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Thiermedicinische Rundschau etec.
1889. No. 24.
Dinge, die noch einer näheren Untersuchung bedürfen. In einem Falle enthielten Cocoskuchen an der Oberfläche viele Haare, deren Entfernung angerathen werden musste, da pekanntlich bedenkliche Erkrankungen durch die Bildung von Haarballen eintreten können.
Palmkuchen und Mehl. Die Qualität ist meist befriedigend, Schimmel kommt
selten vor, unter 10 Fällen wurden Schimmelpilze nur
zweimal und zwar nur in geringer Menge beobachtet. Auch die Bakterien zeigen meist nur eine mässige Entwickelung. In seltenen Fällen zeigte der Palmkuchen eine ähnliche ranzige Beschaffenheit, wie sie bei den Cocoskuchen vor-
kommt, welche dann wahrscheinlich ähnliche Folgen haben
kann. Wenigstens zeigten die Palmölkuchen in einem Falle, wo über bittere Butter geklagt worden war, nach der Geschmacksprobe einen ziemlich ranzigen Geschmack.
In einigen Fällen ergab die mikroskopische Prüfung einen kleinen Gehalt des Falmmehls an Baumwollsaatmehl.
Rapskuchen und Mehl.
Hier wird von den Einsendern öfters die Frage ge- stellt, ob die Kuchen resp. das Mehl Senf enthalte, zu deren Beantwortung die mikroskopische Methode am ge- eignetsten ist. Eine solche Untersuchung ist recht noth- wendig, wo man irgend welche Ursache hat, daran zu zweifeln, dass die Kuchen oder das Mehl aus guter ein- heimischer Saat hergestellt seien. Es wird gegenwärtig in vielen deutschen Oeffabriken viel ostindische Rapssaat ver- wendet. Einige sollen bis zu] indische Saat mit der hiesigen vermengen. Mehl sind dann von viel geringerer Qualität als echte Rapskuchen, da die indische Saat überhaupt kein Raps, sondern eine Senfart ist. Von 20 untersuchten Rapskuchen enthielten 3 indische Saat, in drei Proben wurde ein Ge- halt an Ackersenf nachgewiesen, der als eine zufällige Ver- unreinigung zu betrachten war.
Für Bapsmehle scheint die Nothwendigkeit einer mikroskopischen Untersuchung noch grösser zu sein, als
Die resultirenden Kuchen oder das
für die Kuchen, denn von 3 untersuchten Proben enthielten
2 indische Saat.
Einmal wurde als Verunreinigung etwas Getreidemehl und Reis entdeckt, einmal ein etwas grösserer Gehalt an Salz(3,3 Proc. Chlornatrium) beobachtet, während eine normale Probe nur 0,10 Proc. enthielt. In einer Rapsmehl- probe wurde mikroskopisch eine Vermischung mir Leinmehl nachgewiesen.
Leinkuchen und Mehl.
Die Proben erweisen sich in den 5 Fällen, welche uns vorlagen, frei von Schimmelpilzen, nur eine derselben war an der Gberfläche mit grünem Schimmel überzogen Spaltpilze waren mehrfach stärker entwickelt. In einem
Falle, wo mehrere Thiere an Milz- oder Rauschbrand kre-
pirt waren, bildeten die Bakterien des verfütterten Lein- kuchens längere Zellreihen, die jedoch, wie eine wieder- holte Untersuchung lehrte, nicht verdächtig waren, sondern einer vielverbreiteten Bakterienart angehörten. Mikrosko- pisch wurde in einem Falle etwas Reismehl bemerkt. Das Vorkommen von Reisabfallmehl im Leinkuchen ist auch von Kobus(andw. Jahrbuch 1884 S. 823) beobachtet. Eine uns in diesen Tagen zugegangene Kuchenprobe(J. No. 7975) pestand vorwiegend aus Leinsaat vermischt mit etwas Ge- treideschrot und mit gemahlenen Erdnusshülsen. Näheres über die Herkunft dieser Kuchen konnten wir bis heute nicht ermitteln. Die Beimischung von gemahlenen Prdnusshülsen zum Leinkuchen, die uns hier zum ersten- mal begegnete, ist ebenso bedenklich und verwerflich, als eine solche von Reishülsen. Es wird
als die Verdaulichkeit der Bestandtheile herabgedrückt. Da in der Erdnussölindustrie erhebliche Mengen von Hülsen
sowohl der Gehalt
abfallen, so haben wir Veranlassung, dem neuen Fäl- schungsmittel auch unsere fernere Aufmerksamkeit zu schenken. Glücklicherweise fehlt es nicht an Mitteln zu dessen Entdeckung. Eine Probe enthielt Unkrautsamen einer Polygoneenart als zufällige Verunreinigung, wahr- scheinlich herstammend von Polygonum lapathifolium, welches im Lein öfters vorkommt.
