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Thiermedicinische Rundschau etec.
die angeführte zu rechnen sei, ist mir nicht mög- lich gewesen. Die grösste Aehnlichkeit hat sie immerhin mit den Pocken, und doch ist bei letz- terer Seuche das Allgemeinbefinden durch ein nicht unerhebliches Fieber viel mehr gestört. Auch ist das Ausdehnungsgebiet auf der Haut ein viel grösseres, namentlich sind die haarlosen Stellen um die Augen, um die Nase und an der Innenfläche der Vorder- und Hinterschenkel auch Sitz des Exanthems. Ferner befinden sich Augen und Nase im Zustande des OCatarrhs; die Aus-
preitung der Seuche ist wegen der ungewöhn-
lichen Flüchtigkeit des Infectionsstoffes
eine
schnelle und durch oben erwähnte Absperrungs-
massregeln nicht aufzuhalten. Ebenso ist Bild einer pustulösen Stomatitis, bei welcher in erster Linie die Schleimhaut des Maules erkrankt ist, ein ganz abweichendes. Da endlich die Aphthenseuche bei den Schafen in der Regel als
das
Klauenseuche auftritt und der Sit?z der Aphthen ohnedies die Zahnfäche der Ober- und Unterlippe ist, so ist auch diese Krankheit im angeführten
Falle ausgeschlossen. Das beschriebene Leiden ist demnach als ein eigenartiges pustulöses Exanthem aufzufassen, das
nur durch nahen Contact weitere Ausbreitung finden kann.— Zur Klärung der Ursachen des Exanthems ist gewiss die Angabe von Nutzen, dass die Schafe vor Ausbruch der Krankheit auf Wiesen geweidet wurden, welche mit zahl- losen, durch die wochenlang andauernde Dürre vertrockneten Pisteln bewachsen sind. Es ist einleuchtend, dass durch deren Aufnahme klei- nere Verletzungen erzeugt wurden, durch welche gewisse Infectionsstoffe Aufnahme finden konnten; vielleicht sind dieselben durch die Stacheln der Disteln geradezu den Lippen eingeimpft worden. Nach Aussage des Schäfers sollen die- selben mit weissen Flecken dicht besetzt ge- wesen sein.
Von dem Pustelausschlage wurden im weiteren Verlaufe noch viele Schafe— im Ganzen etwa 140— ergriffen, und immer war nachzuweisen, dass sie entweder auf der vorerwähnten Wiese gehütet worden waren oder im Stalle das Heu von derselben als Futter erhalten hatten. Die Dauer der Krankheit bei den einzelnen Schafen betrug 2 bis 3 Wochen, verlief ausnahmslos ohne irgend welche erhebliche Störungen und führte in
keinem Falle zum Tode.— Bei der Behandlung vorwiegend auf den Rand der Maulspalte, resp. auf die nächste Umgebung peschränkt pleibt und manganicum als nützlich erwiesen.
haben sich Lösungen von Creolin und Kal. per-
Eine Entropiumoperation beim Hunde.
Von Dr. P. Schreiber, Augenarzt in Magdeburg. ¹)
Am 2. Mai 1888 wurde mir der kurzhaarige deutsche Hühnerhund Rustan des Herrn Maurer- meister B. von hier mit Entropium des rechten unteren Augenlides vorgestellt. Der Hund, ein einjähriges, kräftiges, schönes Thier, sollte diesen
Fehler nicht etwa mit auf die Welt gebracht haben, sondern der Besitzer war der Ansicht, dass das
Entropium traumatischer Natur wäre. Der Hund war mit mehreren anderen Hunden zusammen in einen Zwinger gesperrt. Trat nun der Besitzer
oder einer der Pfleger der Hunde an den Zwinger heran, so sprangen sämmtliche Insassen an das
Gitter und schlugen und kratzten sich gegenseitig bei dieser Gelegenheit mit den Pfoten. Dabei
konnte es passiren, dass dem p. Rustan eine
Conjunctialverletzung beigebracht war, die ihn zu einem stärkeren Zusammenpressen der Lider ver- anlasste. Für diese Aetiologie war indess kein
Anhaltspunkt pei der Untersuchung des Auges
vorhanden. Das Auge tränte in Folge der En- tropionnirung des behaarten Theiles der Lider und der Besitzer hielt den Hund untauglich zur
Augenheilkunde, Heft VI, 1889.
Dressur wegen des Thränenflusses, der Lichtscheu und des Zusammenkneifens der Lider. Da dem Besitzer sehr an dem Thiere gelegen war, so entschloss ich mich zu einem operativen Eingriff und zwar zu einem rechtwinkligen Finschnitt des Orbicularis. Ich handelte dabei nach einer Notiz, welche ich in„Zucht, Dressur und Ab- führung des deutschen Vorstehhundes, heraus- gegeben vom Verein zur Züchtung deutscher Vorstehhunde“ verzeichnet fand. Dem Hunde wurde der Fang durch Umlegen eines Strickes gebunden. Darauf wurde derselbe auf einen Tisch gelegt und von einigen Leuten gehalten. Das untere Lid wurde in der Mitte etwa ½ em lang rechtwinklig zum Lidrand gespalten. Die Blutung
war mässig und stand ohne Unterbindung. Die Nachbehandlung bestand in Umschlägen von Carbolwatte welche mit kaltem Wasser ange-
feuchtet war. Der operative Pffekt war ein sehr ungenügender, denn am 8. Mai wurde mir der Hund im Status quo ante wieder vorgestellt. Das Lid war wieder entropionnirt und das Auge
¹) Nach einem von dem Herrn Verf uns freundlichst überreichten Sonderabdruck aus der Zeitschrift für vergl.


