1. Dezember.

Thiermedicinische Rundschau ete. 51

Unverständlich aber ist es mir, dass derselbe im Widerspruche mit den Thatsachen seinen etwas schr unüberlegten Ausspruch auch jetzt noch aufrecht zu erhalten versucht, nachdem er durch Herrn Guillebeau rectificirt worden ist. Ich

Diese Freude theile ich mit Herrn Raillet. habe demgegenüber weiter nichts zu bemerken,

als dass es einerseits nicht meine Sache ist, Befunde anzugeben, welche ich nicht geschen habe, anderer- Seits es vermeide, etwas„sans la moindre hésitation“ als feststehende Thatsache hinzustellen, was nur einen gewissen Grad von Wahrscheinlichkeit besitzt.

Bei der Besprechung des Vortrages meint Prof. Kaiser-Hannover, dass es sich bei der fraglichen Krankheit um Ansiedlung bestimmter Infectionserreger in den durch schlechte Ernäh- rung wenig widerstandsfähigen Thieren handeln dürfte. Der Vortragende entgegnet, dass die Krankheit stets nach Verabreichung anderen Fut- ters verschwinde. Schneidemühl-Halle glaubt, dass man nach den Mittheilungen des HerrnVor- tragenden zwei Formen der sog. Ruhr unter- scheiden müsse, die eine trete bei ganz jungen Kälbern nach dem Milchgenuss schlecht genährter Mutterthiere auf, die andere bei älteren Kälbern durch Ansteckung in Folge Zusammenkommen mit den Dejectionen auf die erste Art erkrankter Thiere. Der Vortragende möchte sich dieser Eintheilung nicht anschliessen, weil in beiden Fällen die charakteristische Magenerkrankung vor- handen ist.

Herr Departements-Thierarzt Schell-Bonn spricht dann über die Thätigkeit der bei- den ersten Magenabtheilungen der Wieder- käuer bei der Rumination. Bezüglich des Weges, den der heruntergeschluckte Bissen nimmt, sei anzunehmen, dass der aus festen Bestand- theilen bestehende nur in den Pansen eingeführt wird, der von mehr breiiger Beschaffenheit in alle vier Magenabtheilungen komme. Ein zwei Stunden vor dem Schlachten mit Hafer gefütter- ter Ochse hatte Haferkörner zum grössten Theil im Pansen und in der Haube, zum kleineren Theil im Labmagen und Psalter. Bei einem in ähnlicher Weise behandelten Mastkalb wurden Körner nur im Psalter und in der Haube aufgefunden. Bei einem unmittelbar vor dem Schlachten mit Brod ge-

zerkleinerten Brodstückchen im Pansen. Spuren in der Haube in den beiden letzten Magen- abtheilungen nichts. Ueber den Weg, den Flüs- sigkeiten bei erwachsenen und jungen Thieren nehmen, sind die Ansichten der Forscher noch sehr getheilt. Redner gab einem Kalbe eine halbe Stunde vor dem Schlachten ein rohes Ei

fütterten Hammel fand der Vortragende fast alle

61. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Köln. Section für Veterinärmedicin.

Von Dr. Georg Schneidemühl in Halle a. S. (Schluss.)

und unmittelbar vor dem Schlachten Milch. Im Pansen und in der Haube fand sich keine Spur; im Labmagen dagegen eine schleimige, grau- weissliche Emulsion. Die Eierschale fand sich in kleinen Stücken theils im Pansen, theils in der Haube. Was endlich den wiedergekauten Bissen betrifft, so wird derselbe vermittelst der Schlundrinne direet zwischen die Blätter des Psalters gelangen. Bei der Section eines acht Monate alten Rindes, welches nach mehrtägigem Kranksein verendet war, fand sich der Labmagen mit Bündeln langer schilfartiger Pflanzen, die als Einstreu verwendet worden, angefüllt. Pflanzen gleicher Art waren auch im Pansen enthalten, während sich im Psalter blos eingetrocknetes wiedergekautes Futter zeigte, dagegen keine Spur von Einstreu. Der Labmageninhalt ist zweifellos dem Wiederkauen nicht unterworfen gewesen und muss aus dem Pansen in die Haube und von dieser und über die Psalterbrücke in den Labmagen geführt worden sein. Bezüglich der eigentlichen Rejection, wo sich ebenfalls noch die Ansichten gegenüberstehen, lässt der Vor- tragende den Vorgang in der Weise von Statten gehen, dass erstens der Panseninhalt absatzweise in die Haube gepresst wird. Es treten dann Contractionen der Haube und des Pansenhalses ein, durch welchen der Haubeninhalt in die Schlundmündung gepresst wird. Fine Mitwirkung der Bauchpresse hat Vortragender nie nachweisen können.

Die Reihe der Vorträge war damit erschöpft.

Herr Prof. Kaiser-Hannover ergreift nun das Wort um im Namen der Section dem Herrn Ein- führenden, den Herren Schriftführern, dem Herrn Vorsitzenden und den Herren Vortragenden für ihre Mühe, Anregung und Förderung der In- teressen der Section seinen Dank auszusprechen, worauf Herr Dr. Steinbach die Verhandlungen der Section für geschlossen erklärt.—

Wenn auch nach den von dem Einführenden der Section entfalteten Bifer ein besserer Besuch als in Wiesbaden zu erwarten stand, auch anzu- 9*