52 Thiermedieinische Rundschau etc.
1888. No. 5.
nehmen war, dass die Verhandlungsgegenstände reichhaltiger als im vorigen Jahre ausfallen würden, so blieb doch auch für dieses Mal noch manch berechtigter Wunsch unerfüllt. Von Do- centen der dem Versammlungsort zunächst ge- legenen thierärztlichen Unterrichtsinstitute war Niemand erschienen, während Professoren und Docenten der deutschen Universitäten in grosser Zahl erschienen waren, um in den einzelnen Sectionen im Verein mit den Vertretern der Praxis auf den verschiedensten Gebieten Anregung zu geben und zu empfangen. Bei Wahl der Verhandlungsgegenstände wird noch zu wenig gewürdigt, dass es in erster Linie darauf ankommt, über wichtige Ergebnisse thiermedicinischer For- schung oder über solche Vorkommnisse zu be- richten, die nicht allein ein specifisch thierärzt- liches, sondern auch vergleichend-pathologisches Interesse im Allgemeinen für sich in Anspruch
nehmen können. Man darf nicht überschen, dass die Verhandlungen der Section durch Vermittelung des„Tageblattes der Naturforscherversammlung“ in die weitesten Kreise der gebildeten Welt kommen, nicht nur der ärztlichen,— man studire nur einmal das Mitglieder- und Theilnehmer- Verzeichniss— deshalb wird gelegentlich der Naturforscherversammlung der thiermedicinischen Wissenschaft und ihren Vertretern auch das wirksamste Mittel geboten, für die immer weitere Anerkennung und Schätzung derselben thätig zu sein. Wer dieses Mittel ohne zwingenden Grund nicht benutzt, wird sich dem Vorwurf der Gleich- gültigkeit aussetzen. Hoffen und wünschen wir, dass in der Zukunft die Section für Veterinär- medicin in der bezeichneten Richtung immer kräftiger an den verdienstlichen und edlen Auf- gaben, welche ihr im Kreise der Naturforscher- versammlung zufallen, witwirken wird.
Zweiter Delegirtentag preussischer thierärztlicher Vereine. (Eigenbericht der„Thiermed. Rundschau“)
Die zweite Versammlung der Centralvertretung derselbe an den seit der letzten Zusammenkunft der thierärztlichen Vereine Preussens begann am eingetretenen Tod unserer beiden Kaiser Wilhelm
16. November im Hötel de Rome zu Berlin. Vertreten waren folgenden Vereine: Verein ost- preussischer Thierärzte(Kreisthierarzt Friebel- Insterburg); Verein westpreussischer Thierärzte (Kreisthierarzt Dr. Felisch- Inowrazlaw); Verein pommerscher Thierärzte(Pepartementsthierarzt Müller-Stettin); Verein der Thierärzte der Provin? Posen(Kreisthierarzt Kotelmann in Graudenz); Verein schlesischer Thierärzte(Veteri- när-Assessor Dr. Ulrich-Breslau); Verein Berliner und Brandenburgischer Thierärzte(Kreisthierarzt Klein-Berlin); Verein Thüringischer Thierärzte Thierarzt Henkert in Erfurt); Thierärztlicher Cen- tralverein für die Provinz Hannover(Prof. Dr. Esser- Göttingen und Dr. Brücher sen.-Hannover); Verein für die Provinz Westfalen(Veterinär- Assessor Dr. Steinbach in Münster i. W.); Centralverein für die Provinz Sachsen(Prof. Dr. Pütz und Dr. Schneidemüh!-Halle a. S.); Verein der Thierärzte des Reg.-Bez. Wiesbaden (Kreisthierarzt Prof. Dr. Leonhardt-Frankfurt); Verein Kurhessischer Thierärzte(Professor Dr.
des Reg-Bez. Magdeburg(Kreisthierarzt Sundt- Halberstadt; Verein Rheinprenssischer Thierärzte (Pepartementsthierarzt Dr. Schmidt in Aachen).
Der Vorsitzende Prof. Püt?z eröffnete gegen 10 ½ Uhr Vormittags die Sitzung und begrüsst die erschienenen Abgeordneten der Vereine wie die Gäste aufs Herzlichste. Im Weiteren erinnert
Kaiser-Hannover); Verein beamteter Thierärzte Vorstand 2u
und Friedrich, zu deren Andenken sich die Ver- sammelten von ihren Plätzen erhoben hatten. In das am Schlusse der Rede ausgebrachte Hoch auf Se. Majestät den Kaiser Wilhelm II. stimmte die Versammlung dreimal begeistert ein.
In die Tagesordnung eintretend ernennt der Vorsitzende nach§ 5 der Statuten als zweiten Schriftführer für die Versammlung Dr. Schneide- mühl-Halle. Hierauf erstattete der Vorsitzende Bericht über die Thätigkeit der Centralvertretung seit dem Bestehen derselben. ¹)
Dem mit grossem Beifall aufgenommenen Vortrage folgte eine Mittheilung über Erledigung der in der letzten Versammlung gefassten Be- schlüsse.
Betreffs Antrag auf Aufhebung der Taxe für die thierärztliche Privatpraxis hatte der Vorstand zunächst der bezüglichen Resolution keine Folge gegeben, um über die Form der Er- ledigung diese Versammlung nochmals zu befragen.
Die Centralvertretung beschloss jetzt, ihren beauftragen, mittels eines be- gründeten Gesuches beim Landwirthschaftlichen Ministerium wegen Aufhebung der thierärztlichen Taxe v. J. 1815 in Preussen vorstellig zu werden.
¹) Wir glauben von dem Inhalt Abstand nehmen zu können, da das Wichtigste bereits in früheren Nummern dieser Zeitschrift mitgetheilt worden ist. Red.


