Thiermedicinische Rundschau ete.

1885

Fleischbeschau.

Fleisch mit dem Beruch der ranzigen Butter. Von Nocard und Morlé.(Recueil de médecine vété- rinaire, Bd. VI, Seite 67. 1883.)

Den Versuchen und Beobachtungen der Verf. üper eine eigenthümliche Veründerung des Fleisches entnehmen wir folgende Mtttheilungen.

Unter dem von auswärts nach Paris einge- führten Ochsen- und Kalbfleisch wurde häufig solches angetroffen, das sehr stark nach ranziger Butter roch. Das sonst gute Fleisch besitzt festes Fett, das sich jedoch beim Betasten ölig anfühlt. Ebenso erscheinen die Muskelfasern reichlich durchdränkt mit einer öligen Flüssigkeit, die einen stark ranzigen Geruch verbreitet. Auf grossen durch die Fleischstücke gelegten Schnitten trifft wan oft Stellen an, wo das Gewebe dunkel- grau, trocken und leicht zerreiblich ist. Die Nachbarschaft solcher Heerde erscheint ebenfalls erkrankt und ist mit einer gallertartigen Masse durchtränkt. Die bei dem Schlachten durch- trennten Wirbelknochen zeigen gleichfalls eine dunkele. bald ganz schwarz werdende Farpe. Bakteriologische Untersuchungen ergaben die An- wesenheit von verschieden grossen Bacillen sowohl im Blute und in der serösen Flüssigkeit des Binde- gewebes, wie auch in den Muskelgruben. Pie Verf. meinen, dass diese Bacillen specifisch solchem Fleische zugehören, da sie ähnliche sonst nicht peopachtet bhaben. Die beschriebene Veränderung des Fleisches kommt verhältnissmässig nicht häufig vor, von 1156 pbeschlagnahmten Fleischstücken

waren in 1 ½ Jahren nur 19 so erkrankt gefunden. Nur einwal peim Schweinefleisch.

Versuche bezüglich der Herkunft des Geruches ergaben, dass in der Mehrzahl der Fälle das Fleisch der Thiere von solchen herrührt, die an Bauschbrand erkrankt und im Verlaufe der Krank- heit geschlachtet worden sind; einzelne Fälle be- treffen Thiere, die an einem beim Rinde bisher noch nicht beobachteten malignen Oedem litten.

Betreffs der Herkunſt des ranzigen Geruches meinen N. und M., dass derselbe durch die Thätig- keit der Organismen des Rauschbrandes und jenes malignen Oedems vorbereitet und seine Entwicklung begünstigt wird.

Während der Geruch nach ranziger Butter an Cadavern, die an künsthichem Rauschbrand und Oedem zu Grunde gegangen waren, nie nach- zuweisen war, konnte diese Thatsache wahr- genommen werden in den Fällen, wo aus den Bauschbrandgeschwülsten und malignen Oedeme nach den Angaben von Arloing-Cornevin und Thomas ein Pulver hergestellt wurde und dieses aufpewahrt wurde. Noch nach 2 Jahren komte an solchem Pulver der ramzige Geruch

wahrgenommen werden. Derselbe Geruch tritt auf an Culturen, die auf der Peritonalflüssigkeit eines Kaninchens, das durch Impfung mit dem Rauschbrandpulver zu Grunde gegangen ist, unter Luftabschluss ausgeführt sind.

Mittheilungen aus Vereinen und Versammlungen.

Bericht über die XVIII. Versammlung des thierärztlichen Vereins der Kreishauptmannschaft Dresden. Verhandelt Meissen, den 21. Juli 1889.

In Gegenwart der Ehrenmitglieder: Herr Med.-Rath Prof. Dr. Siedamgrotzky, Herr Oekonomierath Steiger- Meissen, Herr Beziksthierarzt Schleg-Meissen sowie von

15 Mitgliedern und 5 Gästen eröffnet gegen 12 Uhr der

Vorsitzende, Docent Lungwitz, die Versammlung mit be- grüssenden Worten. An diese anschliessend gedenkt er der seir der letzten Versammlung gestorbenen Mitglieder des Vereins: Oberrossarzt Müller und Amtsthierarzt Rassler, peide in Dresden, deren Andenken die Versammlung durch Erheben von den Plätzen ehrt.

Zur Aufnahme in den Verein hatten sich gemeldet die Herren: Bezirksthierarzt Röder-Grossenhein, Ober- rossarzt Müller-Dresden, die Rossärzte M. Lungwitz- Riesa und Zschocke-Grossenhain sowie der Thierarzt G6öhre-Deutschenbora. Sämmtliche Herren werden ein- stimmig aufgenommen. Vor Eintritt in die Tagesordnung nahmen noch die in der vorigen Versammlung zu Ehren- mitgliedern ernannten Herren Oekonomierath Steiger und Bezirksthierarzt Schleg das Wort, um ihrem Panke für die ibhnen zu Theil gewordene Auszeichnung Ausdruck zu geben.

Nach Frledigung von Punkt 1 der Tagesordnung: Verlesung des Protokolls der letzten Sitzung, welches de- battelos genehmigt wird, sowie nach Mittheilung der Ein- gänge des Vorsit?enden werden zum 2. Punkte der Tages- ordnung die Herren: Professor Dr. Schütz, derzeitiger Rector der thierärztlichen Hochschule zu Berlin, Professor Dr. Pütz-Halle und Oberregierungsrath Dr. Lydtin-Karls- ruhe vom Voſsitzenden zu Ehrenmitgliedern des Ver- eins vorgeschlagen Nachdem der Vorsitzende die Verdienste genannter Männer um die thierärztliche Wissenschaft und den thierärztlichen Stand gebührend hervorgehoben, erfolgte die Abstimmung, bei der die genannten Herren als ein- stimmig gewählt hervorgingen. Der Schriftführer wird beauftragt, die drei gewählten Herren um Annahme der Ehrenwitgliedschaft zu bitten.

Zu Punkt 4 der Tagesordnung, welcher, da Herr Prof. Dr. Johne erst später erscheinen konnte, vorausgenommen wird, 1eferirt der Schriftführer Edelmann über die Gründe, welche eine Revision der Statuten nothwendig gemacht hätten und hierauf verliest derselbe die vom Vorstande vorgeschſagene neue Fassung der Statuten. Die Para- graphen 1 16 werden ohne Einwurf angenommen, nur

betreffs des§ 17 entspinnt sich eine Pebatte, an welcher

sich ausser dem Referenten die Herren Steiger und Lung- witz betheiligen. Die Versammlung beschliesst bierauf die alte Fassung des Schlussparagraphen beizubehalten. Zu der vom Vorstande beantagten Drucklegung der Sta- tuten nehmen in der Debatte die Herren Lungwitz, Steiger und der Referent befürwortend Stellung, während Herr Schleg dieselbe nicht für nothwendig hält. Die Versammlung beschliesst hierauf die Drucklegung der Statuten und Vertheilung derselben an die Mitglieder.

Im 5. Punkte der Tagesordnung giebt der Vorsitzende Herr Lungwitz ein Referat über seine Thätigkeit auf der II. Plenarversammlung des deutschen Veterinärrathes.