15. September.

Thiermedicinische Rundschau ete.

sondern auch einige Organe des gefallenen Thieres (Leber, Milz, Niere ete. nach dem Ermessen des Thierarztes) in luftdichter Verpackung zur Unter- suchung an die Versuchs-Station einzuschicken. Sollte letztere nicht in der Lage sein, die Unter-

suchung selbst auszuführen,. wird sie doch Die übersandte Probe Erdnussmehl neigte allerdings stark vielleicht eine solche vermitteln können durch ihre.

Bezichungen zu anderen hiesigen Fachmännern. Hoffentlich wird auch die Einrichtung eines In- stituts für Bakteriologie an der hiesigen Versuchs- station bald die Möglichkeit herbeiführen, der- artige Freignisse gründlicher zu verfolgen, als es die bestehenden Hilfsmittel seither haben.

Wir schliessen hieran unseren kurzen Bericht über die, die einzelnen Futtermittel betreffenden Erfahrungen, welche seit unseren letzten Ver- öffentlichungen gemacht wurden.

Erdnusskuchen und Mehl.

Erdnusskuchen wurden 13 mal auf ihre Qualität resp. auf Gehalt an Pilzen geprüft. Eine Schimmelbildung (mehrmals sehr schwach) zeigt sich 7 mal, also in 54 Proc. aller Fälle(früher beob. 55 Proc.). Von Spaltpilzen treten regelmässig Coccen und Stäbehen auf. Zwei Proben mussten Wegen starker Neigung zur Fäulniss peanstandet werden. Von diesen zeigte die eine bräunliche Farbe. Die Farbe der Erdnusskuchen bildet überhaupt ein für die Qualitäts- beurtheilung wichtiges Moment. Die helleren Kuchen gelten für die besseren. Dies weiss auch der Landwirth, und es wird daher zuweilen eine Sendung beanstandet, wenn sie nicht ebenso hell ausfiel, wie die vorige, oder wie das Muster.

Zuweilen wurden wir in solchen Fällen mit ver- gleichenden Untersuchungen beauftragt, welche folgendes Resultat lieferten:

J. No. 4589/90. Erdnusskuchen dunkel: Protein

47,12; Fett= 10,84; hell: Protein= 49,35; Fett 11,05 Proc. Die weitere Untersuchung ergab, dass der Geschmack des Fettes der dunkeln Kuchen ein wenig bitter, der der hellen tadellos war. Ausserdem war die dunkle Probe reicher an Samenhäuten. Der bpittere Ge- schmack des Fettes kann daher rühren, dass in der ge- ringeren Qualität die Samenkeime vor der Oelgewinnung nicht entfernt waren.

J. No. 4611/12. Erdnusskuchen dunkel. Protein = 46,37, Fett= 13,10; hell Protein= 47,50, Fett = 8,60. Der Gehalt an Samenschalen war derselbe(ca. 1,7 Proc.). Als einzige Qualitätsdifferenz ergab sich, dass die helleren Kuchen weniger zur Schimmelbildung neigten als die dunklen.

Einmal(J. No. 4422) wurde auf Veranlassung des Einsenders die Menge der Haare bestimmt, welche in der betreffenden Kuchenprobe 0,022 Proc. betrugen.

Erdnusskuchenmehl wurde 33 mal auf Qualität geprüft. 19 Proben zeigten Neigung zum Schimmeln 58 Proz. aller Fälle(früher beobachtet 69 Proc.). Es sind hier auch die Fälle mitgezählt, wo sich nur sehr wenig Schimmel zeigte. Ueber die Herkunft des Schim- mels lässt sich vorſäufig noch nichts Bestimmtes sagen. Derselbe konnte nicht immer für etwas der ursprünglichen Waare Figenthümliches erklärt werden, da ein an der Luft lagerndes Mehl leicht aus dieser selbst Pilzkeime anzichen kann und nicht selten wurde jede Schlussfolgerung noch erschwert, durch eine ungenügende Verpackung der Proben, z. B. in Papierdüten.

gestattet

Auch in den Erdnussmehlen treten regelmässig Bak- terien auf.

Nicht selten musste wegen der starken Schimmelbil- dung des Erdnussmehles vor dem Gebrauch derselben ge- warnt werden.

