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Thiermedicinische Rundschau etc.

1889.

No. 22.

schrift sucht nun Prof. Fröhner in sehr ein- gehender Weise die DiagnoseCreolinvergiftung in Zweifel zu ziechen, welche ihm nach objectiver Prüfung der mitgetheilten Thatsachen in dem vorliegenden Falle keineswegshinreichend be- gründet erscheint.

Man gebe mir ein paar

handfeste Ulanen, sagt Prof. Fröhner, ein paar

gute Bürsten und ein geschorenes Pferd, und ich

mache mich anheischig durch Einreiben von Wasser ganz dasselbeVergiftungsbild hervor-

zurufen. Auch den von Dr. Hünermann mit-

getheilten Fall bemängelt Fröhner, da den An- gaben Hünermann's die Forschungsresultate von

Koch, von Esmarch, Eisenberg und Baumgarten gegenüberstehen. die das Creolin als ein schr wirk- Sames und brauchbares Desinfectionsmittel erklärt haben. Das OCreolin ist nach Fröhner's Ueber- zeugungein so gutes Desinficiens und Antipara- siticum, dass es mit dem besten Willen nicht schlecht gemacht werden kann.(Verstehen wir

auch, dass Prof. Fröhner sich für den guten

Ruf des Creolins interessirt, das er ja in Deutsch- land in die practische Medicin eingeführt hat, so

ist es uns andrerseits doch schwer verständlich, der Pathologie der Rinderkrankheiten im Allge-

in diesem Interesse soweit zu gehen, wie es in jenem Artikel geschieht. Die Zusammensetzung des Creolins ist bekanntlich nicht immer die gleiche; unangenehme Erfahrungen werden des- halb stets einmal beobachtet werden. Deshalb brauchen die Autoren, welche ihre ungänstigen Prfahrungen veröffentlichen, keineswegs das Creo- linschlecht machen wollen, oder gar ausser Stande zu sein, wissenschaftliche Beobachtungen anzustellen. Bef.)

Infectionskrankheiten.

Zur Diagnose der Perlsucht. Von Väth und Cagny. (Thierärztliche Mittheilungen No. VI. 1889.)

In No. 13 und 16 dieser Zeitschrift brachten wir Original-Arbeiten zur Beurtheilung der Diagnose der Perlsucht. Wir glauben deshalb im Interesse der Leser zu handeln, wenn wir einen Vortrag von Cagny, den College Väth in deutscher Uebersetzung wiedergiebt, auch hier zum Abdruck bringen.

Der uns badischen Thierärzten wohlbekannte Berichterstatter M. P. Cagny in Senlis in Frank- reich, hielt auf dem vorjährigen Pariser Congresse

zum Studium der Tuberkulose folgenden Vortrag:

Auf dem internationalen thierärztlichen Con- gresse, welcher im Jahre 1885 in Brüssel tagte, wurde auch über die Tuberkulose Bericht er- stattet und zwar von einer Commission, welche aus den Herren Fleming, Lydtin und van Hertsen bestand. In seinem hervorragenden

auf:Heutzutage kann der Thierarzt in einem Stalle, wo die Perlsucht bereits festgestellt wurde, die erkrankten Thiere ebenso leicht erkennen, als er die rotzkranken Pferde herausfindet in einem Stalle, wo der Rotz constatirt wurde.

Ich gestehe offen. dass mir diese Behauptung anfangs den Stempel der Uebertreibung an sich zu tragen schien, jedoch hat sie sich als wahr erwiesen. Viele unserer Kollegen, von denen ich nur das hier anwesende Mitglied Grissonanche besonders nennen will, sind zu demselben Schluss gekommen. Seitdem hatte ich Gelegenheit Herrn Lydtin zu sehen, ihn nach den Einzelheiten seines Verfahrens zu fragen und in meiner Praxis die von ihm geübte Methode zu prüfen und ich muss seine Behauptung bestätigen.

Bemerken will ich im Voraus, dass die Perl- sucht nicht in jedem Grade mit Bestimmtheit erkannt werden kann, z. B. bei Thieren auf dem Markte, dagegen leichter bei erkrankten Thieren einer Heerde, in der schon ein Krankheitsfall festgestellt ist. Die Leichtigkeit der Diagnose wird übrigens im Verhältniss zu der Erfahrung stehen, welche der Thierarzt auf dem Gebiete

meinen und der Perlsucht im besonderen besitzt. Es mag gleich bemerkt werden, dass die Maass- regeln, welche gewöhnlich zur Verhütung der Ansteckung ergriffen werden, nichts werth sind; denn es kann fast mit Bestimmtheit behauptet werden, dass man es nicht mehr mit einem ver- einzelten Fall zu thun hat, wenn der Thierarzt gerufen wird.

Um zu einer genauen Diagnose zu kommen, ist es nothwendig, dass man mit der Entwick- lung der Krankheit, sowohl pei einzelnen Gruppen von Thieren, als bei einzelnen Individuen wohl vertraut ist. Wenn die Thiere in überfüllten Stallungen mit niederer Decke, schlechter Lüftung und Beleuchtung untergebracht sind, wenn der Boden, die Mauern und die Decke voll sind von Löchern und Erhabenheiten, noch mehr, wenn die Stallung auf feuchtem Untergrund liegt, 2. B. an dem abhängigen Theile eines Hofes, 8o kann im opbengedachten Falle schon beim Eintreten behauptet werden, dass die Mehrzahl der In- sassen des Stalles tuberkulös ist. Im entgegen- gesetzten Falle, bei gesundem Stalle ete. kann die Ansteckung viel weniger Fortschritte machen.

Vor Jahren befiel die Perlsucht den Stall eines meiner Klienten. Die Thiere gehörten der vlämischen Rasse an und waren jung, gut gebaut und wohl genährt gekauft worden; der Stall hatte jedoch ein niederes Dach, war schlecht

ventilirt und peleuchtet und auf einer abschüs-

Berichte stellte Lydtin die folgende Behauptung

sigen Stelle des Hofes gelegen. Die Mauern waren in gutem Zustande, die Ventilation jedoch