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Thiermedicinische Rundschau etc.

1889. N9. 2

die deshalb sogenannte Succussio Hippocratis für rung der Symptomatologie der Krankheiten ergab. So verdanken wir z. B. dem berühmten Thomas

die Diagnose des Pyopneumothorax verwenden. In genauester Weise wurde auch das Verhalten des Harnes perücksichtigt; man kannte z. B. die Beziehungen des schäumenden Harnes zu Ohn- machten, Amaurose, Krämpfen. Fs ist das, wie leicht ersichtlich, nichts Anderes, als die Be- ziechungen zwischen Albuminurie und dem urämi- schen Symptomencomplex.

Und noch einen Schritt weiter geht die Krankenuntersuchung dieser Zeit, man lässt den Kranken gewisse Bewegungen ausführen, tief athmen, laufen, um aus den dabei hervortreten-

Willis, einem Anhänger der OChemiatrie des liebenswürdigen Leydner Professors de le Bos Sylvius, die Anfänge der Harnchemie, darunter bekanntlich die Entdeckung des Zuckers in dem diabetischen Harne.

Nur wenige dieser medicinischen Systeme

waren so verrottet, dass nicht etwas dabei für

den Symptomen Anhaltspunkte für das ärztliche

Handeln zu gewinnen.

Kurz, die Hippokratiker

waren gleich unermüdlich wie erfolgreich in der

unbefangenen Beopachtung und verständnissvollen Sammlung von Thatsachen am Krankenbette. Sie haben dadurch die rationelle klinische Empirie begründet und sich unvergänglichen Ruhm ge-

schaffen, denn seither ist die practische Mediein

eine Erfahrungswissenschaft geblieben. Sie ist es geblieben selbst zu solchen Zeiten, wo das Gold der hippokratischen Lehren dem Flittergold der Lehren des Galenus z. B. weichen musste, welcher entgegen dem Geiste der Ersteren an- fing, die Thatsachen den Theorien anzupassen, und selbst dann, als die unselige scholastische Medicin mit ihrer Speculation, ihrer Dialektik und ihren Spitzfindigkeiten die Lehren und Grund- sätze des Hippokrates völlig aus der sogenannten wissenschaftlichen Medicin verdränget. Die guten practischen Aerzte blieben auch zu diesen Zeiten Jünger des Hippokrates.

Dann kam das Zeitalter der Renaissance, mit ihm die Wiedergeburt der alten Qultur, und da musste es geschehen, dass auch die wissenschaft- liche Mediein die Fesseln, welche man ihr an- gelegt hatte, abwarf und zu den Lehren des Koör's zurückkehrte.

Die jetzt allmählich sich vollziehende Ent- wicklung der Naturwissenschaften übte einen be- stimmenden Einfluss auf die Ausgestaltung der hippokratischen Untersuchungs- und Beobachtungs- methode und wenn auch, wie die Geschichte der Mediein des 17. und 18. Jahrhunderts lehrt, die imponirenden Erfolge der Naturwissenschaften, z. B. der Physik, der Chemie, in allererster Reihe dazu führten, die wissenschaftliche Mediein von Neuem in die spanischen Stiefel unfruchtbarer Speculationen und kurzlebiger Systeme zu zwän- gen, so zeigt uns ein genaueres Zusehen doch, dass bei diesen Gelegenheiten allenthalben ein guter Gewinn für die practische Medicin erwuchs. Dies insoferne, als sich regelmässig eine Ver- mehrung der durch die Krankenuntersuchung fest- zustellenden Erscheinungen, somit eine Bereiche-

die Symptomatologie der Krankheiten abgefallen wäre. Dies gilt z. B. von dem Brownianismus, dessen Bedeutung für die Entwicklung der medi- einischen Wissenschaft von manchen Historikern mit Recht im Sinne einer wohlthuenden Ab- schwenkung von medicinischen Systemen über- haupt aufgefasst wird.

Allen Systemen zum Protze blieben jedoch die hervorragendsten practischen Mediciner auch dieser Zeit Hippokratiker und liebten sich Jünger des Koörs zu nennen, so Sydenham, Boerhave, No P i

Um jetzt die mit dem Ende des XVIII. Jahr- hunderts beginnende Weiterentwicklung der klini-

schen Untersuchungsmethoden zu charakterisiren,

brauche ich bloss die Namen Auenbrugger, Corvisart, Laennec und Skoda zu nennen, es sind das die Namen jener Männer, welche als Erbauer der wichtigsten Grundpfeiler zu betrach- ten sind, auf welchen die moderne Diagnostik innerer Krankheiten ruht. Auenbrugger hat hierzu den Grundstein gelegt, Skoda die Krönung des Werkes durchgeführt, beide haben, es ist mir eine wahre Freude daran erinnern zu können, hier in diesem Krankenhause gewirkt.

Wollte ich ferner in weiterer Verfolgung meiner Absicht die Entwicklung der Unter- suchungsmethoden zu diagnostischen Zwecken, wie sie im Laufe der letzten Jahrzehnte statt- gefunden hat, schildern, ich würde kein Ende finden. Denken Sie, meine Herren, nur daran, dass die Errungenschaften sämmtlicher natur- wissenschaftlicher Disciplinen gegebenen Falles als Bereicherung unserer Untersuchungsmethoden erscheinen, denken Sie an die Erfindung des Augenspiegels, der endoskopischen Methoden. Vergessen Sie dabei die Verdienste des genialen Ludwig Türck nicht, dessen Büste hier in diesem Hause, der Stätte seiner reichen wissen- schaftlichen Thätigkeit, den späteren Generationen erweisen mag, dass dieser um die Laryngoskopie und um die Erforschung der Nervenkrankheiten so hochverdiente Gelehrte schon bei seinen Zeit- und Berufsgenossen Anerkennung gefunden hat. PErinnern Sie sich dankbar der Verdienste, welche sich der geistreiche Graefe um die Diagnostik der inneren Krankheiten erworben hat. Gedenken Sie der grossen Entdeckungen Galvani's und