Thiermedieinische Rundschau etc.

1888. No. 1.

an ihrer Basis mwit einer Scheere abgeschnitten. Die Blutung kann man sich selbst überlassen. Heilung mit restitutio ad integrum erfolgt in 8 14 Tagen. Eingetretenes Entropium ist durch besondere Operation zu heilen. Die Diagnose der Follicularconjunctivitis ist nach Freilegung der Innenfläche der Nickhaut nicht schwierig. Bei der Häufigkeit dieser Augenkrankheit bei Bunden sollte jene Untersuchung nie unterlassen werden. Nach Verf leiden 40 Proc. aller Hunde unerkannt an dieser Krankheit. Luxushunde werden am meisten von der Krankheit befallen.

In einem Nachtrage zu seiner Arbeit empfiehlt Verf. noch den Versuch der Anwendung von 1 Proz. Creolinlösungen. welche in der Menschen- heilkunde in jüngster Zeit von Purtscher mit Erfolg benutzt worden sind.

Thierproduction.

Regulirung des Geschlechtsverhältnisses bei den Pferden. Von Dising.(Landwirthschaftliche Jahr- bücher Bd. 17, 1888. Heft 2 und 3.)

Verf. suchte statistisch nachzuweisen, ob mit der Zahl der Sprünge eines Hengstes die Zahl der Hengstfohlen unter den durch diese Sprünge erzeugten Fohlen zunimmt, und ob diese Zunahme 8o gross ist, dass es sich verlohnt, sie praktisch auszunutzen, d. h. durch Beobachtung gewisser Umstände eine erhöhte Zahl von Hengsten zu erzielen. Verf. hat nun mit Unterstützung des preussischen Ministers für die Landwirthschaft die Frage durch Bearbeitung des in den Sprung- listen der Gestüte angesammelten Materiales fest- zustellen gesucht. Die Ergebnisse seiner Er- mittelungen werden in folgende Sätze zusawmen- gefasst:

1. Aus den Zusammenstellungen der Sprung- register von Celle, Graditz und Wickrath folgert der Autor, dass, von zwei kleineren Unregel- mässigkeiten abgesehen, stets das Geset? von der Zunahme der Hengstfohlen mit der der Sprünge des betreffenden Hengstes bestätigt werde.

2. Bezüglich der Grösse dieser Zunahme schliesst Düsing aus den angeführten Thatsachen weiter, dass, wenn man einer Anzahl Stuten grundsätzlich immer erst den zweiten und dritten, niemals aber den ersten Sprung der Hengste an jedem Tage gäbe, diese Stuten wenigstens 10 pis 12 Proc., wahrscheinlich aber einen noch grösse- ren Procentsat?z mehr Hengstfohlen werfen wür- den, als sonst der Fall sei.

Düsing hat seine Untersuchungen noch weiter ausgedehnt und zwar auf folgende Punkte, die eventuell für die praktische Ausnutzung der eben angeführten Resultate von Bedeutung sind:

a) Ueber das Güstbleiben der Stuten.

Auf Grund der Thatsachen folgert er, dass das Vorurtheil, als ob die Sprünge weniger be- fruchtungsfähig wären, wenn sie rasch auf ein- ander folgen, falsch sei und dass also kein auf Thatsachen beruhender Grund vorhanden, warum man nicht. wie er zur Erhöhung der Wahrschein- lichkeit einer Hengstgeburt empfohlen habe, den zweiten Sprung des Hengstes an jedem Tage der werthvolleren Stute geben solle.

b) Der Finfluss des Alters auf die Be- fruchtungsfähigkeit.

Düsing kommt zu dem Resultate, dass die vierjährigen Hengste ebenso gut und die alten Hengste fast ebenso gut befruchten, wie die von mittlerem Alter. Die Hauptursache des Güst- bleibens sei bei den Stuten zu suchen.

c) Die Sterblichkeit der männlichen Fohlen.

In den von ihm besuchten Gestüten waren unter den gestorbenen Fohlen 156 männliche und 100 weibliche; es sei deshalb als sicher zu betrachten, dass mehr männliche als weibliche Fohlen zu Grunde gingen.

Düsing hebt am Schlusse seiner Arbeit her- vor, dass die Stärke der Inanspruchnahme der Hengste nun allerdings keineswegs der einzige Factor sei, welcher das Geschlecht der Fohlen beeinflusse, sondern es käme eine grosse Menge von Einflüssen hin?u. Eine praktische Ausnutzung des konstatirten Factors sei aber dennoch mög- lich. Wolle man nämlich z. B. in der Vollblut- zucht eine grössere Zahl von Hengstfohlen er- zielen, so hätte man an jedem Tage den ersten Sprung der Hengste einer Halbblut- oder Acker- stute oder überhaupt einer weniger werthvollen Stute zu geben.

Mittheilungen aus Vereinen und Versammlungen.

Auszug aus dem offiziellen Bericht über die XXVI. Generalversammlung des thierärztlichen Ge- neralvereins für die Provinz Hannover am 27. Juni 1887 in Hannover. Die Versammlung wurde von dem Präsidenten, Herrn Professor Dr. Rabe, mit folgenden Worten eröffnet:

Meine Herren! Mit herzlichem Willkommensgrusse an alle Theilnehmer erkläre ich die XXVI. ordentliche Gene- ralversammlung des thierärztlichen Vereins für die Provinz Hannover für eröffnet. Seit wir zum letzten Male an dieser Stelle versammelt gewesen sind, hat sich die wichtigste und heilsamste Veränderung vollzogen, welche dem ge- sammten Veterinärwesen Preussens und Peutschlands jemals zu Theil werden konnte(Bravo!). Se. Majestät, unser

Alergnädigster Kaiser und Herr hat mittels Allerhöchster Kabinetsordre vom 20. Juni d. J. zu bestimmen geruht, dass die Thierarznei-Schulen zu Berlin und Hannover