1. October.

Thiermedicinische Rundschau etec.

schlechtes ermöglichen. Aber auch bezüglich der Erforschung jener Momente, welche einen be- stimmenden Einfluss auf die Entstehung des Ge- schlechtes üben, ist man zu keinem positiven unzweifelhaften Ergebniss gelangt. Es lässt sich nur als wahrscheinlich annehmen, dass es meh- rere geschlechtsbestimmende Ursachen giebt, die in ihrem Complexe zusammenwirken; ferner, dass nicht in dem FEi allein oder in dem Zoosperm allein, sondern durch die Wechselwirkung beider bei der Konception das Geschlecht bestimmt werde. In letzterer Beziehung scheint das relative und absolute Alter der Zeugenden von gewissem Ein- fluss auf die Geschlechtsbestimmung des Embryo zu sein, ebenso der geringere oder stärkere Grad der geschlechtlichen Beanspruchung des Erzeu- gers, weiter auch der Zeitpunkt, in welchem das Ei nach seiner Loslösung aus den Ovarien be- fruchtet wird. Es scheint als ziemlich sicher gestellt, dass, wenn der Mann mindestens um 10 Jahre älter ist als die Frau und diese sich in den Jahren der höchsten Reproductionskraft pefindet, mehr Knaben als Mädchen entstehen; dass ferner der zeugende Theil, welcher stärker geschlechtlich beansprucht worden ist, die Eigen- schaft besitzt, mehr Individuen des eigenen Ge- schlechtes zu erzeugen; dass endlich eine spät nach der Menstruation(mindestens 8 Tage) ein- tretende Begattung der Entstehung eines männ- lichen Kindes begünstigend sei. Von geringerer Wahrscheinlichkeit ist der Einfluss des Ernäh- rungszustandes nach dieser Richtung.

Augenheilkunde.

Ueber Conjunctivitis follicularis beim Hunde. Von Pröhner.(Archiv f. wissensch u. pract. Thierh. B

Die Conjunetivitis follieularis

Hunde in den verschiedensten Formen sehr

häufig vor. Die Conjunctivitis catarrhalis

oder simplex, welche primär durch Einwirkungen äusserer Schädlichkeiten entsteht und secundär

im Anschluss an Catarrhe der oberen Luftwege,

ist am häufigsten. Hyperämie, Schwellung der

Conjunctiva. vermehrte Absonderung eines serösen

oder serös-schleimigen Sekretes sind die Kenn-

zeichen. Die zweite Form ist die Conjunctivitis purulenta oder plennorhoica; am häufigsten be- obachtet bei Staupe, Infection der Conjunctiva mit eiterigen oder septischen Massen, in einzel- nen Fällen konnte Verf. die Uebertragung von

Trippersekret durch Frauen mit grösster Wahr-

scheinlichkeit nachweisen. Die blennorhoische

Conjunctivitis ist durch eine eiterige Infiltra-

tion und Schwellung der Schleimhaut mit reich-

kommt beim

lichem eiterigem Sekrete gekennzeichnet. Häufig treten Cornualgeschwüre hinzu. Weitere Formen sind noch die nach intensiven chemischen, ther- mischen, infectiösen traumatischen Entzündungs- reizen entstehende Conjunctivitis erouposa und diphtheritica und die sehr seltene, als Eczem der Conjunctiva aufzufassende Conjunetivi- tis phlyctaenulosa.

Die Conjunctivitis fo llieularis unterschei- det sich nun wesentlich von den genannten Er- krankungen durch den Sit? auf der Innenfläche der Nickhaut. Deshalb wird sie bei gewöhn- licher Augenuntersuchung häufig nicht erkannt und überschen. Zur Erkennung des Leidens ist nöthig, die Nickhaut mittels Hakenpincette her- vorzuziehen und umzuschlagen. Auf der ge- schwellten und höher gerötheten inneren Schleim- hautfläche der Nickhaut sicht man dann rundliche, etwa hirsekorngrosse, über die Schleimhautober- fläche deutlich prominirende Knötchen von dunkel- rother Farbe, welche häufig etwas durchscheinend sind. In höheren und schwereren Fällen finden sich auch auf der Conjunctiva palpebrarum meist reihenförmig angeordnete diaphane Knötchen, die mikroskopisch aus kugeliger Anhäufung lymphoider

Lellen bestehen; es sind geschwellte Lymph-

follikel. Der Verlauf ist meist chronisch. Im Verlaufe des Leidens kommt eine chronische catarrhalische Qonjunctivitis hinzu, an die sich später ein Eutropium spasticum anschliesst. Verf. konnte im Allgemeinen nachweisen, dass die überwiegende Mehrzahl der beim Hunde so häufig vorkommenden Entropiumfälle durch das Vor- handensein einer chronischen Follicularconjuneti- vitis der Nickhaut bedingt ist. Die Ursachen bestehen meist in Einwirkung staubiger reizender Luft, weshalb die Krankheit am häufigsten bei Stubenhunden beobachtet wird. Einen anstecken-

den Charakter hat die Krankheit nicht, wie Impfversuche des Verf. ergeben haben. Die Be-

handlung ist schwierig und langwierig. Im Anfangsstadium können noch desinficirende- sungen(2 Proc. Borsäure, ½ p. M. Sublimat, 2 p. M. Salicylsäure, 5 Proc. Chinin, 10 Proc. Chlorwasser) wirksam sein. Adstringirende Mittel beeinflussen das Primärleiden wenig oder gar nicht. Ebenso Cocainlösungen. Vereinigung von Reiz- und Aetzmitteln hat sich noch am wirk- samsten gezeigt. Bepinseln der Follikel mit kon- centrirten(10 Proc.) Höllenstein-Kupfervitriol- und Bleizuckerlösungen sowie Ueberfahren der Wucherungen mit dem Lapis- oder Kupferstift hatten manchmal Erfolg. Für höhere Grade des Leidens ist die operative Behandlung des- selben nach Erfahrungen des Verf. das einzig wirksame. Die Nickhaut wird dann mittelst Haken- pincette möglichst weit hervorgezogen und nun