1. Oetober.

PThiermedieinische Rundschau etc.

fältigster Behandlung eine chronische Vorhautverengung aus, die nur auf operativem Wege zu heilen ist. Ich habe deshalb schon seit Jahren die Praxis befolgt, in allen Fällen eine Spaltung der Vorhaut vorzunehmen. Um die Verwachsung zu verhüten, umnähe ich die Wundränder. Ich halte dieses Verfahren, gestützt auf viel Erfahrung, für das rationellste, einfachste, billigste.

Bei der am Schlusse des Vortrages eintretenden Be- sprechung bemerkte zunächst Prof. Dr. Kaiser: Meine Herren! Auch ich habe eine grössere Anzahl derartig erkrankter Ochsen behandelt und kann mich bezüglich des Modus der beschriebenen Operation den Ausführungen des Herrn Vorredners nur anschliessen. Ich möchte nur be- merken, dass mir das Niederlegen der Ochsen keine be- sonderen Schwierigkeiten bereitet hat, man darf nur nicht gar zu hitzig dabei zu Werke gehen. Wenn wan das Thier langsam niederzieht, so ist ein Blasensprung so leicht nicht zu befürchten. Ueberhaupt möchte ich, und namentlich die weniger erfahrenen Herren Collegen bitten, bei der Ausführung des ganzen Operationsverfahrens nicht zu eilig zu sein. Sind alle Vorbereitungen zur Operation getroffen, der Sitz des Steines vielleicht auch festgestellt, dann schneide man mit einem möglichst kräftigen Schnitt auf die Harnröhre ein; hat man die Oeffnung derselben erzielt, dann beeile man sich aber nicht, nun vor allem anderen etwa erst den Stein zu beseitigen, der Stein läuft nicht weg, wohl aber ziehen sich die Wundränder der Harnröhrenschleimheit oft recht weit zurück und ver- kriechen sich sehr leicht derart unter das benachbarte Gewebe, dass dieselben nachher, wenn man nach Besei- tigung des Steines die Harnröhrenwunde durch Hefte ver- schliessen will, oftmals nur sehr schwierig wieder herbei- geholt, eventuell bei diesen Bemühungen sehr leicht lädirt werden können. Nachdem ich solche unangenehme Erfahrungen mehrfach gemacht hatte, habe ich später niemals versäumt und halte es auch für dringend noth- wendig, nach Eröffnung der Harnröhre zunächst die beider- seitigen Wundlippen derselben je durch ein eingezogenes Heft zu fixiren. Einmal legt man durch das Anziehen dieser Hefte den Zugang zur Harnröhre freier, kann des- halb eine Steinzange leichter und schneller einführen, und namentlich gelingt es hierdurch viel leichter, schneller und besser, nach Beseitigung des Steines oder der steinigen Coneremente die Harnröhrenwunde durch Hefte wieder zu vereinigen; Harninfiltrationen können dann so leicht nicht vorkommen. Was das Verfahren bei der Reinigung des sog. Raumschlauches der Ochsen betrifft, so kann dasselbe nach meiner recht reichlichen Erfahrung im Stehen der Thiere oft recht gut, sicherer und besser aber im Liegen der Thiere ausgeführt werden. Soll es im Stehen ge- schehen, dann kann man sich vor dem Schlagen der Thiere dadurch schützen, dass man eine Stange quer vor den beiden Hinterschenkeln etwa in der Höhe der Patella an- bringt; sehr zweckmässig stellt man den Ochsen auch quer vor einen Wagen, so dass die Wagendeichsel dem Thiere unter dem Bauche, dicht vor den Hinterschenkeln hergeht und dadurch das Schlagen nach vorn behindert.

Das Radikalverfahren aber besteht, wie der College Esser sehr richtig hervorgehoben hat, darin, dass man den Ochsen niederlegt, das Praeputium mit dem Bistouri aufspaltet, dann die fauligen Massen(Urinsedimente, Talg- drüsenschmiere, Gewebefetzen) aus dem Schlauche gründ- lich entfernt, alles gehörig abwäscht, nach Aufhören oder dem Nachlassen der anfänglich oft nicht unbedeutenden Blutung die Schnittflächen mit Alaun imprägnirt; hierdurch wird eine vielleicht vorhandene Neigung zum Verwachsen derselben unterdrückt, auch eine genügend grosse Praepu- tialõ ffnung für die Zukunft beschafft.

