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42 Thiermedieinische Rundschau ete.
1888. No. 4.
3. liefert die Obduection bei allen gefallenen Ruhrkranken neben den Erscheinungen der Ruhr noch die einer allgemeinen Infection. Es findet sich Milztumor, parenchymatöse Entzündung der Leber, Nieren und der Herzmusculatur.
Der Ansteckungsstoff scheint sich aus den schon immer stark in Zersetzung begriffenen Dejecten zu entwickeln, besonders in dicht ge- füllten unsauberen Stallungen und sich dann dem Fussboden, vielleicht auch der Luft mitzutheilen.
Von der medicamentösen Behandlung ist bei dem ausgebreiteten Entzündungsprocesse nicht zu viel zu hoffen. Bewährt hat sich Argent. nitr.. Opiumpulver mit Salicylpräparaten, auch die Tinctur. Bei leichteren Fällen die bekannten säuretilgenden Mittel. Den meisten Erfolg erzielt man durch eine zweckentsprechende Fütterung der trächtigen und frischmelkenden Kühe. Trocken- fütterung dieser hat sich bewährt. Ferner ist die grösste Sauberkeit unerlässlich, sowohl in den Stallungen als auch bei den benutzten Geräthen. Endlich hält der Vortragende es für zweckent- sprechend, den der Menschen-Heilkunde ent- lehnten Ausdruck„Ruhr“ gänzlich fallen zu lassen, da es sich ja der Regel nach nur um eine ge- wöhnliche Magen-Parmentzündung handle, die nur deshalb so gefährlich sei, weil die Phiere in dem zarten Alter wenig vertragen könnten.
(Schluss folgt.)
Die Phagocyten-Theorie. von Metschnikoff in Odessa. (Referat nach Münch. med. Wochenschrift 1887 und 1888.) Schluss.
Verf. stellt als Ergebniss seiner Versuche fest, dass durch die Erscheinungen beim Rückfall- typhus der Phagocytenlehre nicht nur nicht um- gestossen werde, sondern im Gegentheil eine neue und wichtige Stütze erhalte. Wenn auch in der Begel die Leukocyten des Blutes nicht im Stande sind, Recurrenzspirillen aufzunehmen, so werden die letzteren schliesslich doch von Pbagocyten gefressen, nur dass diese auschliess- lich in die Kategorie der Milzphagocyten gehören.
Bisher hatte man sich vorgestellt, dass die Spirillen im Körper von selbst zu Grunde gehen. Metschnikoff weist nach, dass dies unrichtig ist, dass die Spirillen bis zum Augenblick ihres Verschwindens aus dem Blute stark beweglich, also vollkommen lebendig sind, und durchaus keine Anzeichen eines herannahenden Todes er- kennen lassen; ferner— in Bestätigung der
Versuche früherer Forscher— dass die Spirillen in entnommenem Blute ausserhalb des Körpers
viel länger lebend pleiben, als im Körper selbst, endlich dass auch das kritische schon spirillen- freie Blut keine den Spirillen schädliche Stoffe enthalten kann, da dasselbe bei Zusatz zu anderem spirillenhaltigem Blute nicht die mindeste nach- theiige Einwirkung auf die Spirillen erkennen lässt. Fs wäre also, wenn man die active BRolle der Phagocyten pbei der Beseitigung der Spirillen bezweifeln will, nur noch die Annahme möglich, dass wenigstens eine gewisse Abschwächung der Spirillen zur Zeit der Krisis stattfinde. Die Ab- schwächung könnte jedoch nur gering sein, wie der gelungene Impfversuch mit spirillenhaltiger Milz aus der kritischen Periode beweist. Da die Milzbrandbacterien durch Cultur bei 42 Grad abgeschwächt worden, 80 könnte man daran denken, dass die hohe Fiebertemperatur auch hier eine gewisse Abnahme der Veirulenz bedinge. Allein es scheint, dass die hohe Tomperatur zur Heilung der Recurrenz nicht unbedingt erforder- lich ist, da Verf. bei einem seiner Affen trotz fast normaler Temperatur Verschwinden der Spirillen aus dem Blute und Genesung eintreten sah. Nicht aufgeklärt ist bisher die Frage, warum die Spirillen im Gegensatz zu anderen ins Blut eingeführten Fremdkörpern sich so hartnäckig im Blute halten und nicht schon früher in Organen, speciell in der Milz zurück- gehalten werden. jedenfalls, die Milz als ein Organ von grosser
therapeutischer Thätigkeit kennen zu lernen.
In einer in den Annales de l'institut Pasteur enthaltenen Arbeit„sur la lutte des allules de 'organisme contre linvasion des microbes“ giebt Verf. dann eine kurzgefasste Uebersicht des wesentlichen Inhalts und der wichtigsten Beweise zu Gunsten seiner Phagocytentheorie unter gleich- zeitiger Anführung neuer Beobachtungen.
Verf., früher Zoologe, entwickelt zunächst, dass man in der wikroskopischen Welt viele Bei- spiele eines Kampfes zwischen den Vertretern des pflanzlichen und thierischen Lebens beobachten kann. Viele einzellige Thierchen, Amoeben und andere Rhizopoden nähren sich ebenso wie die mit Geisseln und Cilien begabten Infusorien von verschiedenen Bakterien, indem sie dieselben in reichlichen Mengen in ihr Protoplasma aufnehmen, um aus denselben das nothwendige Nahrungs- material zu gewinnen. Sehr oft beobachtet man, dass kleine Monaden in wenigen Minuten Lepto- chrixfäden ihrem Körper einverleiben, die zehnmal länger sind als sie selbst. Dieselbe Fähigkeit findet sich nun auch bei den Zellen höher ent- wickelter Organismen. M. erwähnt eine Reihe durch Ranvier und Kowalewsky aufgefundener PThatsachen, welche darthun, dass die Mesoderm- zellen höherer Thiere im Stande sind, geschwächte
Von höchstem Interesse ist es.
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