1. September

Thiermedicinische Rundschau ete.

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Finfluss auf die Entstehung der Tuberculose sichere Wegweiser abgeben.

Gestatten Sie mir im Anschluss an diese all- gemeinen, mehr kritischen Bemerkungen, die mir für das Verständniss der Pathogenese der Tuber- culose unerlässlich erschienen, zu dem positiven Theile meines Themas überzugehen und zunächst die Resultate einiger Versuchsreihen mitzutheilen, die im Verlaufe der letzten 2 Jahre im Patho- logischen Institute dahier unter meiner Leitung angestellt wurden, und welche in erster Linie die viel und Fleisch tuberculöser Rinder betreffen.

Seit der Entdeckung der Impfbarkeit der Tuberculose und namentlich der bacillären Iden- tität der Perlsucht des Rindes mit der mensch- lichen Tuberculose, ist man vielfach der Frage der eventuellen Entstehung der letzteren aus der ersteren nahe getreten, ohne dass bis jetzt eine Einigung erzielt werden konnte.

Was die Infectiosität der Milch perl- süchtiger Kühe betrifft, so sind 2 Fragen zu beantworten, nämlich:

1. Besteht überhaupt eine Gefahr für den Menschen von Seiten der Milch perlsüchtiger Kühe?

2. Wie gross ist die Gefahr?

Die erste Frage scheint mir durch zahlreiche Versuche in positivem Sinne entschieden zu sein. Nach den von Johne gegebenen Zusammen- stellungen hatten die Fütterungsversuche mit der- artiger Milch in ca. 30 Proc. positives und in ca. 60 Proc. negatives Resultat.

Schon im Jahre 1879 habe ich auf der 52. Ver- sammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Baden-Baden mitgetheilt, dass die Milch tuber- culöser Kühe, deren Euter keine Erkrankung zeigt, bei längere Zeit hindurch fortgesetztem Genusse manchmal eine ächte Tuberculose bei Schweinen zu erzeugen im Stande sei, während gewisse Formen der Rindstubereulose in dieser BRichtung ungefährlich zu sein scheinen. Durch Impfung mit einigen Tropfen derartig virulenter Milch auf die Bauchhöhle von Meerschweinchen gelang es mir, eine acute tödtliche Miliartuberculose zu er- zeugen. Durch eine Reihe später fortgesetzter Versuche, die von Dr. Gottlieb Stein und Dr. Ferd. May im Pathologischen Institute da- hier angestellt wurden, wurden diese Ergebnisse bestätigt und weiter constatirt, dass in dem Secret der tuberculös erkrankten Milchdrüse einer perl- süchtigen Kuh auch Tuberkelbacillen mikrosko- pisch nachweisbar sind.

Wenn auch die Futertuberculose des Rindes keine seltene Erkrankung ist, so verschwindet sie in Bezug auf ihre Gefährlichkeit gegenüber der

discutirte Infectiosität von Milch

grossen Zahl tuberculöser(perlsüchtiger) Kühe, die hinreichend verdächtig erscheinen, gelegent- lich eine infectiöse Milch zu produciren.

Behufs weiterer Controle der früheren Ver- suchsresultate und um auf Grund eines umfang- reicheren Materials ziffermässige Angaben zu er- möglichen, hat Dr. Carl Hirschberger, gegen- wärtig Assistent der ophthalmologischen Poſiklinik dahier, im Winter 1887 im Pathologischen Institut eine grössere Zahl von Versuchen über die Infectiosität der Milch perlsüchtiger Kühe angestellt), über deren Resultat in Kürze Fol- gendes berichtet werden kann:

Aus dem Euter perlsüchtiger Kühe, die im Schlachthause dahier getödtet wurden, wurde unter Anwendung aller Cautelen etwas Secret gewonnen und mit demselben intraperitoneale Impfungen auf Meerschweinchen vorgenommen. Unter 20 derartigen Fällen erwies sich die Milch 11 mal, also in 55 Proc. als zweifellos infectiös. Dabei ergab sich weiter, dass die Virulenz der Milch im Allgemeinen Hand in Hand geht mit dem Grade der tuberculösen Erkrankung des milchgebenden Thiers.

Unter 5 Fällen von hochgradiger Tubereulose der betreffenden Milchkühe ergaben die Probe- impfungen 4mal positives, 1 mal negatives Re- sultat; in 6 Fällen von Perlsucht mittleren Grades waren die Impfungen 4 mal positiv, 2 mal nega- tiv; endlich in 9 Fällen von geringgradiger Perl- sucht war das Impfresultat 3 mal positiv, 6 mal negativ. Stellt man diese Ergebnisse übersichtlich nebeneinander, so ergiebt sich: bei hochgrad. Perlsucht in 80 Proc. Infectiosität der Milch, bei mittelgrad. 3 5 5 bei geringgrad. 33

Im Allgemeinen wird die Milch perlsüchtiger Kühe um so eher infectiöse Eigenschaften besitzen, je schlechter der Ernährungszustand der erkrankten Thiere ist, obwohl auch bei mässigem oder sehr

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gutem Ernährungszustande die Milch wenn auch seltener infectiöse Eigenschaften besitzen kann.

Dabei ist zu bemerken, dass der Nachweis von Tuberkelbacillen in derartig infleirter Milch unter 20 Fällen nur einmal mit Hilfe des Mikroskops gelang, so dass die Annahme zulässig erscheint, dass entweder die Bacillen so Sparsam in solcher Milch vorkommen, dass sie schwer oder gar nicht aufzufinden sind oder dass das Gift in Form von Sporen in der Milch sich befindet.

¹) Ueber das Resultat dieser Versuche hat der Vor- tragende bereits im Juni 1887 im ärztlichen Vereine zu München berichtet; eine ausführliche Publication über diese Versuche wird demnächst imDeutschen Archiv für klinische Mediein erscheinen.