Sesamkuchen
entwickelte reichlich Bacillen, seltener Schimmel. Eine Untersuchung war veranlasst worden durch das häufige Auftreten des Milzbrandes in der betr. Gegend, wodurch dem Einsender selbst ein Stück Vieh verloren ging. Wir erhielten bei der Untersuchung Bacillen, welche dem Milz- brandbacillus sehr ähnlich waren. Doch fehlte der ganz sichere Nachweis, der hier um so nothwendiger war, als der viel verbreitete Heubacillus eine so grosse Aehnlich- keit mit dem Milzbrandbacillus zeigt. Wir empfanden in diesem Falle recht sehr den Mangel der für soſche Unter- suchungen erforderlichen Einrichtungen und wissenschaft- lichen Hilfskräfte.
Weizenkleie
kam recht oft zur Untersuchung Wie früher wurde die Kleie meist schimmelfrei befunden. Von 13 Proben waren 9 schimmelfrei und wo etwas vorhanden war, da war es in der Regel recht wenig. Verschiedene Formen von Bakterien fehlten auch hier nicht. Häufiger wurde eine mikroskopische Prüfung der Kleie auf Verfälschungen be⸗ ansprucht. Von 26 Proben konnten 22 als rein erklärt werden.
An Verunreinigungen der Weizenkleie wurde in ein- zelnen Fällen nachgewiesen Kornrade, Steinbrandsporen, eine Reihe von Unkrautsamen, etwas Spreu, Stroh, Gerste, Rispenhirse(in russischer Weizenkleie). Einmal wurden Bruchtheile eines Insektes nachgewiesen, wahrscheinlich Lithophilus granerius, das sich in Mühlen, Backhäusern, Magazinen oft massenhaft entwickeln soll. Von Unkräutern enthielt eine Probe die Samen von Roggentrespe, Ackersenf, Zitterlinse, Klebkraut, eine andere Vicia eracea und V. an- gustifolia. Prstere Probe enthielt auch reichliche Mengen von Weizenkeimen, welche jedoch einen gehaltreichen Be- standtheil bilden, und zuweilen auch für sich allein im Handel vorkommen als ein sehr gedeihliches Futter; wo- rüper wir ein andermal näher berichten wollen. Finige- male hat eine ungewohnte feinschalige, mehlartige Be- Schaffenheit zu einer Untersuchung Anlass gegeben in Fällen, wo wan gewöhnt war, eine grossblättrige, durch Sieben von Mehlstaub gereinigte Kleie zu ver- füttern. Die vergleichenden Analysen ergeben jedoch für die dünnschalige Fleie recht günstige Resultate, wie fol- gende Beispiele zeigen:
Kleie, dünnschalig(J. No. 5436) Protein 16,70,
„ grossblättrig(J. No. 5437)„ 15,10.
Ferner nach J. No. 5589/90
Grobe Kleie 14,78 Proc. Protein; 2,16 Proc. Fett,
Feine Kleie 16,38 Proc. Protein; 3,66 Proc. Fett.
Roggenkleie und Mehl
wurden dreimal mikroskopisch auf ihre Reinheit geprüft und erwiesen sich als echt, in einem Falle(No. 2629) aber verunreinigt. Es waren von fremden Getreitearten etwas Hafer, Rothklee, Erbsen und wahrscheinlich Weizen vor- handen, da eine auf Weizen, nicht aber auf Roggen vor- kommende Steinbrandart(Tilletia laevis) nachgewiesen wurde.
Von Unkrautsamen resp. Schalen wurden erkannt: Kornrade, Kornblume, der windenartige Knöterich und eine Trespenart(Bromus inermis).
Bei der Prüfung der Bchtheit des Roggenmehls leistete die Methode von Wittmaack, bestehend in der Bestim-


