276 Thiermedicknische Rundschau etc.

anschwellungen im Kehlgange waren stets die am meisten hervortretenden Symptome. Bei den Obduetionen fanden sich jedoch keine malleosen Herde, weder auf der Respi- rationsschleimhaut, noch in den erkrankten Iymphdrüsen (Unterkiefer- bezw. Bronchialdrüsen). Die Lungen zeigten meist nur gleichalterige bronchopneumonische Herde, und es bestand in einzelnen Fällen geringgradiger Milztumor neben warkiger Schwellung der Mesenterialdrüsen. Bei einigen Patienten waren Mortificationen der PTracheal- schleimhaut zu beobachten, die in ähnlicher Weise wie Rotzulcera angeordnet waren.

Die Krankheit, welche für die Differentialdiagnose der Rotzkrankheit von der grössesten Bedeutung ist, befällt stets mehrere Thiere eines Bestandes. nimmt in der Regel einen subacuten oder auch acuten Verlauf und schliesst nicht selten mit dem Tode der ergriffenen Thiere ab. Pritt Genesung ein, s0 verheilen die vorhanden gewesenen Ulcera unter Zurücklassung schwieliger Narben. Obwohl es mir bisher nicht möglich gewesen ist, eingehendere bacteriologische Untersuchungen pei dieser Krankheit vor- zunehmen, zweifle ich doch nicht daran, dass das Leiden zu den Infectionskrankheiten gehört und dass seine Ent- stehung auf das Eindringen eines bestimwten niederen pflanzlichen Organismus zurückzuführen ist.

Nachdem der Krankheitserreger der Rotzkrankheit er- mittelt worden ist und neuerdings Schuetz, sowie auch Jensen und Sand den Streptococeus der Druse der Pferde gefunden haben, dürfte die Entdeckung des pathogenen Microorganismus der hier in Frage stehenden Infections- krankheit, welche nach ihrem ganzen Auftreten und nament- lich in Anbetracht der pathologisch anatomischen ver änderungen. welche bei derselben zu beobachten sind, am leichtesten mit der Rotzkrankheit und mit der Druse der Pferde verwechselt werden kann, nicht mehr auf so grosse Schwierigkeiten stossen.

lch habe in dem einen der im Berichtsjahre zur Beobachtung gelangten Fälle der hier in Rede stehenden Krankheit bacteriologische Untersuchungen an einer mit kleinsten, gelben, eitrigen und käsigen Zerfallsherden ver- schenen harten Unterkſefer- und einer ebenso beschaffenen Bronchialdrüse unter Anwendung strengster antiseptischer Kautelen nach dem Verfahren von Schuetz vorgenommen. Die Untersuchungen haben das Vorhandensein weder des Streptococeus der Pruse, noch des Bacillus der Rotzkrankheit ergeben.

Leider war es mir nicht wöglich, hier eine ent- sprechende Anzahl von Meerschweinchen oder Feldmäusen zu erlangen, um an diesen Impfversuche mit den erkrankten Drüsen vorzunehmen

Würden übrigens solche Impfversuche constant negativ ausfallen, d. h.?um Nachweise weder des Streptococeus der Druse, noch des Bacillus der Rotzkrankheit in den Impflingen führen, so würde damit schon in zweifelhaften Fällen die Identität der fraglichen Inſectionskranheit mit der einen oder der andern der peiden zuletzt genannten Krankheiten als ausgeschlossen gelten müssen.

Nach kurzer Discussion ergriff Kreisthierarzt Jacob- Schroda das Wort zu seinem Vortrage:Ueber laryngeale und tracheale Injectionen.

Redner gelangte nach einigen einleitenden Worten uber die Geschichte dieser Methode und die Operations- technik unter Berücksichtigung der von Prof. Dr. Lewi- Pisa gemachten Angaben zur Aufstellung der folgenden Sätze:

1. Die Quantität der Injectionsflüssigkeit soll in der Regel 5 30 g pro dosi und nur ausnahmsweise 100 g und darüber betragen.

2. Die Injectionsflüssigkeit darf keine ungelösten Stoffe enthalten; ihre Reaction muss entweder neutral oder alkalisch soin, obwohl sie schwach sauer reagirend, auch noch gut vertragen wird.

