Thiermedicinische Rundschau etc.
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benutzten Gegenstände gelten die in den§8§ 11, 12, 14 der Bundesraths-Instruction zum Reichsvichseuchen-
gesetz vom 23. Junius 1880 und in den§§ 2— 11 der
Anlage A zu dieser Instruetion gegebenen Vorschriften.
2. Die unter Ziffer 1 bezüglich der Rothlaufseuche er- lassenen Bestimmungen sind auch bezüglich der Schweine- seuche(vergl. die im Mai v. J. ausgegebene„Belehrung über das Feuer der Schweine“) massgebend.
Die Ortsobrigkeiten haben hiernach in Grundlage des Reichsviehseuchengesetzes, insbesondere der§§ 12— 14, 16 desselben. zu verfahren und über das bedrohliche Auftreten des Rothlaufs oder der Schweineseuche unverweilt an das unterzeichnete Ministerium zu berichten, sowie wegen Ver- pots der innerhalb des Seuchenorts oder dessen Umgegend bevorstehenden Schweinemärkte Anträge in Gemässheit des § 2, Absatz 4 der Ausführungs-Verordnung vom 23. März 1881 zu stellen.
II. Bezüglich der Schweinepest sind die Vor- schriften der Bekanntmachung vom 22. Dezember 1887 (Regierungs-Blatt, Amtliche Beilage(Nr. 44) massgebend.
Schwerin, am 20. März 1889.
Grossherzogl. Mecklenburgisches Ministerium, Abtheilung für Medieinal-Angelegenheiten. I. A.: Mühlenbruch.
Tagesgeschichte. — Die Studirenden an der Königl. Thierarznei- schule zu Stuttgart haben am Ende dieses Sommer- semesters beschlossen, nicht wieder nach Stuttgart zurück- zukehren und ihre Studien an einer der vorhandenen thier- ärztlichen Hochschulen fortzusetzen. Die Hoffnung, dass die Königl. Thierarzneischule zu Stuttgart gelegentlich der letzten Feierlichkeiten ebenfalls zur Hochschule erhoben würde, hat sich leider nicht erfüllt.
— Durch kaiserliche Verordnung vom 14 Juli d. J. ist die Einfuhr von lebenden Schweinen aus Russland, Oesterreich-Ungarn und den Hinterländern von Oesterreich- Ungarn über die Gren?en des Peutschen Reiches bis auf Weiteres verboten worden.
— In einer seitens der„Stat. Corr.“ gebrachten Mit- theilung über den Besuch der deutschen Hochschulen heisst es:„Die 22 Universitäten(Münster und Braunsberg ausgeschlossen), welchen etwa 85 Proc. der gesammten akademischen Jugend angehören, haben an Stelle von je 100 Studenten des Jahres 1869 heute deren 212. Grösser als zu den Universitäten ist der Zufluss zu den 3 Berg- akademien und vollends zu den 5 thierärztlichen Hochschulen gewesen; an Stelle von je 100 Studirenden des Jahres 1869 standen 1888 deren 238 bei den ersteren und sogar 360 bei den letzteren. Der Zudrang zur berg- männischen und thierärztlichen Laufbahn hat sich also ganz besonders gesteigert und wird vermuthlich in den neunziger Jahren für die gegenwärtig studirende Jugend unerfreuliche Erfahrungen zeitigen.“
— Pie thierärztliche Hochschule in Hannover war in diesem Sommersemester von 219 Studirenden besucht.
