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Thiermedicinische Rundschau etc.

1888. No. 22.

zeichnet sich dieser durch musterhafte Sachlichkeit und Gründlichkeit in der Untersuchung und Be- schreibung der von ihm beobachteten Gegen- stände aus.

Leeuwenhoek, der ursprünglich den Lein- wandhandel in Amsterdam erlernt hatte und später als Privatmann in Delft lebte, verfertigte sich seine Mikroskope selbst.

Er unterschied bereits mit denselben Kugel-. Stab-, Faden- und Schraubenbakterien und fügte seinen Briefen an die Royal society in London Abbildungen dieser Mikroorganismen bei, die er ihrer Beweglichkeit halber für Thierchen hielt.

Ueber die Bedeutung der von ihm entdeckten Thierchen im Haushalte der Natur, hat Leeu- wenhoek eine Meinung in seinen Schriften nicht geäussert.

Die Bakterien, das soll heissen Stabpflänzchen oder Stabthierchen, wegen der Aehnlichkeit vieler derselben mit einem glatten, schlanken Stäbchen, werden auch Spaltpilze Schizomyceten ge- nannt, obwohl sie weder ihrem Baue noch ihrer Entwickelung nach zu den echten Pilzen gehören.

Ein Vergleich mit anderen bekannten Lebe- wesen ergiebt, dass sie in ihren wesentlichen Eigenschaften am meisten üpereinstimmen mit der im Pflanzenreiche stehenden Gruppe der Nosto- caceen.

De Barry vereinigt sie daher mit diesen auch zu einer Gruppe, die er Spaltpflanzen Schizophyten nennt.

Spaltalgen sind dann die chlorophyllfüh- renden Nostocaceen, Spaltpilze die chloro- phyllfreien.

Die Bakterien treten auf als Zellen von runder, oder cylindrisch-stabförmiger, selten spindel- förmiger Gestalt und sehr geringer Grösse. Der Durchmesser der runden und der Querdurchmesser der stabförmigen beträgt bei den meisten etwa 0,001 mm oder noch weniger(U001 mm= 1 Mikron= p). Die Länge der stabförmigen Zellen geht bis auf das 2 4fache des Querdurch- messers, selten mehr.

Den Zellen müssen diese kleinen Körper zu- gezählt werden, weil sie wie Pflanzenzellen wachsen und sich theilen, und weil das, was man von ihrem Bau erkennen kann. mit den entsprechen- den Erscheinungen bei Pflanzenzellen überein- stimmt, obwohl es noch nicht gelungen ist, Zell- kerne in ihnen zu finden.

Die Bakterienzelle wird ihrer Hauptmasse nach gebildet aus einem Protoplasmakörper, der eine grosse Neigung pesitzt, sich durch Anilinfarb- stoffe intensiv zu tingiren.

Der Protoplasmakörper der Bakterien ist um- geben von einer Membran-Zellhaut. Diese,

das Protoplasma direkt umkleidende Membran ist

aber, wie es scheint, in allen Fällen nur die innerste festere Schicht einer gelatinösen Hülle, welche den Körper umgiebt. Massenanhäufungen von Bakterien sind daher bei hinreichender Be- feuchtung immer mehr oder minder gelatinös oder schleimig, und bei der Theilung der Zellen kann man das gelatinöse Aufquellen äusserer Mem- branschichten verfolgen. Wir können daher all- gemein den Bakterienzellen gelatinöse Membranen mit dünner, relativ fester Innenschicht zuschreiben.

Viele Bakterien sind in Flüssigkeiten frei- beweglich. Sie rotiren um ihre Längsachse oder schwingen pendelartig und bewegen sich oft leb- haft vor- und rückwärts. Als eigene Bewegungs- organe sind bei manchen Bakterienarten Cilien oder Geisseln, daher dünne, fadenförmige An- hänge nachgewiesen worden.

Wenn die vegetirenden Bakterienzellen eine bestimmte Grösse erreicht haben, theilen sie sich in je zwei Tochterzellen.

Nach der Gestalt der einzelnen Bakte- rien unterscheidet man rundzellige Formen, gerade und schraubig gewundene Stab- formen.

Eine Billardkugel, ein Bleistift und ein Kork- zicher veranschaulichen diese drei Hauptformen auf das Genaueste.

Die runden Formen sind zur Zeit als Kokken am bekanntesten und je nach ihrer Grösse redet man von Mikro- und Makrokokken, von Diplo- und Tetrakokken, wenn sie nach der Theilung noch paarweise oder zu vieren zusammenhängen.

Die geraden Formen haben von den älteren Autoren speciell den NamenStäbchen, Bacillen, Bakterien erhalten.

Kurzstäbehen, Langstäbchen und andere Worte sind anschauliche, sonst werthlose Bezeichnungen für untergeordnete Besonderheiten der Gestalt.

Die Korkzicherformen heissen Spirillen, wenn die Schraube kurz und starr, Spirochaeten, wenn die Schraube lang und biegsam ist.

Häufig bleiben die Schizomyceten nach der Theilung noch mit einander im Zusammenhange und bilden einfachere Zellverbände.

Fs entstehen auf diesem Wege aus den Stäb- chen mehr oder weniger lange, aus einer sehr verschiedenen Anzahl von Finzelnzellen zusammen- gesetzte Fäden, die als Leptothrix oder Mycothrix pezeichnet werden, während für die kettenartigen Zellverbände der Kokken der Name Streptococcus vielfach zur Anwendung kommt. Der Verbindung der Zellen in zwei Pimensionen, hinter- und

nebeneinander begegnen wir bei den sogenannten Tafelkokken, zu denen peispielsweise das Bac- terium merismopedioides tetragenus gehören.

und der Mikrococcus