18 Thiermedicinische Rundschau etc.
1888. No. 2.
wurden, während 264 ungeimpft als Controlthiere verblieben.
Nachtheile örtlicher oder allgemeiner Natur hat die Impfung nicht herbeigeführt.
Es fielen von 485 geimpften Thieren 2 Stück und von 264 ungeimpften 3 Stück an Rausch- brand. Diagnose wurde durch Obduetion und microscopische Untersuchung festgestellit.
Das Verhältniss hat sich ungefähr wie 113 herausgestellt, wird aber durch folgenden Um- stand noch wesentlich günstiger. In ihrem Werke über Rauschbrand sagen Arloing, Cornevin und Thomas, dass, ebenso wie junge Thiere, so lange sie noch mit Milch ernährt werden, für Rausch- brand nicht empfänglich sind, auch die Impfung bei solchen Thieren keine Immunität herbeiführe. Diesen Satz haben die genannten Forscher auch durch eine Reihe von Experimenten bewiesen. Auch alle Impfärzte haben bis jetzt die Richtig- keit desselben bestätigt, so dass empfohlen wird, nicht unter 5 Monaten zu impfen.
Unter den 485 geimpften Thieren befanden sich 185 Thiere im Alter von 2— 3 Monaten, waren also nach obigem Satze der Schutzkraft der Impfung noch nicht zugänglich, so dass nur 300 mit Erfolg geimpfte Thiere bleiben, während die Zahl der nicht geimpften bez. ohne Aussicht auf Erfolg geimpften auf 449 steigt. Die beiden an Bauschbrand gefallenen Impflinge gehörten zu jenen 185 zu jungen Thieren.
Es sind sonach von 300 geimpften O Stück und von 449 nicht geimpften 5 Stück an Rausch- brand gefallen.
Ausser diesen 5 Fällen sind noch ca. 50 Fälle von Rauschbrand innerhalb des Impfbezirks zur Anzeige gelangt, von solchen Thieren, die dem Versuche nicht unterstanden. Hiervon betreffen 20 Fälle solche Weiden, welche von Versuchs- thieren gleichzeitig mitbenutzt wurden.
Im Frühjahr 1888 ordnete der Herr Minister die Fortsetzung des Versuches unter denselben Bedingungen an, und wurden 1083 Stück zur Verfügung gestellt, von welchen 646 geimpft wurden, und 437 als Controlthiere ungeimpft pblieben.
Hierbei sind 3 Impfzufälle vorgekommen und zwar bei einem Thier ein ungefähr wallnuss- grosser Apscess und bei zwei Thieren Verlust eines kleinen Schweifstückes unterhalb der Impf- stelle. Bei einem hatte der Besitzer die Ent-
fernung der Ligatur unterlassen.
Von den geimpften Thieren war bis zum Tage des Vortrages noch keines an Rauschbrand ge- fallen; von ungeimpften waren 4 Fälle zur Anzeige gelangt.
Ref. glaubte aus dem bisherigen Verlaufe des Versuches die Sätze aufstellen zu können:
1. Die Schutzimpfung gegen Rauschbrand ist für den Impfling nicht nachtheilig.
2. Die Impfung vor dem 5. Monat ist als zwecklos nicht zu empfehlen.
3. Wenn auch das Material vorläufig noch nicht ausreicht, um positive Schlüsse über die Wirksamkeit der Impfung daraus zu zichen, so sprechen die bisherigen Resultate doch entschieden zu Gunsten derselben.
Nach kurzer Besprechung des Vortrages, wurden die Verhandlungen geschlossen und als Vorsitzender für die dritte Sitzung, welche Donnerstag stattfinden sollte, Prof. Dr. Pütz- Halle gewählt.(Fortsetzung folgt.)
Pathologische Anatomie und Pathogenese.
Die Phagocyten-Theorie. Von Metschnikoff in Odessa. Referat nach Münch. med. Wochenschrift 1887 und 1888.)
Metschnikoff hatte bereits vor einigen Jahren eine Lehre zu begründen versucht. welche in die dunkelsten und wichtigsten Fragen beim Infections- process ein gan?z neues Licht zu bringen bestimmt sein sollte. Die Theorie seiner Lehre bestand darin, dass bei der Heilung der Infectionskrank- heiten nicht nur chemisch- physiologische Ver- änderungen im Substrat, d. h. im lebenden Ge- webe, es sind, welche den Untergang der ein- gedrungenen Infectionserreger, der Bacterien, bedingen, sondern dass ganz allgemein der Hei- lungsvorgang durch die Thätigkeit gewisser, mit amöpoider Bewegung begabter Zellen des Körpers pedingt ist, die M.„Phagocyten“, Fresszellen, nennt, welche die Bacterien in ihr Inneres auf- nehmen und in ihrem Inneren denselben den Untergang zu bereiten vermögen. Diese Phago- cyten sind theils, aber nicht immer, Leukoeyten, d. h. weisse Blutkörperchen, theils aber Zellen, die von fixen Elementen, von Epithelien oder von Bindegewebszelllen abstammen. Die Infection wäre demnach in viel höherem Grade, als man sich das bisher dachte, ein directer Kampf von Zellen gegen Zellen.
M. gelangte zu diesen hochwichtigen An- schauungen auf Grund vergleichend physiologischer Studien. Sowohl an wirbellosen wie an Wirbel- thieren hat Verf. seine eingehenden Versuche an- gestellt. Im Jahre 1884 veröffentlichte er eine Arbeit in Virchow's Archiv, wo u. A. nachge- wiesen wurde, dass bald, nachdem man Milz- stückehen milzbrandkranker Thiere unter die Haut von Fröschen gebracht hat, amöboide Zellen in der Nähe derselben sich sammeln, und einige Zeit mit Milzbrandpacillen peladen sind. Nach einiger Zeit tritt dann Zerstörung und Auflösung der Milzbrandbacillen im Innern der Zellen ein.