— Gelegentlich der letzten Generalversammlung des thierärztlichen Vereins der Provinz Hannover am 26. Juli wurden zunächst die Grundsätze der Fleischbeschau nach einem Vortrage des Schlachthausthierarztes Hage- mann erörtert. Vom Professor Kaiser ward u. a. der Wunsch ausgesprochen, dass auch in Hannover eine sog. Freibank eingeführt werden müsse, im Interesse einer ge- sundheitsgemässen Ernährung, die sich in anderen Städten auch bewährt habe, wie in Göttingen, und bedauert, dass hier sich der Magistrat gegen solche Einrichtung noch immer sträube. Der Vorsitzende Prof. Dr. Rabe machte freilich darauf aufmerksam, dass man in Berlin eine solche Freibank für minderwerthiges Fleisch nicht habe, glaubte jedoch, dass in dieser sachkundigen Versammlung Niemand
sei, der sich gegen die Errichtung derselben erklären werde, was insofern sich auch vollständig bestätigte, als man ein- stimmig eine vom Professor Dr. Esser verfasste Erklärung billigte, dass eine Freibank in gesundheitlicher und volks- wirthschaftlicher Rücksicht dringend erwünscht sei. Pro- fessor Dr. Rabe wurde alsdann wiederum zum Vereins- vorsitzenden und Kreisthierarzt Dette-Hameln zum Stell- vertreter desselben gewählt und der Vorstand ermächtigt, den Verein bei der 100 jährigen Jubelfeier der Thierärzt- lichen Hochschule und bei der Enthüllung des Gerlach- Denkmals in Berlin im nächsten Jahre zu vertreten. Nach dem Schlusse der Sitzung fand ein gemeinschaftliches Mahl statt, das vom Vorsitzenden mit einem Hoch auf den Kaiser eröffnet wurde. An demselben nahmen als Gäste das Ehren- mitglied Senator Dr. Schläger und der Director der Entbindungsanstalt zu Hannover Dr. Hartwig theil.
— Gegen die Schweineseuche ¹) werden in land- wirthschaftlichen Zeitungen wieder eine Reihe von Mittelchen von„erfahrenen“ Landwirthen empfohlen. Von holländischen Landwirthen wird gemahlener Schwefel, gemahlene Kreide und Eisenrost(7 Theile Kreide auf ein Theil Eisenrost, täglich dreimal ein grosser Esslöffel zu geben), von ameri- kanischen Landwirthen kleingeklopfte und zum Fressen vorgeworfene Steinkohlen empfohlen.
— In Schleswig-Holstein hat sich vor Kurzem eine Vereinigung von Geschäftsleuten gebildet, die sich ver- pflichtet, beim Wiederausbruch der Maul- und Klauen- seuche sofort die erkrankten Thiere anzukaufen und zu tödten. Man hofft auf diese Weise den Export für den englischen Markt wieder zu erlangen.
— Der Vorstand des ostpreussischen landwirthschaftl. Centralvereins hatte im Laufe dieses Winters ein Gesuch in Bezug auf die Hilfe gegen das sogenannte Kälber- sterben an den preussischen Minister für Landwirthschaft ete. gerichtet, dahingehend, derselbe möge die technische Depu- tation für das Veterinärwesen mit der Untersuchung über die Ursachen dieser Krankheit beauftragen. Auf Ver- anlassung des Ministers hat sich die technische Deputation über die Eingabe geäussert. Aus dem Berichte, welcher durch den Vorstand des genannten Centralvereins ver- öffentlicht wird, geht hervor, dass über das Wesen jener Krankheit noch nichts feststeht, wenn dieselbe auch, wenigstens für die meisten Fälle, mit„weisser Ruhr“ be- zeichnet wird. Die technische Deputation schlägt nun vor, lebende, mit der Seuche behaftete Kälber an die thier- ärztliche Hochschule in Berlin zu senden, bezw. ein Mit- glied der Deputation zu den von der Seuche betroffenen Gütern zu senden, um die Krankheit am lebenden Thiere studiren zu können.
— Gelegentlich des X. internationalen Thierschutz⸗ congresses zu Presden gelangte folgender Aufruf, um dessen Aufnahme wir ersucht werden, zur einstimmigen Annahme.
„Wir beim X. internationalen Congress versammelten Vertreter der Thierschutzvereine richten an die Regie- rungen aller Länder die Bitte: Dieselben wollen gegen die beim bisherigen Schlachtbetrieb vorkommenden Thier- quälereien einschreiten und die nöthigen Schritte zur ge- setzlichen Einfährung der Betäubung aller Schlacht- thiere thun.
Wir bitten alle staatlichen Verwaltungs- und die Gemeindebehörden, dass sie die Betäubung aller Schlachtthiere innerhalb ihres Verwaltungsbezirkes anordnen und die Verwendung von Apparaten empfehlen, welche eine rasche und sichere Betäubung ermöglichen. Als solche haben sich bewährt: die Schussmaske, die nach dem System Bruneau construirten Schlachtmasken für Grossvieh und die Betäubungsinstrumente für Schafe, Kälber, Schweine und Ziegen.
¹) Ob Stäbchenrothlauf oder Schweineseuche ist aus den Angaben nicht zu ermitteln. Red.
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