1. September.

Thiermedicinische Rundschau ete.

283

Andere Kokken rufen nicht Fiterung, sondern Bindegewebswucherung hervor, am häufigsten thut dies bei Pferden der Mikrococcus botryo- genus, dessen Entwickelungsgeschichte ich an anderer Stelle so ausführlich geschildert habe, dass ich dieselbe wohl als bekannt voraussetzen darf. Um Ihnen aber wenigstens einen neuen Belag für die pathogene Wirksamkeit dieses Schizo- myeceten zu hiefern lege ich Ihnen hier eine ovale, enteneigrosse Geschwulst vor, welche Herr College Colshorn in Tripkau mir im vorigen Jahre freund- lichst zugesandt hat. Dieselbe stammt auch von einem Pferde und ist in Zeit von etwa 9 Wochen bis zu ihrem gegenwärtigen Umfange heran- gewachsen. Sie hatte ihren Sitz an der lateralen Wand der rechten Nasenhöhle, etwa 6 cm vom Rande des Nasenloches entfernt. Auf dem Schnitt schen sie eine unzählige Menge sandkorngrosser, gelblich grauer Körperchen in das Geschwulst- gewebe eingebettet, welches nach Entfernung jener eine feinporige schwammige Textur zeigt. Die erwähnten Körnchen aber sind, wie das vor- liegende mikroskopische Präparat zeigt, nichts Anderes, als Botryogenus-Colonien.

Schon diese einfache Aufzählung pathogener Schizomyceten, in der noch eine ganze Anzahl von weniger gut beglaubigten Arten fehlt, wird ausreichen, um die grosse und bedeutsame Rolle. welche dieselben in der Pathogenese spielen, Klar und scharf hervortreten zu lassen.

Gestatten Sie freundlichst, dass ich trotzdem an der Geschichte des Bacillus Anthracis und des Bacillus der sogen. Rothlaufseuche der Schweine Ihnen noch etwas eingehender erläutere, wie viel auf der einen Seite das ärztliche Urtheilen und Handeln durch die genaue Kenntniss der Ent- wickelungsgeschichte und der Lebenseigenschaften

dieser kleinsten Lebewesen an Sicherheit ge-

wonnen hat, und wie gross noch auf der anderen Seite die Zahl wissenschaftlicher Probleme ist, die der Lösung durch ausdauernde und ehrliche Arbeit harren.

Das regelmässige Vorkommen von Bakterien bei einer bestimmten Krankheit ist zuerst von Pollender nachgewiesen worden, der bereits im Jahre 1849 die Milzbrandstäbchen im Blute milz- brandkranker Kühe geschen hat. Veröffentlicht hat Pollender seine Beobachtung zwar erst im Jahre 1855, dabei hat er dann zugleich auch angedeutet, dass diese Stäbchen möglicherweise

in einem gewissen ätiologischen Verhältniss zum Anthrax selbst stehen könnten.

Kurze Zeit nachher 1857 wurden Pol- lender's Beobachtungen von Brauell bestätigt.

Mit grossem Fifer und vielem Geschick ist die Frage der pathogenen Rolle der Milzbrand- stäbchen von den beiden französischen Forschern Delafond und Davaine verfolgt worden und namentlich der Letztere wies durch sehr sinnreich varürte und exacte Impfrersuche mit schr grosser Wahrscheinlichkeit nach, dass die Stäbchen das eigentliche Milzbrandvirus sein müssten.

Obwohl von nun ab die Frage der ätiolo- gischen Bedeutung der Milzbrandstäbchen nicht mehr von der Tagesordnung verschwand und zahlreiche Forscher ich nenne nur Bollinger, Leisering, Ohauveau und Pasteur in Thätigkeit erhielt, blieben dennoch den Zweifeln über diesen Punkt lange Zeit Thür und Thor geöffnet.

Noch im Jahre 1876 erklärte ein deutscher Botaniker, dass die sogen. Anthraxstäbchen über- haupt keine organisirten Gebilde seien und mit dem Milzbrand in keinerlei ursächlichem Zu- sammenhange ständen.

Allen diesen Scrupeln hat dann B. Koch durch die Veröffentlichung seiner epochemachen- den Untersuchungen über die Entwickelung des Anthraxbacillus noch in demselben Jahre mit einem Schlagle ein Ende gemacht.

Er lehrte, wie Sie an diesemhängenden Tropfen schen können, dass die Milzbrandstäb- chen in Humor aquens des Rindsauges oder in anderen geeigneten Nährflüssigkeiten bei einer Temperatur von 20 bis 30 Grad C. in 10 bis 15 Stunden zu langen Fäden auswachsen, in denen dann in ganz regelmässigen Abständen die stark glänzenden eirunden Sporen entstehen.

Koch beobachtete dann weiter, wie in frischem

Humor aqueus die Sporen wiederum zu Fäden

diesen nach Koch's

auswachsen können. Bei schwacher Vergrösserung werden Sie in Vorschrift hergestellten

Gelatineplatten eine Menge rundlicher Flöckchen

wahrnehmen, die aussehen, als ob sie aus ver- ſilzten Haaren beständen, und die mitunter lockige

Fortsätze aus der Haupt masse heraussenden. Alle

diese runden Häufchen bestehen aus ausgewach- senen Milzbrandstäbchen und dieses Wachsthum in der Gelatine ist für den Milzbrand-Bacillus durchaus charakteristisch.(Schluss folgt.)

Ueber das Vorkommen vonSarcoma fuso-cellulare bei einem Pferde.

Von Rossarzt Volmer in Münster i. W.

Eine 15 jährige Rothschimmelstute zeigte am submaxillaren Lymphdrüsen derselben Seite setzten 28. Mai cr. einen linksseitigen Nasenausfluss von sich als eine hühnereigrosse Geschwulst von dem milchig trüber, dünnflüssiger Beschaffenheit. Die Lymphdrüsenpackete der rechten Seite deutlich

45*