15. September.
Thiermedicinische Rundschau ete.
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lich in Folge des weiteren Zusammenlebens mit ihren Eltern unter den ungünstigen hygienischen Verhältnissen der Grossstadt der Tuberculose ver- fallen wären.
Diese wichtigen Thatsachen zeigen mit Sicher-⸗
heit den Weg. den man bei der Prophylaxis der Tubereulose, bei Bekämpfung der Infection, der erblichen wie der erworbenen Disposition einzu- schlagen hat. Die Kinder tuberculöser Eltern sollen, wo die Verhältnisse es gestatten— was allerdings in der Mehrzahl der Fälle nicht mög- lich sein wird— aus der Umgebung der Eltern entfernt werden. Ja ich bezweifle nicht, dass bereits inficirte Kinder unter günstigen hygieni- schen Verhältnissen und namentlich wenn die fortwährende Re-Infection verhütet wird, in der angedenteten Weise vollständig geheilt werden, dass die verkästen Lymphdrüsen und Lungen- heerde Zeit und Gelegenheit haben, zu verkalken.
Meiner Meinung nach würde es sich verlohnen,
in unseren Gefängnissen, diesen Brutstätten der
Tuberculose, wo durchschnittlich 38— 60 Proc. der Mortalität auf Tuberculose zurüekzuführen ist, ein Experimentum crucis aufzustellen,
Infection oder die erworbene Disposition die Hauptrolle spielt. Man müsste zu diesem Zwecke ein Gefängniss wiederholt so gründlich reinigen und desinficiren, als ob daselbst die Pest oder die Pocken ausgebrochen wären, man müsste ferner jeden Fall von Tuberculose sowie alle ver- dächtigen Fälle sorgfältig isoliren oder noch besser evacuiren.— Sinkt oder verschwindet im Anschluss an solche Massregeln die Zabl der Tubereulosefälle, so wäre der Beweis geliefert, dass die Infection von Seiten der Phthisiker oder der inficirten Localität die Hauptrolle spielt, während die erwobene Dispo- sition weniger bedeutungsvoll erscheinen würde. Die Wichtigkeit der Sache würde die aufge- wendete Mühe und die Kosten reichlich belohnen!
Dass im Uebrigen die Gefängnisstuberculose auch durch einfachere Massregeln, durch ratio- nellere Ernährung der Gefangenen und nament- lich durch entsprechende Beschäftigung derselben im Freien, reichlichem Genuss der frischen Luft erfolgreich bekämpft werden könnte, bezweifle ich nicht im Geringsten. einem verwandten Gebiete nur noch ein Beispiel anführen: In der württembergischen Heil- und Pflegeanstalt Winnenthal ist die Sterblichkeit an Tuberculose von 19 Proc. der Gesammtmortalität (834— 1854) auf 12 Proc.(1875— 1883) ge- sunken— und zwar bedingt durch die successive Besserung der hygienischen Verhältnisse der Anstalt, freiere Bewegung und landwirthschaft- liche Beschäftigung der Kranken.
um die Frage definitiv zu entscheiden, ob in der Aetiologie der Gefängnisstuberculose die
Als Beleg will ich aus
Indem ich zum Schlusse Ihnen noch eine Karte über die geographische Verbreitung der Tuberculose in Mittel-Europa vorlege, möchte ich die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, Ihnen das Studium der Verbreitung dieser Krankheit an's Herz zu legen, das Verfolgen einzelner Fälle, die ja draussen auf dem flachen Lande, wo die Verhältnisse leichter zu übersehen sind, weit dankbarere Angriffspunkte bieten als in grossen Städten.
Nach verschiedenen Angaben hat es den An- schein, als ob die Tuberculose in den letzten Jahrzehnten zunehme ¹), eine Thatsache, die im Falle der Bestätigung wohl mit dem Steigen der Fabrikbevölkerung, der Zunahme der Staubgewerbe und sicher mit dem rapiden Wachsthum der grösseren Städte in innigem Zusammenhang steht.
Bestätigt sich diese Thatsache— und ver- schiedene Angaben lassen keine andere Deutung zu— so liegt darin eine ernste Aufforderung, der Tubereulose, diesem schlimmsten Feinde des Menschengeschlechtes energischer, als es bisher vielfach geschah, entgegenzutreten, eine Aufgabe, welcher sich der Staat— unterstützt von den Aerzten auf die Dauer kaum zu entziehen vermögen.
Ueber eine Bacterienkrankheit der Ente(Enten-
cholera). Von V. Cornil et Toupet.(Compt. rend.
Verfasser erhielten aus dem Akklimatisations- garten zu Paris Enten, die an einer epidemischen Krankheit zu Grunde gegangen waren. Sie hatten als Krankheitssymptome Durchfall, zunehmende Schwäche, Muskehzittern gezeigt und waren nach 2 bis 3 Tagen gestorben. Verfasser fanden im Herzblute, in der Leber, Milz, Knochenmark Bac- terien, die an den Enden abgerundet waren, sich leicht mit Anilinfarbe färben liessen und dann die 8ter Formen Pasteurs zeigten. Bei der Section der gestorbenen Thiere fanden sich Eechymosen am Pericardium, zuweilen Pericarditis, Hyperämie und fettige Degeneration der Leber. Die Parm- serosa war hyperämisch, zuweilen mit Ecchymosen besetzt. Das Peritonaeum war mit Bacillen über- säet, auch wenn es makroskopisch keine Ver- änderungen zeigte. Die Darmschleimhaut war
¹) Während vor 30 Jahren auf 100 Sectionen des Pathologischen Institus nur 18 mit Tuberculose, dagegen 27 mit Typhus behaftet gefunden wurden, ist im Verlaufe der letzten Jahre das Mortalitäts-Procent unseres Kranken- hausmaterials auf 33 Tuberculöse gestiegen, die Zahl der Typhustodesfälle auf kaum 4 Proc. herabgesunken. Wenn auch das Ansteigen der Schwindsuchtstodesfälle theilweise ein relatives ist, bedingt durch die enorme Abnahme einer früher dominirenden Seuche, so genügt doch diese Deutung allein nicht, um die Vermehrung der Schwindsuchtsfälle
zu erklären.