In einem Falle(J. No. 4480) war eine Untersuchung in Folge der Klage über bittere Butter veranlasst worden

zum Schimmeln, während das mit verfätterte Palmmehl tadellos war. Doch wurde der Fall nicht ganz aufgeklärt.

Oefters wurde die Untersuchung von Erdnussmehl auch veranlasst in Folge einer Prkrankung der Kühe.

Einmal wurde Erdnusskuchenschrot wegen sauren Ge⸗ ruchs beanstandet. Der Säuregrad(berechnet als Butter- säure) betrug 0,85 Proc., in der Vergleichsprobe 0,66 Proe., füchtige Säure war nicht vorhanden. Es konnte der kleinen Pifferenz kein Gewicht beigelegt werden. Die selten ver- langte mikroskopische Untersuchung des Prdnusskuchen- mehls ergab die Aechtheit derselben.

Baumwollsaatkuchen und Mehl.

Pass in Folge von Baumwollkuchen resp. Mehl-Fütte- rung Thiere, besonders Jungvieh erkranken können, ist eine bekannte und durch zahlreiche Fälle erhärtete Er- fahrung.

Es sind in den letzten Jahren wieder mehrere Fälle davon bekannt geworden, welche zur Vorsicht bei der Ver- fütterung des Baumwollsaatmehls oder Kuchens an Jung- vich, tragende Thiere etc. ermahnen. Ferner ist es wahr- scheinlich, dass die im Bamwuollsaatmehl oft so reichlich auftretenden Bacillen mit den betr. Krankheitserscheinungen in einer Beziechung stehen. Von Interesse ist eine uns mündlich mitgetheilte Beobachtung, nach welcher auch die Milch von mit Bamwollusaatmehl gefütterten Kühen den Zuchtkälbern von Nachtheil war. Die Kühe erhielten früher neben 40 Pfd. Rüben, 15 Pfund Heu noch 5 Pfund Roggen- schrot, welch letzteres durch 2 Pfd. Baumwollsaatmehl er- setzt wurde. Der Milchertrag nahm um 2 Liter zu, aber dann sollen 5 Zuchtkälber am Durchfall krepirt sein. Jedenfalls war das betr. Mehl von schlechter Qualität.

Obgleich wir mehrere Baumwollsaatmehlproben unter- sucht haben und manche derselben so reich an Bakterien fanden, dass wir dringend zur Vorsicht ermahnen mussten, so sind uns doch neue Fälle schädlicher Wirkungen aus hiesiger Provinz nicht bekannt geworden.

Die Schimmelpilze traten in der Regel im Vergleich mit den Bakterien zurück. Kleinere Mengen der ersteren konnten etwa in der Hälfte aller untersuchten Fälle nach-

gewiesen werden.

enthielt nur eine Schimmelpilze.

Cocoskuchen und Mehl. Die Cocoskuchen zeichnen sich dadurch aus, dass Schim- mel recht selten auftritt. Unter 22 untersuchten Proben Dagegen wurden öfters

eigenartige Bakterien beobachtet, deren Auftreten ein be-

sonderes Interesse beanspruchen durfte in den Fällen, wo gleichzeitig über bittere Butter geklagt wurde. Ob ein Zu- Ssammenhang zwischen dem betr. Fehler der Butter und

den beobachteten Bacillen existirt, lässt sich heute noch

nicht sicher behaupten. Einen der vorkommenden Bacillen sandten wir an den pakterienkundigen Herrn Dr. Zopf in Halle, der uns mittheilte, dass es sich wahrscheinlich um einen noch unbekannten Spaltpilz handelt. Wir begegnen dem verdächtigen Pilz fast in jeder Saison und so Hesse sich gelegentlich neues Material peschaffen. Cocoskuchen zeigt zuweilen eine ranzige Beschaffenheit und in Folge dessen einen scharfen kratzenden Geschmack. Es ist immer- hin möglich, dass solche Kuchen namentlich pei fortgesetz- tem Füttern, einen gereizten Zustand der Schleimhäute der Thiere hervorbringen und dass sich dann die Störung direet oder indirect auf die Milch resp. Butter überträgt, lauter

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