77
Wir legen es besonders den Geistlichen ans Herz, in ihren Gemeinden dahin zu wirken, dass die Menschen in der Thierquälerei ein Unrecht, eine Sünde erkennen, dass sie den Thieren, die sie schlachten, einen raschen, schmerzlosen Tod geben, statt ihnen lange und unnöthige Qualen zu bereiten.
Wir bitten die Lehrer, bei der ihnen anvertrauten Jugend belehrend und ermahnend dahin zu wirken, dass dieselbe die Schlachtstätten und den Anblick von Schlach- tungen meide.
Wir bitten die Schriftsteller und besonders die Zeitungsredacteure, die Verleger der periodi- schen Presse und Kalender, ihren grossen Einfluss auf die öffentliche Meinung anzuwenden zur Weckung des Volksgewissens, um die Beseitigung der Thierquälereien beim Schlachtgeschäfte und eine Reform desselben herbei- zuführen.
Wir richten an die Angehörigen des Fleischer-
Thiermedicinische Rundschau ete. 267
Zeit hier gegründeten„Verein deutscher Veterinär-Studenten.“ Wir wollen dies mit aller Entschiedenheit hier hervorheben gegenüber der Unzahl von allen möglichen Gerüchten, die bei der Gründung d. w. A. theilweise in der gehässigsten Art in Umlauf gesetzt wurden, zugleich mit dem ausdrück- Bemerken, dass der wissenschaftliche Abend nicht etwa den Zweck verfolgt, in der Gestalt eines kleineren und in sich abgeschlossenen Vereins einen neuen Heerd ge- sonderter Interessen und Umtriebe darzubieten, wodurch die allgemeine Zersplitterung anstatt kleiner, fast stets noch grösser zu werden pflegt, dass im Gegentheil der
issenschaftliche Abend es als sein höchstes Bestreben
gewerbes die dringende Bitte: dieselben möchten der
berechtigten Forderung aller humanen und gesitteten Menschen Rechnung tragen und die Betäubung aller Schlachtthiere, in welcher rationelle Schlächter schon bis- her einen Fortschritt und eine Prleichterung ihres Ge- schäftes erblicken, einführen und damit alle beim Schlachten vorkommenden unnöthigen Thierquälereien beseitigen. Endlich richten wir an alle Israeliten, die Werth darauf legen, sich nicht in Widerspruch zu setzen mit den sittlichen Anschauungen und Forderungen ihrer christlichen Mitbürger, die Bitte. sie mögen ihren Einfluss auf ihre Roligionsgenossen aufbieten, damit die auch beim rituellen
orachten wird, möglichst die gesammte Studentenschaft der Hochschule in sich zu vereinigen, um so nach besten Kräften die Gesammtinteressen derselben vertreten zu können.
Um nun sowohl dieses sozusagen sociale Problem lösen, als auch seine wissenschaftliche Aufgabe erfüllen zu können, wird der W. A. regelmässige Zusammenkünfte seiner Mitglieder veranstalten, an denen Jedem Gelegenheit geboten wird, durch Vorträge, Referate etc. sowohl sein Wissen zu fördern, als auch über allgemeine und specielle Standesfragen Aufschluss zu erhalten.
Es hat zu diesem Zweck der W. A. ferner, wenn auch nicht für dieses, so doch sicher für das nächste Semester es sich zur Aufgabe gestellt, ein Lesezimmer zu gründen,
in welchem vornehmlich rein wissenschaftliche, insbesondere
Schächten so dringend nöthige Reform angebahnt und der Widerstand beseitigt werde, der von einem Theil ihrer Glaubensgenossen unseren Bestrebungen zur Herbeiführung
einer gesetzlichen Reform des Schlachtbetriebes entgegen- gesetzt wird.“
— In dem Dorfe Cotta bei Dresden und dessen Um- gebung sind etwa 120 Personen nach dem Genusse von Rindfleisch, welches von einer kranken Kuh herrührte, schwer erkrankt. Mehrere Personen sind bereits gestorben. Die gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet worden.
