282 Thiermedieinische Rundschau ete.

1888. No. 23.

Die matt grauweisslichen Häufchen, welche Sie auf der Oberfläche der Gelatine dieses Röhr- chens wahrnehmen, bestehen aus dem Mikrococeus Pflügeri. Wenn Sie in einem vollständig finsteren Raume den Blick auf den Inhalt des Röhrchens richten, werden Sie erkennen, dass die Häufchen wie Phosphor leuchten. Mikrococcus Pflügeri pildet auf Fleisch von Säugern und Fischen, sowie auf Fiereiweiss oft schleimige, leuchtende Ueber- züge und ist die Ursache des Selbstleuchtens dieser Nahrungsmittel.

Der Bedarf der Schizomyceten an Sauerstoff ist nach den einzelnen Fällen ungleich. Nach Pasteur's Terminologie unterscheidet man zwei extreme Fälle als Aörobien und Anaörobien. Die ersteren bedürfen zu ausgiebigem Vegetiren und Wachsen auch reichlicher Zufuhr sauerstoff- haltiger Luft, z. B. Bacillus subtilis und Bacillus Anthracis. Die Anaörobionten gedeihen bei guter Ernährung ohne Sauerstoff; freier Luftzutritt setzt ihre Vegetation auf ein Minimum oder auf Null herab; das ist z. B. der Fall bei Bacillus Amylo- bacter und Bacillus oedematis maligni.

Das Interesse des Arztes aber wird am meisten in Anspruch genommen durch diejenigen parasi- tären Bakterien, welche in den von ihnen be- wohnten Organen krankhafte Störungen hervor- rufen und daher auch als pathogene Schizo- myceten bezeichnet werden.

Die Zahl derselben ist eine sehr grosse, und es giebt nur wenige unter den contagiösen und infectiösen Krankheiten, pbei denen nicht wenig- stens das regelmässige Vorkommen irgend eines Schizomyceten nachgewiesen wäre.

Es kann daher auch nicht meine Absicht sein, Ihnen in dem engen Rahmen dieses Vortrages sämmtliche pathogenen Bakterien erschöpfend zu schildern. Von denjenigen, die für den Thierarzt die wichtigsten sind, können Sie hier sowohl künstliche Culturen als auch gefärbte Deckglas- präparate in Augenschein nehmen.

Bei der Be-

trachtung derselben werden Sie finden, dass die

Bacillen der Kaninchensepticaemie, der Hühner- cholera, der Schweineseuche und der Wild- und Rinderseuche sowohl in ihrem makroskopischen

Wachsthum, als auch in Gestalt und Grösse der

Finzelindividuen untereinander sehr ähnlich sind.

Auch die Bacillen der Mäusesepticaemie werden Sie schwerlich von denen des Schweinerothlaufs unterscheiden können, mögen Sie nun die gefärb- ten Deckglaspräparate der beiden fraglichen Ba- cillenformen mit einander vergleichen oder Stich- culturen derselben in Nährgelatine.

Einige Aehnlichkeit der Gestalt besteht ferner zwischen den Bacillen des Anthrax und des Rausch- brandes, mehr noch gleichen die ersteren aber den Bacillen des malignen Oedems und den Heu-

bacillen, obwohl diese Schizomyceten in ihrem Wachsthum und in ihren physiologischen Eigen- schaften sehr wichtige Verschiedenheiten erkennen lassen. Sie sehen hier ferner Deckglaspräparate des gleichfalls von R. Koch im Jahre 1882 ent- deckten Bacillus der Tuberculose. Piese Bacillen nehmen die Anilinfarben nur dann auf, wenn den- selben eine Beize zugesetzt worden ist. Ursprüng- lich verwandte Koch das Kali causticum in mini- maler Menge(1:10000 Farbstofflösung) dazu, doch können zu dem gleichen Zwecke auch noch verschiedene andere Substanzen, wie 2. B. das Anilinum purum, sogenanntes Anilinöl, auch die Carbolsäure sehr zweckmässige Anwendung finden.

Die nach dieser Methode gefärbten Tuberkel- bacillen geben den Farbstoff auch an saure Lösungsmittel sehr schwer wieder ab. Dieses Verhaſten pegünstigt die Doppel- oder besser Contrastfärbungen. In dem einen Präparat sind die Tuperkelbacillen mit Carbolfuchsin leuchtend roth gefärbt, während die übrigen Bestandtheile einen plauen Grund bilden, der durch wässerige Lösung von Methylen blau gefärbt ist. In dem anderen Präparat ist der Contrast durch Anilin- wasser, Gentianaviolett und Bismarkbraun her- gestellt.

Die braunen kleisterartigen Massen auf den sterilisirten Kartoffeln unter dieser Glasglocke be- stehen aus dem Bacillus der Rotzkrankheit, den Loeffler, Schütz und Israel im Jahre 1882 entdeckt haben.

An den mit Löffler'scher Methylenblau-Lösung gefärbten Deckglaspräparaten werden Sie erkennen, dass die Rotzbacillen den Tuberkelbacillen sehr ähnlich und dass jene nur ein wenig dicker als diese sind.

Von den pathogenen Kokken verdienen zu- nächst diejenigen erwähnt zu werden, welche Eiterung erregen, denn sie gehören zu den am häufigsten vorkommenden und sind schon von älteren Autoren vielfach erwähnt worden.

Wie Sie hier sehen können, verflüssigt der Staphylococeus pyogenes aureus die Nährgelatine und bildet dann einen orangefarbenen feinkörnigen Bodensat?; in den Deckglaspräparaten werden Sie bemerken, dass die Kokken häufig in trauben- förmigen Verpbänden zusammenhängen; dieser Eigenschaft verdanken auch die Kokken dieser Gruppe den Namen Staphylococcus von orapoM, Weintraube.

Sehr nahe verwandt sind dem goldgelben Traubencoccus Staphylococeus albus, citreus und ferner Staphylococcus cereus albus und flavus.

Endlich giebt es auch einen die Nährgelatine gar nicht verflüssigenden Eitercoccus, der lange rosenkranzförmige Verbände bildet und daher als Streptococeus pyogenes bezeichnet wird.