50 Thiermedicinische Rundschau etc. 1888. No. 5.
Bauchhöhle und in den Gehirnventrikeln, starke serõse Durchfeuchtung der parenchymatösen Organe,
Haut, des Fettes und der grösseren Herzgefässe. Die rothe Färbung der Haut, der Beine und der
sowie diffuse Roth- bezw. blasse Gelbfärbung der Schultern trat erst nach erfolgtem Abbrühen auf.
Herr Raillet, Professor der Maturgeschichte in Alfort und sein Referat im Recueil de méd. vétér. vom 15. Octbr. 1338, S. 671 u. 672.
Beleuchtet von Professor Dr. Pütz in Halle a. S.
Herr Raillet bringt l. c. ein Referat über die von mir in Bd. I, No. 14 der Thiermedicinischen Rundschau 1886/87, S. 161 u. 162 gemachte Mit- theilung, betreffend ein mir bis dahin vollkommen unbekanntes Leiden bei Schweinen. Herr Raillet schliesst fragliches Referat mit folgenden Worten:
„Toutes ces conelusions nous paraissent étre de simples hypothèses, et nous ne pouvons méme pas considérer comme 6établie linfection hydatique que l'auteur admet sans la moindre hési- tation.“
Der Schluss dieses Satzes ist in meiner Dar- stellung keineswegs begründet, sondern von Baillet irrthümlich oder willkürlich ausgesprochen worden. Zum Beweise dessen erlaube ich mir hier einige Sätze meiner bezügl. Mittheilung wiederzugeben.
Gleich der zweite Satz derselben lautet:„Ob- gleich von Bandwurmköpfen keine Spur zu finden war, so blieb nach Beschaffenheit fragl. Cysten zu urtheilen doch kaum ein Zweifel, dass es sich um untergegangene Blasenwürmer und zwar der Grösse und normalen Form nach wahr- scheinlich um Cysticereus tenuicollis handelte“ 0 8. 161).
Im vorletzten und letzten Passus meiner Mit- theilung(S. 162) heisst es:„Demnach erscheint es kaum zweifelhaft, dass die betr. Schweine infolge einer Infection mit Eiern von Taenia marginata. welche sich in grosser Zahl im sub- cutanen Bindegewebe im Bereiche des Futers oder der Ohrspeicheldrüsen entwickelt hatten, durch Vereiterung dieser Cysticerken zu Grunde ge- gangen sind, indem etc.“..
Ferner:„Wie beim Menschen die nach dem Gehirn gelangten Embryonen der Taenia solium zu verästelten Blasenwürmern(Cysticercus race- mosus) sich entwickeln können, so scheint aus der Brut von Taenia marginata an verschiedenen Stellen im Unterhautbindegewebe des Schweines ein Cysticereus sich zu entwickeln, dessen Blase nicht selten mehrere Fächer oder Buchten besitzt.“
Dass ich demnach die Infection mit Band- wurmbrut„sans la moindre hésitation“ d. h. ohne jedes Bedenken angenommen habe, wird durch die wahre Bedeutung der vorstehend fettgedruck- ten Worte offenbar widerlegt. Denn wenn ich
sage:„es erscheint kaum zweifelhaft“, oder„es
plieb kaum ein Zweifel“, so ist das wohl ziem- lich gleichbedeutend mit dem Ausspruche„es ist sehr wahrscheinlich“, während es keineswegs gleichbedeutend ist mit dem Ausspruche„es er- scheint nicht im mindesten zweifelhaft“ oder„es blieb kein Zweifel“. Auch die Worte:„wahr- scheinlich“ und„scheint“ sind nicht unbedingt affirmativ, sondern lassen die definitive Entschei- dung offen.
Herrn Raillet ersuche ich, von dieser Be- richtigung für das Recueil de méd. vétér. gefälligst Notiz nehmen zu wollen. Meine Interpretation des betr. Falles macht nur Anspruch auf eine mir berechtigt erscheinende Hypothese, die ich deshalb öffentlich ausgesprochen habe, um dadurch zur Mittheilung etwaiger ähnlicher Beobachtungen, oder zur Darlegung einer anderen Auffassung anzuregen.
In Nr. 21 des Recueil de méd. vét. vom 15. Novbr. 1888 hat Herr Professor Guillebeau- Bern in einem Briefe an die Red.(. c. S. 761) auf die Nichtberechtigung des Ausspruches des Herrn Raillet aufmerksam gemacht. Herr Guillebeau betont nämlich, dass Pütz zu ver- schiedenen Malen in seiner Mittheilung ausspricht, dass es sich nur um Hypothesen handle, welche in seinen Augen einen hohen Grad von Wahr- sclleinlichkeit haben, aber des streng wissen- schaftlichen Nachweises entbehren“. Piesem Schreiben Guillebeau's fügt Herr BRaillet folgende sonderbaren Nachschrift hinzu.
„Der Brief meines geschätzten Collegen von Bern erheischt meinerseits ein Wort der Erwiede- rung. Obgleich ich nur einen kurzen Auszug der Arbeit des Herrn Pütz gegeben habe, so glaube ich diesen mit möglichster Genauigkeit und so den Lesern des Recueil eine genaue Vor- stellung davon gegeben zu haben.— Meine Beur- theilung ist mir berechtigt erschienen und er- scheint mir noch berechtigt durch den absoluten Mangel von Details in Bezug auf charakteristische Eigenthümlichkeiten zur Sicherung der Diagnose. — Ausserdem darf ich mir schmeicheln, eine solche Kritik formulirt zu haben, da sie dazu ge- führt hat, die Intervention eines so besonders competenten Mannes zu pewirken und seine Mei- nung unsern Lesern zu unterbreiten.“(Raillet.)
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