15. August.
schr mangelhaft. Ich forderte und erlangte die Prrichtung eines anderen Stalles, der besser ge- legen und eingerichtet war und die Seuche war gebannt. Die neu eingestellten Thiere entgingen der Ansteckung und ich bemerkte sogar bei den bereits erkrankten Thieren einen Stillstand in der
Entwicklung der Krankheit und eine Besserung rührung geboten und die Krankheit verbreitet sich
ihres Zustandes. Der Mangel an Luft und Licht, hervorgerufen durch schlechtgebaute Stallungen spielt, wie es
Thiermedicinische Rundschau ete.
scheint, eine grössere Rolle als hohe oder niedere
Temperatur.
Die Landwirthe, welche ihre Milch zu Käse verarbeiten, haben eine rationelle und billige Art ihre Milchstuben zu erwärmen, indem sie diese zwischen zwei Kuhställe legen, deren Fenster und Thüren meist geschlossen gehalten werden. Diese Anordnung pedingt einen grossen Miss- stand, insbesondere eine Erhöhung der Stall- temperatur auf 25— 30 Grad C. Sind jedoch diese Ställe gut beleuchtet, stehen die Thiere nicht zu eng und sind die Mauern gut, dann ist die Perl- sucht gleichwohl nicht häufig. Wenn selbst einige Thiere erkranken, so sind sie für ihre Nachbarn meistens ungefährlich. Gesellen sich aber zur Temperaturerhöhung noch andere Miss- stände, als Ueberfüllung, Mangel an Licht ete., so macht die Perlsucht reissende Fortschritte. Auf einem solchen Gute wurden von 60 Milch- kühen, welche in verschiedenen Stallungen unter- gebracht waren, in nicht ganz einem Jahr nach dem ersten Falle, drei Viertel des Bestandes
tuberkulös befunden und die Thiere, welche in
dem schlechtest ventilirten und beleuchteten Stalle standen, waren stärker und zahlreicher erkrankt, als die in dem wärmsten Gelasse.
In unserer Gegend verbreitet sich die Krank- heit weniger unter den Weidethieren, welche Tag und Nacht im Freien sind, als unter denen. welche den ganzen Tag oder den grössten Theil des Tages im Stalle stehen. Es mag nur neben- bei bemerkt werden, dass die Experimente des Laboratoriums pezügtich des Einflusses der Coha- bitation, welche dem Congresse mitgetheilt wurden, mit den klinischen Prfahrungen in Uebereinstim- mung stehen.
Die Wirkung der frischen Luft und des Lichts auf die Entwieklung der Tuberkulose ist ver- schieden von derjenigen auf eine andere epizoo- tische Krankheit der Lunge.
Bei der Pungenseuche findet die Ansteckung durch ein flüchtiges Cantagium nicht statt, s0 lange die Thiere unausgesetzt im Stalle sind. ¹)
tragung der Krankheit findet gewöhnlich pei der Stall- haltung nicht statt, sondern nur Ansteckung von Nachbar zu Nachbar. Red. der„bad. Th. Mitth.“
) Das will wohl heissen: Eine sprungweise Ueber-
zufälligen Nachbar
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Exracte Beobachtungen haben ergeben, dass die Ansteckung nur durch unmittelbare Berührung eines kranken Thieres mit seinem ständigen oder erfolgt. Wenn daher die Thiere den ganzen Tag über im Freien herum- laufen, so ist die Gelegenheit der gegenseitigen Be-
rascher und auf eine grössere Anzahl von Thieren.
Bei der Tuberkulose scheint gerade das Gegen- theil der Fall zu sein. Keine oder nur geringe Ansteckung auf der Weide, rasche Auspreitung über die ganze Heerde, wenn diese in engen Stallungen gehalten wird. Und da der Aufent- halt in schlecht ventilirten Ställen günstig auf
die Conservirung des Ansteckungsstoffes wirkt,
ist es auch ganz natürlich, dass die Krankheit in solchen Ställen raschere und verhältnissmässig grössere Fortschritte macht.
Wenn wir uns diese Betrachtungen vergegen- wärtigen und uns erinnern, dass pei jeder be- liebigen Infectionskrankheit jedes Thier, das der Ansteckung ausgesetzt war, von dem Momente an als inficirt angesehen werden muss, wo sich das erste Symptom, ich will nicht sagen einer Krankheit, sondern bloss von gestörter Gesund- heit oder irgend einer Indisposition zeigt, so sollte der Thierarzt alle die Thiere, welche sich nicht in einem guten Gesundheitszustande befinden oder nicht wohl sind, um einen vulgären Ausdruck zu gebrauchen,— als inficirt bezeichnen. Um dies auf die Tuberkulose anzuwenden, wird der Thier- arzt dafür sorgen, dass alle diejenigen Stücke, welche husten oder welche fühlbare Drüsen- geschwülste(in dem Kehlgange oder der Ohr- speicheldrüsengegend) zeigen, als verdächtig be- handelt werden. Wenn ihm diese Anzeichen nicht genügend erscheinen, muss er, je nach den Umständen, die Thiere in den Stall bringen oder sie im Freien lassen, um sie ohne störenden Lärm untersuchen zu können¹); er muss sie auch aus der Entfernung beobachten, wie sie sich be- nehmen und wie der Ernährungszustand ist.
Bevor wir zur Finzeluntersuchung übergehen, müssen wir uns erinnern, dass die Perlsucht bei einem Thiere unter zwei Formen auftreten kann,
der Lungenform(Lungensucht) und der
Drüsenform. Ausserdem giebt es noch eine Tuberkulose der serösen Häute, aber diese ist selten. ³) Die drei verschiedenen Formen können
¹) Dr. Lydtin empfiehlt sie morgens nüchtern nach einer kurzen anstrengenden Bewegung zu untersuchen. V.
²) Die Thatsache, dass die Perlsucht der serösen Häute bei dem Rindvieh in Frankreich höchst selten vorkommt, ist richtig und sehr merkwürdig. Es wäre der Mühe werth, den Ursachen der Erscheinung nachzugehen. Das häufigere Vorkommen der Tuberkulose der Lungen und der Lymphdrüsen erleichtert offenbar die Diagnose der Seuche. Red. der„bad. Th. Mitth.“


