1. Oetober.

Thiermedicinische Rundschau etc.

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wäre es nicht schwierig, Bäcker, Fleischer oder Droguisten ausfindig zu machen, in deren Kund- schaft keine derartigen Erkrankungen vorge- kommen sind. Darf man nun etwa daraus schliessen, dass diese Leute sich in diesen Ge- schäften die Krankheit zugezogen haben? Genau die gleiche Beweisführung wird aber gegenüber den Milchhändlern in Anwendung gebracht. Unter den Abnehmern einer Molkerei erkranken mehrere an Scharlach, die einer anderen bleiben gesund: folglich war der Genuss der Milch aus der ersteren die Ursache der Scharlacherkrankung.

Hime war in der Lage diese empfindlichen Lücken der früheren Beobachter zu vermeiden. In Bradford, seinem Wohnsitz, war die prompte Anzeige aller Infectionskrankheiten seit Jahren von den dortigen Aerzten geübt. Durch Ver- mittlung der Behörden erhielt er weiter das vollständige Verzeichniss der Abnehmer sämmt- licher Milchlieferanten und konnte somit das ge- häufte Auftreten von Erkrankungen in der Kund- schaft des einen oder anderen sofort erkennen. Die Epidemie war eine schwere; es erkrankten im Laufe des Jahres 1887 nicht weniger als 1308 Personen.

Das Resultat der Untersuchung ist am besten aus nachfolgender Tabelle ersichtlich, welche

sämmtliche Milchgeschäfte, in deren Personal oder Familie Scharlacherkrankungen angemeldet wor- den, umfasst.

2 8 52 8 5 2 58 285 2 ½5 Erkrankung S 8 S 3 2 rankungen 8 338 325 6 22502 2 unter den 2 523* 2282 ½225*5 3 2 2 Abnehmern 5 der Meh 2 5 P 18 90 4 Scharlach II. 2 88 440 9 Scharlach(in 6 Familien) III. 217 1085 1 3 IV. 131 655 1 3 Scharlach ¹) 1 Typhus V. 9 243 5 1 100 500 2 5 11 797 3985 9 Scharlach 14(13 Schar- lach, 1 Ty- phus).

) 3 Monate nach Ausbruch der gleichen Erkrankung im Hause des Milchhändlers.

Die Verhältnisse der Milchhandlung VI seien des Näheren angeführt. 2 Scharlachfälle in der Familie des angezeigt. Das eine der beiden Kinder war schon vor längerer Zeit unter ganz ſeichten Er- scheinungen erkrankt und dann wieder genesen. so dass erst die ausgesprochene Prkrankung des zweiten den Arzt auf die richtige Diagnose führte.

Am 24. October wurden Händlers

PDie Erkrankung des zweiten Kindes war eine

so schwere, dass dessen Verbringung ins Spital und die Desinfection des Hauses unthunlich er- schien. Hime beschränkte sich daher darauf, dem Vater und allen in dem Wohnhause befind- lichen Personen die Beschäftigung mit den Thieren und dem Milchhandel auf's Strengste zu unter- sagen und diese Geschäfte durch ausser dem Hause wohnende Personen besorgen zu lassen. Unter dieser Bedingung wurde der weitere Ver- kauf der Milch gestattet. Unter den 100 Fami- lien, die von dort mit Milch versorgt wurden, war keine einzige Erkrankung an Scharlach zu verzeichnen.

Aehnlich lautet der Bericht bei den anderen Milchbandlungen. Ja, wunderbarer Weise war unter den Abnehmern der Milch aus inficirten Milchhandlungen die Zahl der Scharlacherkran- kungen verhältnissmässig kleiner als unter dem Rest der Bevölkerung. Während im Ganzen auf 171 Personen 1 Scharlachfall traf und somit auf obige 4000 Personen 23 Prkrankungen hätten treffen sollen, erkrankten nur 13. so dass man mit grösserem Rechte sogar behaupten könnte, dass die aus Scharlachhäusern stammende Milch eine gewisse Immunität gegen Scharlach verleiht.

Jedenfalls wird Niemand aus den angeführten Zahlen den Schluss ziehen können, dass in dieser Epidemie die Milch in dem Sinne Klein's die Quelle und ausschliessliche Trägerin des Schar- lachgiftes gewesen. Die Familien und das Per- sonal der Milchproducenten war nicht in höherem Grade von Scharlach ergriffen, als die übrige Bevölkerung; da, wo Scharlacherkrankungen im Hause von Milchhändlern vorkamen, waren die Thiere völlig gesund und konnte weder der Um- gang mit den Thieren noch der Genuss der rohen Milch mit einiger Wahrscheinlichkeit als Quelle der Infection angesehen werden. Allein auch da, wo durch den Ausbruch von Scharlach in der Familie des Milchhändlers die Gelegenheit zur Infection der Milch mit menschlichem Scharlach- gifte gegeben war und dies war in dem an- geführten Fall VI durch ziemlich lange Zeit der Fall gewesen, blieb die erwartete Verschlep- pung aus, obwohl sicherlich die Absperrung der Erkrankten von den Räumen, wo die Milch auf- bewahrt wurde, nicht mit voller Strenge durch- geführt wurde. Es folgt daraus, dass wenn auch die Möglichkeit und die Gefahr einer Verbreitung des Scharlachs auf diesem Wege existirt, sie doch viel kleiner ist, als man gemeiniglich an- nimmt. Ueberdies kann dieselbe durch einfache, leicht durchzuführende Maassnahmen vermieden oder doch sehr verringert werden.