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Thiermedicinische Rundschau ete.

1888. No. 23.

ab. Die sich locker anfühlende knotenförmige Erhabenheit war leicht verschiebbar und beim Druck nicht schmerzhaft. 4 cm oberhalb des ausseren Nasenflügels der linken Seite hebt sich die Haut als taupbeneigrosse Anschwellung von der Umgebung scharf hervor. Die Geschwulst wird beim leichten Druck schon in das falsche Nasenloch geschoben, tritt aber nach aufgehobe- nem Druck als dieselbe Erhabenheit wieder her- vor. Die Schleimhaut der linken Nase ist stark geröthet, etwas in's Bläuliche übergehend. Bei der näheren Untersuchung des falschen Nasen- loches erblickt man eine taubeneigrosse Geschwulst von auffallend speckigem Aussehen. Die Ober- fläche ist mit einer Menge kleiner Erhabenheiten und Vertiefungen ausgestattet, erscheint deshalb wie angenagt. Die Hervorragungen sind an der Oberfläche weiss glänzend, die Vertiefungen er- scheinen dagegen am Grunde mehr schmutzig weiss, von zarten rothen Streifen durchzogen.

Der Stiel der Neubildung ist 3 cm lang, von der Stärke eines Federkiels, und findet seine An- heftung am oberen blinden Ende der Nasen- trompete.

Die Neubildung selbst fühlt sich etwas weich an und hinterlässt an den Fingerspitzen eine schmierige, klebrige Masse.

Das Allgemeinbefinden des Thieres war in keiner Weise gestört.

Behufs Entfernung der Neubildung legte ich um den Stiel eine Castrirschlinge; schon beim leichten Anziehen der letzteren fiel der Polyp zur Erde. Es entstand eine ziemlich starke Blutung, welche jedoch durch Finführen eines mit kaltem Wasser getränkten Schwammes in das falsche Nasenloch bald gestillt wurde.

Der Stumpf des Stieles, welcher als eine 1 cem

lange Hervorragung am Grunde der Nasentrompete sitzen geblieben war, vernarbte innerhalb einiger Tage. Nasenausfluss und Schwellung der sub- maxillaren Lymphdrüsen verschwanden in kurzer Zeit. Ein Recidiv ist bis heute nicht beobachtet.

Die weitere makroskopische Betrachtung der Neubildung ergab Folgendes:

Die Oberfläche zeigt die beschriebenen Un- ebenheiten. An der Operationswunde des Stieles quillt bei leichtem Drucke Blut auf die Schnitt- fäche. Auf dem Durchschnitt erscheint die Mitte der Neubildung in braunrother Farbe. Zickzack- förmige, ebenso gefärbte Fortsätze gehen vom Centrum zur Peripheri und setzten sich von der mehr grauweiss gefärbten Umgebung scharf ab.

Mikroskopischer Befund:

Schnittpräparate lassen bei schwacher Ver- grösserung zwischen Bindegewebsfibrillen eine Menge spindelförmiger Zellen von verschiedener Grösse erkennen. Die zugespitzten Enden sind

zum Theil mehr gestreckt, zum grossen Theil jedoch scharf gekrümmt nach der Form eines lateinischen S. Der Inhalt der Zellen erscheint besonders in dem bauchigen mittleren Theile gekörnt. Fingestreut in die durch das verschie- dene Aneinanderlagern der Spindelzellen unter sich und mit den Bindegewebszügen entstehenden Lücken finden sich noch Rundzellen von variirender Grösse vor. Ihre Zahl ist gegenüber der der Spindelzellen nur äusserst gering. Bei starker Vergrösserung können zwei Formen dieser Rund- zellen deutlich unterschieden werden. Die grösse- ren membranlosen nur schwach fein gekörnten Zellen sind den weissen Blutkörperchen sehr ähn- lich; die bedeutend kleineren und in grösserer Menge sich zeigenden Rundzellen haben eine scharf contourirte Membran und ein stark ge- körntes Protoplasma. Die Mehrzahl unter ihnen ist gelblich roth pigmentirt.

DPas Bindegewebe giebt sich bei dieser Ver- grösserung als zarte, dicht aneinander lagernde Fibrillen, die sich nur stellenweise kreuzen, zu erkennen.

Wir haben somit eine Neubildung vor uns, welche in die Reihe der Sarkome gehört und als Spindelzellen-SarkomSarcoma fuso-cellulare, pezeichnet wird. Wenngleich die Melanosarcome bei Pferden, speciell bei Schimmeln, häufig beob- achtet werden, so dürfte das Spindelzellen-Sarkom doch eine äusserst seltene Erscheinung sein, weshalb ich es für angezeigt hielt, diesen von mir beobachteten Fall zur Veröffentlichung zu pringen.

Infections krankheiten.

Ueber Entstehung und Heilbarkeit der Tuberculose. Von Prof. Dr. O. Bollinger in München.(Fortsetzung.)

Der ganze Streit zwischen Contagionisten und Hereditariern, wie er bei der Discussion über die Aetiologie der Tuberculose vielfach mit grosser Lebhaftigkeit geführt wurde, erledigt sich meines Frachtens nach dieser Auffassung in der Haupt- sache. Die ersteren sind immer taktisch im Nachtheil gewesen und werden es auch noch insofern bleiben, als es bei der Ubiquität des Tuberkelbacillus, bei der Latenz der Infection und der Initialstadien nur ausnahmsweise gelingt, den positiven Nachweis zu führen, wo, wann und wie der Phthisiker sich inficirt hat. Die Tubereulose ist eine exquisit kryptogenetische Infectionskrankheit. Viel dankbarer ist die Prforschung und wie ich gleich hinzufügen will, auch die Bekämpfung der Disposition, wo uns u. A. die Gefangen- schaft, Staubgewerbe etc. in ihrem mächtigen