Hofthierarzt Lies- Braunschweig. Herr Professor Dr. Esser sprach von dem Spalten des Praeputiums; mir ist nicht klar, wie dabei eine Heilung möglich ist, ohne

Phimosis zu erzeugen. Professor Dr. Esser erwiderte: Ich habe in meinem Vortrage bemerkt, dass ich nach der Spaltung des Praeputiums eine Vereinigung der Wund- ränder dadurch zu verhindern suchte, dass ich jeden Wundrand einzeln vernähte. Bei der Behandlung des Schlauches mit Medicamenten, die, wie schon erwähnt, sehr schwierig ist, kann doch leicht eine Verengung eintreten. Mir sind Fälle bekannt, wo nach wochen- oder monatelanger Behandlung die Oeffnung so enge geworden war, dass man nicht einmal mit einem Bleistift hinein- kommen konnte. Gerade diese Prfahrungen haben mich veranlasst, stets eine Spaltung vorzunehmen; man erzeugt dadurch keine Phimosis, sondern man verhindert die Aus- bildung einer solchen.

Auf eine Anfrage des Herrn Hoſthierarztes Lies, an welcher Stelle Herr Professor Kaiser die Harnsteine ge- funden habe und von welcher Grösse dieselben gewesen seien, erwiderte der Letztere, dass die Steine an verschie- denen Stellen sitzen und auch von verschiedener Grösse sein könnten, er und auch andere Thierärzte hätten die S-förmige Krümmung der Harnröhre vorzugsweise häufig occupirt gefunden.

Professor Dr. Esser. Der grösste von mir gefundene Stein war etwa wie eine Haselnuss. Ich habe aber auch Steine von der Grösse einer Erbse gefunden; dieselben waren gewöhnlich warzig und deshalb ausserordentlich schwer zu entfernen.

Departementsthierarzt Haarstrick: Nach den Be- merkungen des Herrn Vorredners hat es den Anschein, als ob die Harnsteine leicht zu finden wären. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie nicht leicht gefunden werden und mich deshalb in den meisten Fällen darauf beschränkt, den Schnitt zu machen, ein Drainrohr einzu- führen, die Wunde aseptisch zu behandeln und sich dann selbst zu überlassen. Dieses ist auch immer gut gegangen. Ich habe öfter den Schnitt am Praeputium gemacht; mir ist der Blasensprung häufig vorgekommen.

Hofthierarzt Lies. Ich möchte in Bezug auf die Phimosis noch bemerken, dass dieselbe im Braunschweig- schen wie die Pest gefürchtet wird, und noch kurz der in der Harnröhre bei Pferden vorkommenden Steine erwähnen. Bei Pferden ist die Gefahr der Harninfiltration dadurch zu vermeiden, dass man die Harnröhre nicht von unten, sondern von oben einschneidet. Bei Pferden ist die Unter- suchung, ob eine Verstopfung der Harnröhre durch Harn- steine vorliegt, sehr leicht, man kann das schon äusserlich schen. Ich habe vor 8 Jahren bei einem Pferde den Harnröhrenschnitt gemacht, welches heute noch lebt.

Die Besprechung wird nun geschlossen und der Vor- sitzende spricht im Namen der Versammlung Herrn Prof. Esser Dank aus für den interessanten Vortrag.

(Fortsetzung folgt)

Kleine Mittheilungen.

Mittel zur Abhülfe der durch die Dasselfliege (Oestrus bovis) verursachten Schäden. Nachstehende Verfügung des Herrn Ministers für die Landwirthschaft, Domänen und Forsten ist den landwirthschaftlichen Central- vereinen zugegangen:

Der Börsenverein der Häute-, Fell- und Lederbranche für Rheinland und Westfalen und der Verein der nieder- rheinischen Lederindustrie haben auf die Schäden auf- merksam gemacht, welche die Häute des Rindviehs durch die Stiche der Dasselfliege(Biesfliege oder Rinderbremse Oestrus bovis) erleiden und mich ersucht, ihre auf die Bekämpfung des Insekts gerichteten Bestrebungen zu unter- stützen. Dass die Schäden für die Lederindustrie erheblich sind, ist von der Militärverwaltung im allgemeinen bestätigt worden. Aber auch die Landwirthe erfahren durch das 2