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PThiermedicinische Rundschau etc.“
1888. No. 24.
stellen die Spontanheilung, wie sie selten bei Knochen- und Gelenktuberéulose, häufiger pei Tuberculose der Lymphdrüsen und der Lungen- spitzen constatirt werden kann und schon längere Zeit angenommen wird.
Wie häufig man in Leichen von Menschen, die nicht an Tuberculose sterben, ältere Verände- rungen in der Lungenspitze findet, die in Bezug auf tubereulösen Ursprung zum Mindesten ver- dächtig erscheinen, ist Ihnen Allen bekannt. Die Angaben über die Häufigkeit derartiger Spitzen- affectionen differiren allerdings; auf Grund einer doppelten zu verschiedenen Zeiten gewonnenen Beopachtungsreihe, die an dem Material des Patho- logischen Institus dahier angestellt wurde, kann man annehmen, dass hier pei ungefähr ½ aller erwachsenen Menschen, die nicht an Tuberculose zu Grunde gehen, tuberkelverdächtige Spitzen- affectionen verschiedenen Grades angetroffen werden, So dass die Angabe Baumgarten's, dass man in jeder 3.— 4. Leiche die Spuren latenter oder geheilter Tuberculose finde, als nahezu zutreffend pezeichnet werden kann.
Was das anatomische Verhalten dieser Spitzenaffectionen der Lunge betrifft, so lassen sich schon mit plossem Auge zwei Arten
unterscheiden, nämlich einmal flache subpleural
sich ausdehnende schieferige Schwielen, über denen die Pleura fast regelmässig entweder intact oder höchstens unregelmässig milchig getrübt erscheint, die ohne begleitende Adhäsiv-Pleuritis, ohne gleichzeitiges Vorkommen von käsigen oder käsig- kalkigen Pinlagerungen schon von vorne- herein als unerdächtig. als wahrscheinlich nicht tuberculösen Ursprungs erscheinen.
Diesen gegenüber steht eine andere Reihe
von Spitzenaffeetionen, die regelmässig charak-
terisirt sind durch entsprechende umschriebene Verwachsung der beiden Pleurablätter, durch mehr oder minder starke narbige Einzichungen,
höckerige Beschaffenheit der Lungenspitze; beim
Einschneiden finden sich als directe Fortsetzung der pleuralen Verdichtung die bekannten schie- ferig gefärbten oder grau schieferigen Schwielen und narpbigen Verdichtungen, die sich verschieden tief in das Lungengewebe einsenken und vielfach küsige oder käsigkalkige Heerde einschliessen.— Das angrenzende Lungengewebe verhält sich ziemlich normal oder zeigt in gewissen Fällen
als Product der regionären Infection frischere,
häufig an der Grenze der Sichtbarkeit stehende tuberculöse Producte. In selteneren Fällen sitzen die schwieligen, käsigen oder kalkigen Heerde etwas entfernter von der Pleurafläche, wopei letztere normal erscheint.— und solche Heerde werden bei der Untersuchung der Lunge leicht überschen.
Selbstverständlich erhebt sich bei der Con- statirung derartiger Veränderungen in der Lungen- spitze immer die Frage: Sind diese älteren Veränderungen tuberculösen Ursprungs? Wenn ja. sind sie als geheilt zu betrachten oder als nur im Ruhezustand, im Stadium der Laten? befindliche tuberculöse Heerde?
In manchen Fällen, wenn nämlich frischer, wenn auch noch so unbedeutender Nachschub in der nächsten Umgebung sich findet, oder wenn gar eine acute Miſiartuberculose sich hinzugesellt, ist die Beantwortung obiger Fragen ohne Wei- teres klar. Will man nun exact feststellen, welche dieser Heerde als vollständig geheilt, welche als noch infectiös, im Ruhezustand befindlich, be- trachtet werden können. so ist man zunächst auf die bacteriologische Untersuchung angewiesen, welche bei positivem Ergebniss sicher beweist, dass noch Infectiosität vorhanden ist, bei nega- tivem Resultat jedoch immer noch die Möglich- keit offen lässt, dass die Tuberkelbacillen so spar- sam vorhanden sind, dass sie nicht nachweisbar sind oder dass das Gift im Sporenzustande sich
dem mikroskopischen Nachweise entzieht.
Wie bei anderen ähnlichen Processen muss daher zur Feststellung der anatomischen Differen- tialdiagnose ebenfalls das Experiment, die Cultur im lebenden Organismus zu Hülfe gezogen wer- den, um die geheilten und noch infectiösen Pro- cesse sicher zu erkennen und von einander zu scheiden.
Da meines Wissens Untersuchungen über die- sen Punkt nicht vorliegen, habe ich Pr. Kurlow) aus St. Peterspurg veranlasst, dieser Frage im Laufe des verflossenen Winters im pathalogischen Institute experimentell näher zu treten.
Im Ganzen wurden 26 Fälle von Spitzen- affection der Lunge ohne Auswahl, wie sie bei den Opductionen von Menschen, die an verschie- denen Krankheiten starben, zufällig sich vorfanden, einer näheren Prüfung unterzogen und zwar mit folgendem Resultate:
I. Von drei einfach cirrhotischen Heerden der Lungenspitze wurden Theile auf 6 Thiere ge- impft ²) alle mit negativem Resultat.
II. Von vier cirrhotischen Heerden der Lungen- spitze mit vollständig verkalkten Einlagerungen wurden Theile auf 7 Meerschweinchen geimpft; der Prfolg war ebenfalls durchweg ein negativer.
III. Von 12 cirrhotischen Heerden mit abge- kapselten käsigen oder käsig-kalkigen Finlage-
¹) Die ausführliche Arbeit des Herrn Dr. Kurlow wird demnächst im„Deutschen Archiv für klinische Me- diein“ erscheinen.
²) Die Impfung der zu diesen Versuchen verwendeten Meerschweinchen géschah regelmässig auf intraperitonealem Wege.