1889. No. 23.

3. Am geeignetsten zur Injection sind die energisch wirkenden Alkalcide, insbesondere die leicht löslichen Salze derselben, alsdann die Tincturen, Extracte, Infuse und Decocte. Von den anorganischen Salzen haben die örtlich am wenigsten reizenden den Vorzug.

4. Die Dosis der zu den Injectionen zu verwendenden Arznei ist auf ½0 bis 10 derjenigen per os zu redu- ceiren. Bei Anwendung hercisch wirkender Mittel sind noch kleinere Gaben zu injiciren.

Die von Lewi bis jetzt injicirten Arzneien seien

folgende:

Acid. sulfuric. Acid. hydrochlorie. Aeid. phosphor(1: 1000) 100 bis 300 g pr. dosi. Bei Fieber, Bronchial-Katarrh und Lungenblutung.

Acid. earbolic.(1: 100 Spirit. frument) 10 30 g pr. dosi. Aeid. tannie.(1: 0,25 Jod. pur., 25 Gly- cerin; 25 Ag. dest. 5 10 g Pr. dosi. Belladonna und Atropin, z. B. Extr. Belladon. 0,05 1,00 in Aq. dest. gelöst; oder Atropin. sulfurie. 0,005 0,03: 5 10 g Aq. dest. pr. dosis. Bei Angina, Bronchitis, Pneumonie, Asthma etc.

Camphor. Spiritus camphorat.(1:10) 5 20 g pr. dosis oder Camphor 10 g, Ol. Terenbinth. rect. 25 00 Olio prov. 75. 5 20 g pr. dosis. Bei chronischem Bron- chialkatarrh.

Ferrum Ferr. sesquichlorat. 1 3:100 200 Agq. dest. Bei Typhus und Pruse.

Jodum. Jod. pur. 5 g, Kal. jodat. 10 g, Aq. 100 g, 2 20 pr. dosi. Bei Rheumatismus, Polyurie, chron. Katarrh.

Kal. chloric. 5: 100, Ag. 5 20 pr. dos. Kal. permanganic. 12 100. Aq. 5 30 pr. dosis. Natr. carbonie. 5, Aq. 100 5 20 g Pr. dosis. Stryech- nin. sulf. 0,02 0,06: 5 10 Aq. 1 oder 2 Mal pr. dos.

Bei chronischen Brochitiden.

O1 Terebinth. rectif. mit Ol. olivar. a 5 15 g

r dos. Bei chronischen Katarrhen.

Schliesslich wurde dem Remonte-Depot-Rossarzt Stott- meister-Flottwell das Wort zu dem letzten Gegensto de der Tagesordnung:UVeber die Behandlung der Gelenk- und Sehnenscheidengallen ertheilt. Redner machte hierüber die bereits in Bd. III Nr. 17 derThiermed. Rundschau etc. veröffentlichten Mittheilungen.

Hierauf wurde die Verrammlung, welche sämmtlichen Vorträgen mit grossem Interesse folgte, durch den Vor- sitzenden geschlossen.

Der 2. Vorsitzende und Schriftführer. Heyne, Kgl. Departementsthierarzt.

Auszug aus dem Bericht der XXII. General- versammlung des Vereins kurhessischer Thierürzte⸗ abgehalten zu Cassel am 30. September 1888.

An der Versammlung nahmen folgende Vereinsmit- glieder Theil: Collmann, Hornthal, Pr. Kaiser, Kobel, Kalb, Kümmel!, Linker, Röhling, Römer, Roos, Scheer, Schlitzberger, Stamm J., Stamm G. W. und Teske.

Ausserdem beehrten die Versammlung mit ihrer Gegen- wart der Herr Regierungs- und Medieinalrath Dr. Rock- wit?z-Cassel, Herr Regierungsassessor Freiherr von Fei- litsch-Cassel, Herr Professor Dr. Esser-Göttingen, Herr Generalsecretär Phon-Cassel, Herr Thierarzt Nöl1-Fels- perg und Herr Kreisthierarzt Bettenhäuser-Melsungen.

Entschuldigt hatten sich die Herren Prof. Dr. Pütz- Halle und Herr Thierarzt Eichler-Borken.

Der Herr Vorsitzende eröffnet die Versammlung mit einer herzlichen Begrüssung der Anwesenden und spricht den besonderen Dank dafür aus, dass auch zwei Vertreter der königlichen Regierung zur heutigen Versammlung erschie-

nen seien. Im weiteren Verlauf seiner Rede giebt der Herr