1. November.

Thiermedicinische Rundschau ete.

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dass die Bacterien durch andere Finflüsse ge- schwächt sind, ehe die Phagocyten im Stande sind, dieselben in sich aufzunehmen und zu ver- dauen.

In einer neueren Arbeit Metschnikoff's YVirchow's Archiv 109, Bd. 1887, S. 176) ver- öffentlicht der genannte Autor eine besondere Arbeit über den Phagocytenkampf beim Rück- fallstyphus. Für seinen Versuch brauchte er Affen, weil andere Thiere vollständig immun gegen Recurrens sind. Im Ganzen machte M. zehn Versuche, wobei spirillenhaltiges Blut ein- geimpft wurde. Vier Affen wurden zum Zweck der Untersuchung getödtet. Die Incubations- periode erstreckte sich in der Regel auf drei Tage. Der erste Anfall dauerte dann von 36 Stunden bis 4 Tage, dagegen war der zweite Anfall stets von wesentlich geringerer Dauer, oft nur einige Stunden. Daraus ergiebt sich, dass zwar ein einmaliger Recurrensanfall noch keine Immunität schafft, die Pisposition aber doch be- trächtlich herabsetzt.

Bei dem ersten Affen, der bald nach Con- statirung der Spirillen im Blute durch Chloroform getödtet wurde, fand sich weder die Milz ver- grössert, noch Spirillen in deren Substanz; die Spirillen waren in grosser Zahl frei im Blute. Bei dem zweiten Affen, getödtet bei innerer Körper- temperatur von 41,2 und bei Anwesenheit grosser Mengen Spirillen im Blute, war die Milz noch gering mit Spirillen bevölkert. In den Leuko- cyten waren sehr wenige zu erkennen.

Beim

dritten Affen, getödtet als keine Spirillen mehr

im Blute nachzuweisen waren, fanden sich die Spirillen ausschliesslich in der Milz vor. Ein Theil derselben lag im Protoplasma der Leukocyten(mit gelapptem Kerne) eingeschlossen, ein anderer befand sich frei zwischen den zel- ligen Elementen. Die eingeschlossenen Spirillen waren in allen möglichen Gestalten zusammen- gelagert und erschienen in Form von Ringen oder Schleifen, Schlangen u. s. w. Es liess sich an ihnen keine Structuränderung, Sporenbildung und dergl. wahrnehmen; nur die Färbbarkeit war verschieden, indem in der nämlichen Zelle neben stark tingirten auch viel blassere vorkamen. In Leber, Knochenmark, Lymphdrüsen waren absolut keine Spirillen aufzufinden.

Zur Controle wurde schliesslich ein weiterer Affe in dem Zeitpunkt getödtet, als die Tempe- ratur nach vollständig beendetem Anfall eben die Norm wieder erreicht hatte. Im Blute fanden sich auch jetzt keine Spirillen mehr, wohl aber war die Milz ausserordentlich reich an Spirillen, freie Spirillen überhaupt sehr selten, vielmehr war der weitaus grösste Theil im Innern der gelapptkernigen Leukocyten

enthalten. Die ganze Mil? war dabei ver- grössert. Die gefärbten Präparate aus den verschiedensten übrigen Organen zeigten üperall die gänzliche Abwesenheit von Spirillen. Um zu beweisen, dass die in der Milz vor- gefundenen, aus dem ersten Stadium der Apyrexie stammenden Spirillen noch infeetionstüchtig seien, impfte Verf. mit der zerriebenen Milzpulpa ein anderes Thier, welches in der That an typischer Recurrenz erkrankte. Dieses Resultat ist um so wichtiger, als das Blut im Stadium der Apyrexie bekanntlich keine Infectionskraft mehr pesitzt. (Schluss folgt.)

Mittheilungen aus Vereinen und Versammlungen.

Auszug aus dem offiziellen Bericht über die XXVI. Generalversammlung des thierärztlichen Ge- neralvereins für die Provinz Hannover am 27. Juni 1887 in Hannover.(Schluss.)

Kreisthierarzt Röttger. Meine Herren! Den Kampf gegen die Räude möchte man fast als eine Sisyphusarbeit

bezeichnen, weil er so ausserordentlich durch die Indolenz

der Schafbesitzer und Schäfer erschwert wird. In den Wirthschaften, wo ein tüchtiger Wirth oder Schäfer ist, findet man fast keine Räude, während in den Wirthschaften wo nicht aufgepasst, fast alhjährlich Räude constatirt wird; durch die seit Jahren ausgeführten Revisionen kennt man schon die betreffenden Gehöfte. Jedem tüchtigen und aufmerksamen Schafbesitzer oder Schäfer ist es möglich, durch Schmierkur die Räude in seiner Heerde zu tilgen. Diese Ansicht habe ich schon im Jahre 1883 gemeinschaftlich mit dem Collegen Dette ver- treten, wo mehrere Collegen, die allerdings heute bekehrt sind, solches für unmöglich hielten und nur allein Heil von den Badekuren erwarteten. Nur das Schmieren mit grauer Quecksilbersalbe müsste verboten werden, weil ich glaube, dass der Genuss des Fleisches solcher Schafe für Menschen unter Umständen schädlich sein kann. Denn wie oft kommt es vor, dass mit Quecksilbersalbe auf grossen Hautfiächen geschmierte Schafe an Hepatisation der Lungen zu Grunde gehen, oder längere Zeit kränkeln und zeitlebens einen Husten behalten. Die Räude kann durch Schmier- kur mit anderen nicht gefährlichen Mitteln getilgt werden. Man muss aber auch anerkennen die Wahrheit liegt wieder in der Mitte dass den Badekuren nicht jeglicher Erfolg abzusprechen ist; die Bäder und Desinfectionen werden nur zu schlecht gemacht, sie werden von den Schaf besitzern nur ausgeführt um den amtlichen Verfügungen genügt zu haben. Dann möchte ich noch auf etwas auf- merksam machen, was ich nach meinen Erfahrungen für sehr wichtig bei den Badekuren halte. Die Schafe müssen nach der Badekur einen Tag oder eine Nacht im Stalle bleiben, weil draussen auf der Weide durch Wind, Sonne oder Regen die Badeflüssigkeit zu rasch verloren geht und in Folge dessen nicht nachhaltig und lange genug mit der Haut in Berührung bleibt.

Soll der Kampf gegen die Räude fortgesetzt und end- lich siegreich zu Ende geführt werden, so muss nach meiner Ansicht folgendes Verfahren angewandt werden: Im Früh- jahre ist eine thierärztliche Revision der Schafheerden vor- zunehmen, dort wo Räude gefunden wird und solche nicht angemeldet war, werden die Schafbesitzer streng bestraft, die betreffenden polizeilichen Massregeln werden für die Heerde angeordnet und stricte durchgeführt, die Gensdarmen