1. November.

Thiermedicinische Rundschau etec.

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Die Muskulatur. selbst der geschlachteten Thiere, gleicht der eines gesunden Thieres. Die Wahr- scheinlichkeits-Diagnose der Bleivergiftung lässt sich bei der acuten Erkrankungsform viel eher stellen, als bei der chronischen, namentlich wenn Bleiwerke in der Nähe sind; sicher wird sie aber erst durch die chemische Analyse.

Die Vergiftungen des Schafes und des Geflügels beabsichtigt Redner später einmal zu besprechen.

Bei der Besprechung des Vortrages erinnert Prof. Kaiser-Hannover an die vor zwei Jahren im Inundationsgebiete der Innerste beobachteten Bleivergiftungen, die Kreisthierarzt Ernst in Hildesheim peschrieben hat. Es bestehen dort zahlreiche Mennigefabriken. Gelegentlich eines Gewitterregens sei der sonst kleine Fluss aus seinen Ufern getreten und habe die benachbarten Felder unter Wasser gesetzt. Bei den diese Felder beweidenden Thieren sei dann die Beobach- tung gemacht, dass auf den mit kohlensaurem Kalk gedüngten Aeckern keine Vergiftung vor- gekommen sei.

Weiter fragt Prof. Kaiser an, ob auch Milch, Speichel und Urin der erkrankten Thiere unter- sucht seien, was vom Vortragenden verneint wird. Kreisthierarzt Frick-Rawitsch theilt mit, dass er die Bleivergiftungen auch im Spätherbst pe- obachtet habe, wenn gelegentlich von Ueber- schwemmungen die Stoppelfelder überschwemmt worden seien. Prof. Pütz-Halle theilt mit, dass er acute Bleivergiftungen gesehen, wo chemisch das Blei nicht mehr nachgewiesen werden konnte bei Section der Thiere, obwohl klinisch Bleivergiftung in Folge Beleckens der mit Mennige angestrichenen Wände anzunehmen gewesen war. Dr. Schmidt bemerkt, dass bei chronisch verlaufenden Bleivergiftungen thatsäch- lich das Blei allmählich eliminirt werde, wie er durch veranlasste chemische Untersuchungen nach- weisen konnte. Eber-Berlin weist auf die Be- deutung der zur Untersuchung verwendeten Organe hin. Es sei wichtig, Magen- und Parminhalt der Untersuchung zu unterwerfen.

Die Besprechung wird damit geschlossen und Herrn Thierarzt Bper-Berlin das Wort ertheilt zu seinem Vortrage

über ein neues Physostigminderivat und seine pharmakologische Bedeutung.

Gigenbericht des Herrn Vortragenden). Vortr. weist auf seinen in der Pharmaceut. Zeitung¹)

der Böhringer'schen Faprik

von Rüben

veröffentlichten Aufsat? hin. demonstrirt und präcisirt kurz die Entstehung und Charakteristik der von ihm dargestellten Zersetzungsprodukte des Physostigmins: Rubrescin, Physostigminblau,

¹) 1. e. Pharmaceut. Zeitung 1888, No. 65.

die füchtige Base, das inactive Physostigmin. Letzteres wird durch Reduktion mit Traubenzucker erhalten. Der Name inact. Physostigmin ist ein Sammelname. Das Reduktionsprodukt enthält mindestens zwei Körper, von denen einer die Fähigkeit besitzt, aus Jodsäure grosse Mengen Jod abzuspalten. Dieser letztere wird aus Physo- stigmin durch ein Reihe anderer Einwirkungen. z. B. Schwoflige Säure ete. epenfalls erhalten, ist von der Firma Böhringer& Söhne vor längerer Zeit bereits als Nebenprodukt aus den Calabar- bohnen gewonnen und mit dem Namen Eseridin belegt. Inactives Physostigmin ist daher das Traubenzuckerreduktionsprodukt minus Eseridin.

Pas Fseridin ist von dem Vortr. pharmaco- logisch untersucht. Das vorzügliche Präparat ermöglichte eine schnelle Vollendung auch seiner chemischen Ar- beiten.

Die eigenthümliche Wirkung des Eseridins auf die verschiedenen Thierklassen lässt seine therapeutische Verwendung in der Thierheilkunde als wahrscheinlich erscheinen.

Der Preis des Eseridinum purum peträgt zur Zeit 7 Mk. pr. Gramm, wird aber voraussichtlich bald sinken, da Vortr. angiebt, ein Verfahren zu besit?en, welches eine ziemlich ergiebige Ausbeute durch Umwandlung des Physostigmins in Eseridin verspricht.

Chemischer Theil. Eseridinum purum. Ci5 Haz Nz Oz. Luftbeständige, durchsichtige, farblose und

spröde Tetraöder ohne Kristallwasser. Dieselben lösen sich nur wenig in Wasser und bläuen pe- feuchtet rothes Lackmuspapier nur sehr schwach. Bessere Lösungsmittel sind Chloroform, Alcohol, Aether, Benzol, Petroleumäther, Aceton.

Die Neigung zur Salzbildung ist sehr gering. Wässerige Lösungen des Fseridins werden durch Säurezusatz erhalten. Dieselben sind lichtbeständig und röthen sich durch Kochen nicht.

Die wässerigen, schwefelsauren Lösungen geben dieselben Fällungen mit den allgemeinen Alcaloidreagentien, wie die entsprechenden Physo- stigminsalze. Geringe Abweichungen in dem Verhalten der Physostigmin- und Eseridinnieder- schläge bestehen.

Charakteristisch ist die Abspaltung von freiem Jod aus Jodsäure(ein körniges Pulver), welche Physostigmin nicht zeigt. Hierdurch kann man Verunreinigungen der käuflichen Physostigmin- präparate leicht erkennen. Die ungleiche Wirkung von Physostigminpräparaten verschiedener Bezugs- quellen ist auf Verunreinigung zurückzuführen. Es empfiehlt sich, die Präparate vorher zu prüfen. Eine chemische Prüfung ist ausserordentlich leicht.

(Fortsetzung folgt.)