15. October.
PThiermedicinische Rundschau ete.
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Impft man ein Kaninchen in gewöhnlicher Weise mit Milzbrandbacillen, so ist von derartigen Erscheinungen nichts zu bemerken. Die Phago- cyten scheinen hier unfähig zum Auffressen der Milzbrandbacterien, das Thier erkrankt vielmehr und stirbt an Milzbrand. Es gelang dagegen M. ein Kaninchen durch abgeschwächten Milzbrandstoff immun zu machen, und bei diesem Thier zeigten sich dann die Erscheinungen in ähmlicher Weise wie bei den Kaltblütern. M. steht deshalb nicht an, demgemäss die Immunität als„Befähigung der Phagocyten zum Auffressen und Tödten der Milbrandbacillen“ zu definiren.
Diese Untersuchungen wurden in Deutschland von verschiedenen Seiten in ungünstiger Weise kritisirt, ohne Wesentliches gegen die Angaben M.'s einwenden zu hönnen. Durch Zufall kam Verf. weiter auf das Studium des Erysipels für seine Frage.„Sollten die Phagocyten hier beim Heilprocesse betheiligt sein, wie es die Lehre fordert, so muss sich ihre therapeutische Thätig- keit durch irgend etwas Anschauliches offenbaren; im entgegengesetzten Falle würde uns das Erysipel eine Krankheit aufweisen, wo die Heilung ohne Hilfe der Phagocyten durch andere Mittel er- reicht wird.“
Fehleisen, der Entdecker der Erysipelcoccen, unterscheidet drei Zonen des Bothlaufs.„Die peripherischste derselben zeigt makroskopisch noch keine Veränderung, bei mikroskopischer Unter- suchung findet man die Lymphräume erfüllt von lebhaft in Theilung begriffenen Mikrococcen. Daran schliesst sich eine zweite Zone, die dem mikro- skopisch wahrnehmbaren Rande der Röthung ent- spricht; sie ist charakterisirt durch den Beginn einer entzündlichen Reaction des Gewebes, in der Art, dass zwischen den Coccusvegetationen und ihrer nächsten Umgebung zahlreiche Wander- zellen auftreten, welche die Coecen zum Pheil in sich aufnehmen, dieselben mehr und mehr verdrängen. In der dritten Zone sind die Coccen vollständig verschwunden, man findet nur eine starke kleinzellige Infiltration, die entzündliche Reaction hat ihren Höhepunkt erreicht.“ Weiter sagt Fehleisen bei Beschreibung des Randes der entzündeten Bezirke:„Mitten in den Bacterien- gängen und um sie herum liegen die Wander- zellen: je grösser ihre Anhäufung wird, umsomehr verdecken sie die Bacterien. Fine grosse Anzahl von Ooccen dringt in die Zellen ein, einzelne Zellen sind wie mit denselben gespickt. Die zwischen den Zellen liegenden Bacterien nehmen, je mehr der Process fortschreitet, desto mehr an Zahl ab und liegen dann nicht mehr in Ketten, sondern schliesslich nur noch ganz vereinzelt zwischen den stark gekörnten Zellen des entzünd- lichen Infiltrats.“
Aus diesen wörtlichen Angaben von Fehl- eisen über das Bild des Rothlaufsprocesses geht die Uebereinstimmung mit den Forderungen der Phagocytenlehre hervor.„Das Wesen des Erysipels besteht darnach darin, dass in Folge einer Ver- mehrung der Streptococcen eine entzündliche Reaction gegen die Bacterien erfolgt, wobei die ausgewanderten Leukocyten die Eindringlinge auf- fressen und schliesslich zum Verschwinden bringen.“
Diese Untersuchungsergebnisse hat nun M. einer Nachprüfung unterzogen an 7 zum Theil tödtlichen, zum Pheil mit Genesung endigenden Fällen von Frysipelas. Die Untersuchung von zwei tödtlich abgelaufenen Erysipelen, welche stark heruntergekommene Individuen petrafen, ergab als allgemeines Ergebniss eine massenhafte Anhäufung von Erysipelcoecen in der Cutis und im Unterbautgewebe, wobei die Bacterien zum grossen Theil in Lymphräumen und stets frei, d. h. nicht im Innern von Zellen vorhanden waren. Einen wesentlichen Unterschied da- gegen zeigten Präparate, welche von Erysipelas- fällen mit Ausgang in Heilung angefertigt wurden. Hier ist die entzündliche Infiltration im Ganzen viel bedeutender und zeichnen sich die dabei auftretenden Leukocyten durch häufigen Einschluss von Erysipelascoceen aus.“ Mit aller wünschenswerthen Klarheit war M. im Stande, das Eingeschlossensein der Coccen in Leukocyten als eine regelmässige und häufige Erscheinung bei Untersuchung nicht nekrotisirter Hautstücke zu constatiren. Die Aufnahme der eingedrungenen Coccen durch die Leukocyten zeigte vollständig parallelen Gang mit der Stärke der Reaction und mit der Genesung des angegriffenen Haut- bezirks. Die Beobachtungen des Verf. stimmen demnach mit den Angaben Fehleisen's überein.
Neben den Leukocyten zeigen auch die fixen Elemente des Bindegewebes durch Theilungsvor- gänge eine grosse Thätigkeit beim Erysipel. Diese, gegenüber den leicht durch Methylenblau färb- baren kleinen Leukocyten und schwach zu färben- den grösseren Zellen, möchte M. Makrophagen nennen, jene Mikrophagen. Nach M. sind die Makrophagen nur im Stande die abgeschwächten oder abgestorbenen Streptocoecen zu resorbiren, dagegen sind sie nicht im Stande die lebenden
zu fressen, wie es die Mikrophagen thun. (Fortsetzung folgt.)
Mittheilungen aus Vereinen und Versammlungen.
— Auszug aus dem offiziellen Bericht über die XXVI. Generalversammlung des thierärztlichen Ge- neralvereins für die Provinz Hannover am 27. Juni 1887 in Hannover.(Fortsetzung.)
Von Herrn Hofthierarzt Lies-Braunschweig wurde nun eine„Besprechung über die Tilgung der Schaf-


