15. November.
Schwere Störungen in der Respiration sind nur dann zu verzeichnen, wenn die Lungen und das Brustfell nachweisbar erkrankt sind. Der Regel nach ist die Anzahl der Athemzüge nur wenig beschleunigt und beträgt selten mehr wie 16— 20 in der Minute, dagegen ist das Athmen stets etwas erschwert. Das Finathmen geschieht la ngsam, oft mit einer leichten Unterbrechung, das Ausathmen unter mässig starkem Anziehen der Flanken, wie bei leicht dämpfigen Pferden.
In den leichteren Fällen lässt sich durch die Auscultation und Percussion keine Erkrankung der Brustorgane nachweisen, und nur bei Bronchitis oder Lungen-Brustfellentzündung höheren Grades treten die bekannten Erscheinungen in den Vorder- grund.
Einzeln treten im Beginne oder weiterem Ver- lauf der Krankheit Koliksymptome auf; in anderen Fällen wird Tenesmus beopachtet. Die Fäcal- massen sind zuweilen hart, klein geballt, mit einer schleimigen Masse überzogen und mit Blut⸗ tüpfehen besetzt, oder es stellt sich ziemlich wässeriger Durchfall ein. In einem Falle führte sogar eine heftig auftretende Darmentzündung zum Tode.
PThiermedicinische Rundschau ete.
Den diesbezüglichen Sectionsbefund, welcher
mir vorliegt, gestatte ich mir unter Weglassung des weniger wichtigen Inbalts wörtlich mitzu- theilen:
Die Gefässe der Unterhaut sind mit schwarz-
rothem Blute gefüllt. Lage der Eingeweide normal. Sämmtliche Darmabschnitte sind durch Gase
ziemlich stark aufgetrieben.
Das Bauchfell ist theilweise diffus geröthet, glanzlos und zeigt Blutunterlaufungen bis zur Grösse eines Zehnpfennigstückes. Die kleineren Gefässverzweigungen treten deutlich hervor, die grösseren enthalten schwarzes flüssiges Blut. Der Dickdarm ist mit grünlich gelben Futtermassen
wenig gefüllt, seine Schleimhaut ist diffus ge-
röthet und leicht geschwollen. Der Dünndarm ist von Gasen aufgetrieben und enthält gelblich füssige Futtermassen in geringer Menge; seine Schleimhaut ist geschwollen, roth bis schwarz- roth gefärbt. Die schwarzrothen Stellen haben einen dünnen gelblichen Belag, der sich leicht entfernen lässt. Die Peyer'schen Haufen sind ge- schwollen und treten deutlich hervor.
Die Milz ist stahlblau und auf der Schnitt-
fäche blutreich. Balkengewebe deutlich erkennbar.
Leber von pbraunrothem Anschen. Der rechte Lappen ist auf der Schnittfläche braunroth; der linke fühlt sich weich an und ist auf der Schnitt- fäche, über welche sich eine grosse Menge schwarzrothes flüssiges Blut ergiesst, gelblich braun gefärbt. Das Gewebe der Leber ist mürbe und stark brüchig.
6 39 Nierenkapsel leicht abzichbar. Nieren von normaler Farbe und Consistenz. An der vor-
deren Gekrösarterie und ihren Verzweigungen, und an den Organen der Beckenhöhle ist nichts Abnormes nachzuweisen.
Das Rippenfell der linken Seite zeigt diffuse, theilweise punktförmige Röthung, ist getrübt und undurchsichtig. Besonders auffallend tritt dieses am unteren Drittheil hervor.
Blutunterlaufungen bis zur Grösse eines Zehn- pfennigstũcks lassen sich sowohl unter dem Pleura- überzuge der linken Rippenwand, als auch unter demjenigen der linken Lunge erkennen.
Rechterseits ist das Brustfell blassroth gefärbt, überall glatt, glänzend und durchsichtig.
Die Lungen füllen den Brustkasten vollständig aus und bedecken den Herzbeutel zum grössten Theil; die rechte ist schwarzroth, die linke rosa- roth gefärbt. Beide Lungen sind lufthaltig und knistern beim Durchscheiden. Ueber die Schnitt- fläche fliesst schwarzes schaumiges Blut.
Die Schleimhaut der Luftröhre ist geschwollen und theilweise dunkel- bis schwarzroth gefärbt.
Das Herz ist schlaff und welk, die Musculatur mürbe. Das Endocardium ist geröthet und zeigt Blutunterlaufungen bis zur Grösse einer Bohne. Beide Herzhälften sind mit theerartigem Blute gefüllt. An dem Klappenapparate sind keine Ver- änderungen nachweisbar.
In Rücksicht darauf, dass die mir gewährten 20 Minuten bereits verstrichen sind, bitte ich nur noch einige Worte hinzufügen zu dürfen.
Die Krankheit verläuft zuweilen ohne nach- weisbare Organerkrankungen nur unter Fieber- erscheinungen. In anderen Fällen kommt es zu mehr oder weniger hochgradigen entzündiichen Processen in der Schleimhaut des Kehlkopfes und der Luftröhre, welche sich auf die Bronchial- schleimhaut fortsetzen können. Nicht selten be- steht aber auch eine Bronchitis, ohne dass die Kehlkopfschleimhaut in Mitleidenschaft gezogen ist.
Zuweilen, wenn ungünstige Umstände mit⸗ wirken, kommt es zu einer Lungen-Brustfellent- zündung oder zu Erkrankungen des Darmkanals.
Es scheint mir hiernach die vom Collegen Zorn gewählte Bezeichnung„seuchenartig auf- tretender acuter Kehlkopf-Luftröhrencatarrh beim Pferde“ nicht ausreichend und wäre eine mehr zutreffende Benennung erwünscht.
Ebensowenig wie es Z. nicht möglich war, die von Professor Schütz als die Ursache der Brustseuche nachgewiesenen Mikroorganismen auf- zufinden, ist mir dieser Nachweis trotz zahlreich angestellter Untersuchungen gelungen.
Meine Un ersuchungen haben sich nicht auf
den Gebrauch des Mikroskops beschränkt, son-
dern sind durch vielfache Impf- und Qulturver-
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