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Thiermedicinische Rundschau etc.
1889 No. 24.
der Gesundheit der Thiere und zu der Beschaffen- heit der Butter wissen, noch auf dem Gebiet der Vermuthungen und Wahrscheinlichkeiten. Aber wir müssen unverdrossen durch diese Region des Halbwissens hindurch, wenn uns die Sonne einer pesseren Erkenntniss aufgehen soll.
Die Unvollkommenheiten der Qualitätsprüfung beruhen auf gewissen Mängeln der angewandten Methoden. Die letzteren sind im Allgemeinen von dreierlei Art: 1. Mikroskopische Untersuchung, 2. chemische Prüfung, 3. Prüfung auf niedere Pilze(Schimmel und Bakterien).
Die mikroskopische Untersuchung kann in einzelnen Fällen wichtige Aufschlüsse über die Qualität geben, wie z. B. bei Rapskuchen. Mit Hilfe des Mikroskops erkennen wir den Senfgehalt und unterscheiden die indische Saat von der ein- heimischen. Die Methode ist unenthehrlich, um die so oft erforderte Prüfung der Kleie auf Rein- heit vorzunehmen, wie zur Entdeckung mancher Verfälschungen der Futtermittel. Im Uebrigen giebt das Mikroskop für die Beurtheilung der Güte eines Futtermittels nur selten bestimmte An- haltspunkte.
Die chemischen Methoden zur Prüfung der Qualität sind noch sehr wenig entwiekelt. Wir können den Senfgehalt des Rapskuchens durch eine einfache chemische Methode bestätigen. Die„Ranzigkeit“ liesse sich durch den„Säure- grad“ des Fettes annähernd ausdrücken. Allein das Unangenehme ranziger Fette rührt nicht allein von freier Säure, sondern wie es scheint, auch von eigenartigen scharf oder kratzend schmeckenden Substanzen her, welche vielleicht auch die Butter beeinflussen. Für diese fehlen uns noch die chemischen Erkennungsmittel, so dass vorläufig die Geschmacksprobe aushelfen muss. Diese führt oft rascher und sicherer zum Ziel als eine weitläufige chemische Untersuchung, und sollte daher möglichst oft angestellt werden, da eine gewisse Prfahrung nothwendig ist, um aus dem Geschmack Schlüsse auf die Qualität eines Futtermittels ziechen zu können.
Die Prüfung auf niedere Pilze wird von uns noch immer im Wesentlichen nach der von uns früher benutzten Methode ausgeführt, nach- dem dieselbe in mehrfacher Hinsicht verbessert worden ist. Statt der Arzneigläser verwenden wir jetzt die in baktericlogischen Anstalten üblichen kleinen Erlenmeyer'schen Kölbehen mit Watteverschluss, die bei ca. 150 Grad sterilisirt werden. Alle Werkzeuge, mit denen ein Futter- kuchen pearbeitet wird, werden vorher aus- geglüht ete. und Uebereinstimmung der Resultate etwas ge- wonnen hat, so sind wir im Uebrigen seit 1884 nicht viel weiter gekommen. Die unten folgende
Wenn hierdurch die Sicherheit
Uebersicht der Versuche lehrt, dass wir im Ganzen zu ähnlichen Resultaten gelangt sind, wie früher. Im einzelnen Falle erwies sich die Me- thode häufig als sehr brauchbar für die Beur- theilung der Qualität. Wir fussen dabei aller- dings auf einem Satze, der vielleicht noch ange- fochten werden kann: Dass nämlich ein gutes und gesundes Futtermittel weder starke Neigung zum Schimmeln, noch zur Fäulniss haben soll und dass daher in allen Fällen, wo solches beob- achtet wird, eine Warnung am Platze ist, zu welcher Gattung und Art die beobachteten Pilze und Bakterien auch zůhlen mögen.
Wir legten bisber das Hauptgewicht auf die Beobachtung der Schimmelpilze, da sich die- selben bei stärkerem Auftreten recht auffallend pemerkbar machten und da, wenn es auch un- schädliche Arten giebt, sie doch immerhin zu einer Klasse von Organismen zählen, die dem Thierkörper fremd und oft auch nachtheilig sind. Schwieriger ist es, aus dem Auftreten der Bak- terien einen Schluss zu ziehen, da solche fast überall vorkommen, z. B. im Heu, und da sie auch im gesunden Thierkörper bei der Verdauung eine Bolle spielen. Dennoch pflegen wir die Qualität derjenigen Futtermittel, welche au ffal- lend rasch in Bakterienfäulniss übergehen, zu peanstanden, da diese Eigenschaft den besseren Qualitäten fehlt und auch noch aus anderen Grün- den, auf welche hier näher einzugehen zu weit führen würde.
Es würde nun allerdings eine wesentliche Verbesserung dieser Methode der Qualitätsprüfung sein, wenn wir Rücksicht nehmen würden auf die einzelnen Arten der auftretenden Schimmel- pilze und Bakterien. Von dem Augenblicke an,
wo solches mit Hilfe guter Methoden geschehen
kann, wird ein Fortschritt auf dem Gebiete der Qualitãtsprüfung datiren. Allein es gehören zu
solcher Prüfung die vollkommeneren Einrichtungen
eines pakteriologischen Instituts, eine speziellere Sachkunde und reichlich Zeit. Es würde uns der- zeit schon aus Mangel an letzterer nicht möglich sein, die zahlreichen Prüfungen, welche uns ob- liegen, nach dieser Richtung hin auszudehnen. Dem Landwirth würde auch wenig damit gedient sein, wenn er erst nach mehreren Wochen, denn die Reinzüchtung der Bakterien kostet viel Zeit, ein ausführliches Gutachten erhielte. In einzelnen Fällen liesse sich aper eine solche Untersuchung wohl ausführen. Hervorragende Fälle würden vor Allem zu perücksichtigen sein, z. B. Krank- heitsfälle mit tödtlichem Ausgang, welche der Thierarzt glaubt auf die Beschaffenheit eines Futtermittels zurückführen zu dürfen.
Es würde sich in solchen Fällen übrigens empfehlen, nicht allein das betr. Futtermittel,


