliessen- den Theil darstellt, während der andere nicht minder wichtige Theil von dem zum grossen Theile durch ihn selbst erhobenen klinischen Be- fund und Krankheitsverlauf gebildet wird.
Durch Morgagni's Wirken und später durch das Studium seines unsterblichen Werkes wurde