— Pasteur hat der Akademie der Wissenschaften eine Statistik über die vom Institut Pasteur vom 1. Mai 1888 bis 1. Mai 1889 behandelten Wuthfälle unterbreitet. Danach wurden 1673 von tollen Hunden gebissene Personen behandelt; 1487 waren Franzosen, 168 Ausländer. Von den 1673 waren 118 am Kopf und im Gesicht gebissen worden. 10 von diesen letzteren wurden während der Be- handlung von der Wuth ergriffen; 3 Kranke sind gestorben, nachdem sie die vollständige Behandlung durchgemacht. Der Misserfolg beschränkte sich also angeblich auf drei Fälle, oder auf einen Fall unter 557.(M. m. W.)
— Versammlung des thierärztlichen Vereins in Westpreussen am 8. September im Hötel de Berlin zu Danzig. Aus der Tagesordnung: Abnorme Verbiegung der Wirbelsäule bei einem Fohlen: Departementsthierarzt
Fachzeitschriften gehalten werden sollen.
Wir wünschen dieser neuen Gründung, die von den besten und dem Gemeinwohl der gesammten Studentenschaft förderlichsten Principien ausging von Herzen alles Gute und geben zugleich der angesichts der grossen Theilnahme und des regen allseitigen Interesses wohl berechtigt er- scheinenden Hoffnung Ausdruck, es möge der wissen- schaftliche Abend das hohe Ziel erreichen, was er sich gesteckt hat.“
Dem im Schlusssatze der Mittheilung bezüglich des Gedeihens des neu gegründeten Vereins ausgesprochenen Wunsche wollen wir uns gern anschliessen. Mit Rück- sicht auf die weite Verbreitung, welche die Allgem. Deutsche Universitäts-Zeitung in den gebildetsten Kreisen gefunden hat, scheint uns der andere Wunsch nicht minder berechtigt,
man möchte bei Benennung derartiger Vereinigungen etwas
Preusse-Danzig. Wahl eines Delegirten zur bevor-
stehenden Feier in Berlin.
— In der vom Sanitätsrath Dr. Küster in Berlin herausgegebenen„Allgemeinen Deutschen Universitäts- Zeitung“ findet sich in Nr. 14 vom 15. Juli d. J. folgende Mittheilung:
„K. S. Berlin. Vor Kurzem wurde an der thierärztlichen Hochschule ein„Wissenschaftlicher Abend der Studirenden der thierärztlichen Hochschule zu Berlin“ gegründet. Es ist dieser wissenschaftliche Abend. der, nebenbei bemerkt, aus sprachlichen Rücksichten unseres Erachtens nach wohl besser„Allgemeine wissenschaftliche Vereinigung d. Stud. ete.“ hiesse, keineswegs, was ja auch der Name schon besagen will, eine studentische Verpindung im engeren Sinne des Wortes, mithin ebensowenig auch etwa das Gegenstück zu dem ebenfalls vor nicht allzu langer
mehr sprachliche Rücksichten nehmen. Was z. B. ein„Veterinär-Student“ ist, kann ein Eingeweihter zwar errathen, aber ein Unkundiger aus der Zusammensetzung der Bezeichnung an sich nicht entziffern.
Bücherschan.
Die landwirthschaftlichen Futtermittel. Handbuch für Thierzüchter und Thierhalter von Dr. Emil Pott, Privat- docent an der landwirthschaftlichen Abtheilung der Kgl. technischen Hochschule in München. Berlin. Paul Parey. Preis 15 Mk.
In sehr eingehender Weise ist im vorstehenden Werke der Versuch gemacht worden, die landwirthschaftlichen Futtermittel für die Zweeke des Thierzüchters und Thier- halters zu bearbeiten. An Fleiss hat es der Verfasser nicht fehlen lassen, die Literatur ist sehr ausgiebig bei den einzelnen Abschnitten verwerthet worden. Dem be- sonderen Theil ist ein allgemeiner Theil vorangeschickt, in welchem die Bestandtheile des Thierkörpers, Theorie der Ernährung und des Stoffwechsels, der Entwickelungs- zustand der Futterpflanzen und ihr Nährwerth, Einfluss der Varietät auf den Nährwerth der Futterpflanzen, Ein- fluss der Bodenbeschaffenheit, des Klimas, der Düngung, Kulturmethode, des Ernteverfahrens auf den Nährwerth der Futterpflanzen, ferner Zubereitung und Art der Verab- reichung der Futtermittel abgehandelt werden. In dem 530 Seiten umfassenden speziellen Theile folgen dann die einzelnen Futtermittel. Hier hat Verf. der weit verbreiteten
44*


