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Thiermedicinische

Rundschau etc. 1889. No. 22.

ausbleiben, so ist entweder der Gummischlauch nicht weit genug eingeführt gewesen, oder der- selbe ist eingeknickt, so dass die Flüssigkeit aus demselben Nasenloch wieder herausfliesst.

Nach meinen bisherigen Versuchen stelle ich dieses Verfahren, so weit es den Finfluss auf den Krankheitsverlauf betrifft. den laryngealen und pharyngealen Injectionen vollständig gleich, gebe ihm aber der einfacheren Applicationsmethode wegen unbedingt den Vorzug.

Mittheilungen aus Vereinen und Versammlungen. Bericht über die Versammlung des thierärzt-

genasen in einigen Tagen. Am 2. 3. Tage waren die Geschwülste unter dem Kinn bei allen ohne jede Behand- lung verschwunden und begannen die Thiere wieder munter zu fressen. Die vom Kreisthierarzt Herrn Esser-Jülich und mir gemachten Obductionen ergaben als vorwiegendes Resultat eine gelb-sülzige ödematöse Schwellung des inter-

lobulären Bindegewebes der Lunge stellenweise bis zur

Dicke eines Centimeters. Die Lobuli liessen sich einzeln mit den Fingern herausheben. Im Uebrigen war das Lungen-

gewebe normal und lufthaltig. Ein geringer seröser Er-

lichen Vereins des Reg.-Bez. Aachen. Nach Begrüs-

sung der erschienenen Mitglieder seitens des Vorsitzenden Herrn Departementsthierarzt Dr. Schmidt erfolgte zunächst Rechnungslegung durch den langjährigen Rendanten, Herrn Thierarzt Knur-Kachen, dem ohne Weiteres Entlassung er- theilt wurde. In der Begründung des Punktes 2,Er- richtung eines Fhrengerichts, führte Herr Kreisthierarzt Strerath-Doveren an, hierdurch bestehende Meinungsdiffe- renzen schlichten und in Folge dessen wieder eine regere Betheiligung an den Sitzungen des Vereins hervorrufen zu können, da sonst in absehbarer Zeit an einem Bestehen des Vereins gezweifelt werden müsse. Dies anerkennend er- klärt der Vorsitzende, dass der Verein bei einer Mitglieder- zahl von 17 Herren doch wohl zu schwach sei, um ein Fhrengericht von 5 Mitgliedern für sich zu bilden. Er beantrage daher, sich dem Verein Rheinpreussischer Thier- ärzte anzuschliessen mit der Bedingung, dem Aachener Localverein wenigstens 2 Sitze einzuräumen, dem man sich allgemein anschloss.

Des Weiteren folgte der als 3. Punkt des Programms vorgesehene Vortrag des Thierarztes Herrn Schmitz- Linnich und Kreisthierarzt Esser-Jülich, Auftreten der Columbaczer-Mücke in den Kreisen Geilenkirchen, Erkelenz und Jülich.

Ersterer führt etwa Folgendes aus: Am Ostermontag, den 2. April a. er. wurde ich auf eine in der Nähe von Linnich gelegene Fettweide gerufen, wo eine Kuh sei, die

nicht mehr fressen wolle. Die Kuh hatte unter dem Kinn

eine ödematöse Schwellung, die Jugularen pulsirten und § möge man Vorsicht gebrauchen, da hierdurch die Nadel

waren strotzend gefüllt, das Herz arbeitete sehr rasch und ochend, abnorme Herzgeräusche waren nicht wahrnehmbar. Auf Grund dieser Erscheinungen glaubte ich die Piagnose auf traumatische Pericarditis stellen zu müssen. Allerdings war die Geschwulst unter dem Kinn etwas härter, wie sie bei Hydropericardium vorzukommen pflegt. Am selbigen Tage fielen auf einer andern Wiese noch zwei Kühe, welche dieselben Symptome zeigten wie erstere. Ich wurde vom Besitzer darauf aufmerksam gemacht, dass zahllose kleine Mücken die Thiere überfallen und die weichen Hautpartien (Puter, After, Ohren, Augen- und Nasenränder) zerstochen hätten. Am selben Abend constatirte ich nach Besichtigung von eingefangenen Mücken mit Hilfe literarischer Quellen, dass wir es mit der Columbaczer-Mücke zu thun hatten (Simulia maculata). Jedes einzelne Wort der Beschreibung von Brehm und Zürn passte genau auf die mir vor- liegenden Exemplare. Mit Hilfe schwacher mikroscopischer Vergrösserung gelang es mir an Quetschpräparaten vom Kopfe den fleischigen Rüssel zu schen, jedoch konnte ich keine Armirung zum Stechen finden. An den folgenden Tagen fielen noch drei Kühe. Ich liess sofort am zweiten Tage sämmtliches Vieh von den Weiden in die Stallungen treſben. Bei 7 Stück machte ich ergiebige Aderlässe, bei anderen, wo die Jugularen ebenfalls stark gefüllt waren, nicht. Sämmtliche in die Stallungen gebrachten Thiere

