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Thiermedieinische Rundschau etec.

1889 6

selben nach dem modernen bacteriologischen Standpunkte beurtheilen, der ätiologische Zu- sammenhang des Strahlenpilzes mit der Krankheit, wo er vorgefunden wird, nicht mit Bestimmtheit festgestellt worden. Um einen solchen Zusammen- hang festszutellen, müsste man zuerst den Pilz in einer Reincultur darstellen und dann mittels Ueber- impfung derselben auf Thiere eine der Actionomy- cose analoge oder ähnliche Erkrankung hervor- rufen. Dies ist, nach der Ansicht des Herrn Afanassieff, noch von Niemand gethan worden. Die Versuche Ponfick's, Johne's, Israel's seien nicht genügend, da sie keine Reinculturen dargestellt haben. Frage besonders eingehend beschäftigte und seine

und gehen zuweilen auch zu Grunde, wobei man

in den Krankheitsproducten dem Actinocladothrix

Boström, der sich mit dieser

Resultate auf dem Congresse für innere Medicin

in Wiesbaden 1885 in Form einer vorläufigen Mittheilung angezeigt hat, zählt den Strahlenpilz nicht zu den Schimmelpilzen, sondern zu den Bacterien, und zwar zur Klasse der höheren Bac- terien OCladothrix. dieses Pilzes dargestellt haben,Allein, soweit mir bekannt, ist seine versprochene Arbeit bis jetzt noch nicht erschienen; dass aber seine vor- läufige Anzeige auch für die deutschen Bacterio- logen nicht massgebend war, geht schon daraus hervor, dass in den neueren Lehrbüchern der Bacteriologie(z. B. von C. Fränkel) direet aus- gesprochen wird, dass eine Reincultur von Aecti- nomyces noch von Niemand dargestellt worden ist. Pas Verfahren, dessen Afanassieff und Schultz sich bedient haben, um den Strahlen- pilz rein darzustellen, besteht in Folgendem. Vor Allem ist eine absolute Sauberkeit nothwendig. Der Fiter oder das Sputum sind frisch und so- fort zu untersuchen. Gehört der Eiter einem Actinomyceskranken, so sind schon mit dem unbewaffneten Auge im Gefässe, besonders an dessen Wandungen einzelne Körnchen zu sehen, die sich als Actinomycesdrusen erweisen. Die- selben werden mit dem Platindraht herausgefangen und unter nothwendigen Cautelen ins Nährmedium übertragen. Die Probirröhrchen werden zuerst im Thermostat bei 37 Grad C. gehalten, nachher aber, sobald die Qultur zu wachsen angefangen hat, können sie auch bei Zimmertemperatur ge- halten werden. Man bekommt dabei ein Cultur- wachsthum, das für die Actionomycesbacterie ganz charakteristisch und specifisch ist. Die mikro- skopische Untersuchung überzeugte Afanassieff, dass er in den Culturen ein Bacterium erhalten hat, das zur GruppeOladothrix gehört und das wegen des Strahlenbaues seiner ColonienActino- cladothrix genannt werden kann. Ueber- tragungen auf Thiere ergaben folgendes Resultat: Werden frische Reineulturen Meerschweinchen ins Peritoneum eingeimpft, so erkranken die Thiere

Er wrill eine Reincultur

vollkommen ähnliche Bacterien finden kann; in der Mehrzahl der Fälle werden die Thiere (Afanassieff und Schulz haben bis jetzt an Meerschweinchen, Kaninchen und Hunden experi- mentirt) anscheinend vollkommen wiederhergestellt. Werden alte Culturen verimpft, so verursachen sie meist eine tödtliche Erkrankung, die einer localen Peritonitis sehr ähnlich ist, wobei jedoch in den Producten dieser Peritonitis bisher weder Actinomycesbacterien, noch irgnnd welche andere gefunden worden sind. Afanassieff und Schultz halten es somit für bewiesen, dass die von ihnen aus Actinomyceskranken dargestellte BacterienartActinocladothrix die wahre, spe- cifische Ursache der Actinomycosis ist und dass der aetiologische Zusammenhang zwischen dieser Bacterie und der Krankheit, bei welcher sie ge- funden wird, durch ihre Versuche genau fest- gestellt ist.

Arzneimittollehre.

Versuche über den Einfluss des Saccharins auf

die Verdauung. Von Stikt. Oest.-ung. Zeitschrift für Rübenzucker-Industrie 1889.)

In den letzten Jahren ist dem Zucker ein Concurrent in dem bekannten SüssstoffeSaccha- rin entstanden, dessen Erzeugung in Salbke von den Herren Fahlberg, List& Oomp. fabrik- mässig betrieben wird. Die Verwendung des Saccharins ist in kurzer Zeit ausserordentlich ge- stiegen und saccharinhaltige Arznei- und Nahrungs- mittel werden bereits in grosser Anzahl her- gestellt; auch in verschiedenen Bieren wurde pereits Saccharin nachgewiesen. Bis jetzt nahm man an, dass das Saccharin vollständig durch den Harn aus dem Organismus ausgeschieden wird, also kein Nabrungsmittel ist; Bruylants hat jedoch gefunden, dass je 20, 18, 16 und 12 Proc. vom Körper resorbirt werden. Des- gleichen fand er, dass die Pepsinverdauung sehr wenig gehindert wird, wogegen die Pancreas- verdauung einer Flüssigkeit, die 1 Proc. Saccharin enthält, nur langsam erfolgt und constatirte weiter, dass das Saccharin vollständig unschäd- lich ist.

Da ein wirklich entscheidender Beweis für die Schädlichkeit oder Unschädlichkeit des Saccharins pis jetzt noch fehlt, so hat sich Dr. A. Stift mit dem Studium desselben näher befasst und namentlich dessen Verhalten zu verschiedenen Verdauungsfermenten näher studirt. Er con- statirte zunächst, dass das Saccharin nicht resor- birbar ist und dass es unverändert und seiner ganzen Menge nach aus dem menschlichen Or-