Thiermedicinische

Bd. II. Mo 22. 188788.

Herausgeber mit Expedition Dr. 6. Schleidenähl Bere igung Wild. Inadp's Verlag Halle a. S. Halle a. S.

der vergleichenden Pathologie und des gesammten Veterinär-Medicinalwesens.

Bleichzeitig Organ zur Vertretung üer Iteressel des mierärztlichen Ltanäes. Neue Folge der im Jahre 1885 begründetenRundschau auf dem Gebiete der Thiermediein«.

Pie Rundschau erscheint alle 14 Tage in der Beiträge für den redactionellen Theil wolle Stärke von 1 ½ Bogen. Der Abonnementspreis be- direct an den Herausgeber, Annoncen u. Correcturen trätt 2,50 Mk pro Viertelſahr und iet dieselbe dureh Den 15. August 1888. an den Verleger senden. Inserate wordon mit 20 Pf. Wiihelm Knapp in Haile a. S. und durch jede die 3 gespaltene Petitzeile berechnet. Bei Wieder- Buchhuandlung zu beziehen. holungen hoher Rabatt. Beilagen nach Ubereinkunft.

mhalt. Rabe: Ueber Bakterien. Steinbach Der Beamtenrang des Kreisthierarztes. Bollinger: Ueber Entstehung und Heilbarkeit der Tubereulose. Mittheilungen aus Vereinen und Versammlungen: Bericht über die Verhandlungen des thierärztlichen Vereins der Provinz Westfalen und der Provinz Hannover. Kleine Mittheilungen. Tagesgeschichte. Bücherschau. Personalien. Offene amtliche Stellen. Offene nichtamtliche Stellen.

Briefwechel. Anzeigen.

Nachdruck ohne Genehmigung des Herausgebers verboten. (Reichsgesetz v. 11. Juni 1870.)

Originalmittheilungen.

Ueber Bakterien.

Ein Vortrag, gehalten in der 26. General-Versammlung des Thierärztlichen Vereins für die Provinz Hannover. Von DPr. C. Rabe, Professor an der thierärztlichen Hochschule zu Hannover.

Meine Herren!

Die Vorstellung, dass durch das Findringen kleinster belebter Wesen in den Leib des Menschen und der Thiere mancherlei Krankheiten entstehen können, ist eine sehr alte.

Schon bei Marcus Terentius Varro, einem Schriftsteller, welcher ein Jahrhundert vor Christo gelebt und über Landwirthschaft geschrieben hat, begegnen wir der Hypothese des Contagium ani- matum; denn im 1. Buche seines WerkesDe re rustica äussert sich dieser Autor folgender- massen:Advertendum etiam, si qua erant loca palustria et propter easdem causas et quod ares- cunt crescunt animalia minuta, quae non possunt oculis consequi sed per aöra ac per os et nares intus in corpora perveniunt atque efficiunt diffi- ciles morbos.

Es würde uns zu weit von der Aufgabe, die ich mir heute gestellt, ablenken, wenn ich auch nur mit flüchtigen Strichen Ihnen die Geschichte des weiten und mühevollen Weges von dieser Hypothese bis zur wissenschaftlich begründeten Lehre von den belebten Krankheitserregern skiz- ziren wollte.

Gegenwärtig beherrschen die Kenntnisse von dem mikroparasitären Ursprunge der Mehrzahl aller wichtigen Krankheiten das ärztliche Handeln und Denken fast vollständig. Für den Thierarzt nicht weniger, wie für den Menschenarzt, erwächst daraus die Verpflichtung sich mit den Lebens- eigenschaften jener Organismen bekannt zu machen, welche Gesundheit und Leben des Menschen und der Hausthiere so oft und in so ernstlicher Weise gefährden.

Und zwar sind es nicht die thierischen, auch nicht die zu den echten Pilzen gehörigen pflanz- lichen Parasiten, welche heutzutage allen Scharf- sinn der Forscher und alle Energie des ärztlichen Handelns herausfordern, sondern die Gruppe der unter dem Namen der Bakterien zusammen- gefassten, viel niedrigeren und viel einfacheren Organismen.

Die Entdeckung der Bakterien knüpft sich an die Namen Athanasius Kircher und Antony v. Leeuwenhoek, den beiden hervorragendsten Mikroskopikern des 17. und 18. Jahrhunderts.

Während jener sogleich die weitgehendsten Speculationen an seine Beobachtungen knüpfte, 43