guss fand sich im Pericardium. Auf der Pleura, dem Peri- cardium, Peritoneum und der Serosa der Därme wurden zerstreut liegende kleinere oder grössere Petechien gefunden.

Ehe die Thiere am Ende der Woche wieder auf die Weide getrieben wurden, liess ich die weichen Hautpartien mit einer Mischung von Kreosot und Ol. animal. foet. je 5 Theile auf 100 Vaseline einreiben und blieben die In- secten, trotzdem sie noch massenhaft auf den Weiden schwärmten, den Thieren fern; eine Einreibung von Carbol mit Vaseline schützte nach einem Tage nicht mehr, indem der Carbolgeruch nicht haftete. Während der Osterwoche eingetretene starke Regengüsse hatten gar keinen Einfluss auf das Schwärmen der Mücken; sie ffüchteten sich wäh- rend des Regens in die Weissdornhecken, Laub der Pappel- weiden und sonstiger Bäume. Nach ca. 8 Tagen waren sie aus hiesiger Gegend verschwunden, traten aber in west- lieh gelegenen Kreisen ebenso massenhaft auf. Es bleibt abzuwarten, ob die Mücke in unseren feuchten sumpfigen Niederungen Eier gelegt hat und würde dann event. im August ein neues Schwärmen zu erwarten sein. Der Vor- sitzende bemerkt hierzu, dass die Mücke von Professor Taschenberg in Halle nicht als S. maculata, sondern als S. reptans festgestellt worden sei eine Mückenart, die überall in Deutschland, namentlich in sumpfigen Gegenden, zu finden, aber in diesem Jahre auffallend zahlreich auf- getreten sei. Schmitz will sie jedoch bestimmt als S. maculata erkannt haben.

Am Schluss der Sitzung wurden Mittheilungen aus der Praxis gemacht. Hier sind besonders die mittels trachealer Injection erzielten Resultate bei Morbus mac. hervorzuheben. Sämmtliche Redner betonten, dass diese Behandlung im All- gemeinen einen durchschlagenden frappanten Erfolg habe, wenn man beim Entstehen der Krankheit hinzugezogen werde. Die DPosis der Jodlösung könne bis 80 g pro die betragen.

Der anfangs auftretende Husten und die Schluckbe- wegungen seien keineswegs gefährlicher Natur. Jedoch leicht abbrechen könne, wie in einem Falle berichtet wurde, in Folge dessen die Trachea unterhalb der Einstichstelle mit grösster Vorsicht geöffnet werden musste. Weiterhin sei darauf aufmerksam zu machen, dass sich beim Finstechen der Nadel leicht ein Knorpeistückchen einkeilen könne, was sofort beim Einspritzen gemerkt werde. Es sei die Nadel dann sofort herauszuziehen, widrigenfalls man Fremd- körperpneumonie verursache, in jedem Falle aber ein kleiner Troikar der Hohlnadel vorzuziehen. Bezüglich der Eseridin- Injectionen wurde mitgetheilt, dass eine Dosis von 0,1 zu schwach sei, man müsse mindestens 0,2 0,3 nehmen. Zur besseren Lösung des Eseridins sei eine Säure hinzu- zusetzen, da sonst leicht Abscesse, Phlegmonen entständen; sogar müsse ein letaler Ausgang darauf zurückgeführt werden. Zum Schlusse versprach der Vorsitzende auf viel- seitige Anregung, demnächst Versuche zur Chloroform-Nar- cose mittels trachealer Injection anzustellen und über die gewonnenen Resultate in nächstjähriger Sitzung zu berichten. Damit war die Tagesordnung erschöpft, worauf ein gemein- schaftliches Gastmahl und Besuch des zoologischen Gartens die meisten Herren noch bis zum Abend vereinigte.

Dr. Schmidt, Weinberg, Vorsitzender. Schriftführer.

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