1. September.

Thiermedicinische Rundschau ete. 273

ganismus wieder ausgeschieden wird. Das Sac- charin geht daher im menschlichen Organismus nicht in die Verdauungssäfte und das Blut über, es zerfällt auch hier nicht, wie die Nahrungs-

stoffe, in einfachere Verbindungen unter Ent-

wickelung von Spannkräften, welche das Leben bilden; es kann in Folge dessen auch im mensch- lichen Stoffwechsel keinen Bestandtheil des Kör- pers vor dem Zerfall schützen und ersetzen; das Saccharin ist daher weder ein Nahrungsstoff noch ein Nahrungsmittel.

Dr. A. Stift nahm das Saccharin 8 Tage lang in Dosen bis zu 3 g pro Tag und constatirte, dass dasselbe eine leicht purgirende Wirkung be-

bemerkt werden, denn der geringe Appetit in den letzten Tagen des Versuches kann auch in anderen Dingen seine Ursache haben. Wenn auch diese Wirkungen des Saccharins mehr oder

Masse hemmte, sodass also dem Saccharin ein die Fermentbildung schädigender Einfluss zu- geschrieben wereen muss.

Da der ganze Verdauungsprocess eine Reihe von Fermentwirkungen darstellt, so ist das Saccharin als ein verdauungsstörender. daher ge- sundheitsschädlicher Körper zu betrachten. Sac- charinhaltige Nahrungsmittel werden daher im allgemeinen, namentlich aber bei Personen mit schwachen Verdauungsorganen, wie Kranke, Greise und Kinder, krankhafte Erscheinungen herbei- führen.

Einige neuere Ersatzmittel für Jodoform. von sitzt; eine anderweitige Wirkung konnte nicht

weniger individuelle sind, so muss doch eine

absolut unschädliche Wirkung desselben dahin- gestellt bleiben.

Um die Frage zu lösen, welchen Einfluss hat die Gegenwart des Saccharins auf die Verdauungs-

Müller.(Deutsche Zeitschrift für Thiermed. Heft 1 und 2.)

Der üble Geruch des Jodoforms und die That⸗ sache, dass seine Anwendung auf Wunden viel- fach zu tödtlichen Intoxicationen geführt hat, sind die Veranlassung gewesen, dass man den Arznei-

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schatz um eine Reihe von Mitteln vermehrt hat, welche alle mehr oder weniger im Stande sein

fermente? stellte Dr. Stift Versuche mit Fleisch,

Ei-Albumin, Kasein, Erbsen- und Maronimehl an, welche Stoffe nach Stutzer künstlich ver- daut wurden und zwar mit und ohne Zusatz von Saccharin.

Sämmtliche Versuche der Pepsinverdauung zeigen, dass das Saccharin einen die Verdauungs- versuche störenden Finfluss besitzt und zwar wird die Löslichmachung der Eiweisskörper ver- Zögert und selbst bei einer 12 stündigen Ein- wirkung des Magensaftes ist die Verdauung keine vollständige.

Dieser die Pepsinwirkung, also die Magen- verdaung hemmende Einfluss des Saccharins ist nicht allein von der Zeit, sondern auch von der Menge desselben abhängig und die Verdauungs- hemmung ist um so grösser, je mehr Saccharin vorhanden ist. Der Appetitmangel in den oben angeführten Versuchen hat wahrscheinlich in der Verdauungshemmung seine Ursache. Weitere Versuche zeigten auch, dass die eiweissverdauende Wirkung der Pancreasfermente durch die Gegen- wart von Saccharin etwas, allerdings nicht so stark als die Pepsinverdauung, geschwächt wurde; dagegen war der Einfluss von Saccharin auf das Stärke verdauende Ferment der Pancreasdrüse ein sehr bedeutender, sodass auch bei der Kohle- hydratverdauung durch die Pancreasfermente dem Saccharin nur störende Wirkung zugeschrieben werden muss.

Ferner wurde auch der Einfluss des Saccharins auf Piastase näher studirt und festgestellt, dass dasselbe auch die Piastasewirkung in erheblichem

sollen, das Jodoform zu ersetzen.

Die grössere Anzahl dieser neuenAntisep- tica hat sich indessen gleich von vornherein als nicht lebensfähig erwiesen, sondern ist ebenso schnell, wie sie gekommen, wieder von der Bild- fläche des Arzneischatzes verschwunden, und nur der kleinere Theil hat den Erwartungen, welche die chirurgische Welt an ihn knüpfte, entsprochen. Zu den letzteren gehören namentlich 3 Mittel, welche vor nicht langer Zeit von den Firmen Dr. v. Heyden in Radebeul und H. Trommsdorf in Prfurt eingeführt worden sind, nämlich Hy- drargyrum salieylicum, Oxynaphtoösäure und Sozojodol.

Ueber die Wirkung dieser Mittel und über ihren Werth für die Wundbehandlung bei Thieren sind vom Verf. mehrere Versuchsreihen angestellt worden, welche in der Hauptsache die Lösung folgender 3 Fragen zum Zwecke haben:

1. Sind diese Antiseptica im Stande, genau wie Jodoform die Wunden für lange Zeit rein und trocken zu erhalten, ohne die Granu- lationen übel zu beeinflussen?

2. Werden sie von der Subcutis und von gra- nulirenden Wunden aus resorbirt?

3. Sind sie in diesem Falle geeignet, den Or- ganismus zu schädigen?

Das Quecksilbersalieylat ist bekanntlich von Ellenberger und Hofmeister auf seine Eigenschaften geprüft und als ein vorzügliches

antiseptisches, antizymotisches und desinficirendes Mittel befunden worden.²) Es ist in Wasser und

¹) Therapeut. Monatshefte, 1888, und Deutsche Zeit- schrift für Thiermediein, Bd. XIV.