262 Thiermedicinische Rundschau ete.

1888. No. 21.

An die mit grossem Interesse aufgenommene Verlesung des vorstehenden Artikels schloss sich eine lebhafte Pis- kussion, in der zunächst Dr. Ulrich bemerkt, dass er es für das Beste halte, wenn Schlachthäuser nur von den Gemeinden errichtet würden, einmal wegen der Rentabilität und andererseits wegen der festen amtlichen Anstellung der Schlachthausthierärzte und deren Unabhängigkeit gegen- über den Fleischern.

Prof. Metzdorf glaubt, dass dieser für die Thierärzte so wichtige Gegenstand nicht so kurzer Hand besprochen werden könne, sondern dass dazu eine gewisse Vorbereitung gehöre. Gerade diese Angelegenheit müsse nach allen Seiten hin gründlich erwogen werden; es könne sich sehr wohl ereignen, dass die Aerzte, die den Thierärzten schon die Oberaufsicht über die Trichinenschau weggenommen haben, auch in dieser Beziehung den Thierärzten zuvor- kämen. Erst nach sorgfältiger Erwägung und Sammlung des einschlägigen Materials seitens der einzelnen Vereine müsste der Deutsche Veterinärrath ein diesbezügliches Memorial der Regierung übergeben. Dr. Ulrich hält den Gegenstand wohl für diskutirbar und nimmt die Thierärzte gegen den Vorwurf in Schutz, dass durch die Nachlässig- keit derselben die Trichinenschau ihnen genommen sei, das sei vielmehr auf die Initiative der bei den Regierungen beschäftigten A erzte zurückzuführen. Kr-Th. Frauenho lz- Brieg, der an seinem Wohnorte längere Zeit die Stelle eines Schlachthausthierarztes mit versehen hat, theilt ver- schiedene Thatsachen mit, die ein grelles Licht auf die unhaltbaren Zustände werfen, wie sie in den von Innungen geleiteten Schlachthäusern bestehen. Nachdem ein Vor- schlag des Kr.-Th. Frick-Bawitsch, das angeregte Thema auf die Tagesordnung der veterinärmedicinischen Section der Naturforscherversammlung zu setzen, nicht beifällig aufgenommen worden war, empfiehlt derselbe den Gegen- stand in der nächsten Vereinssitzung zu besprechen, welchem Vorschlage sich auch Prof. Metzdorf anschliesst. Von letzterem wird ein Antrag angenommen,dass die an Schlachthäusern beschäftigten Kollegen aufgefordert werden sollen, diesbezügliches Material zu sammeln, einzusenden und dabei ihr Urtheil über die Frage der Schlachthaus- thierärzte abzugeben, alles vom Verein Zusammengestellte soll dann dem Deutschen Veterinärrath zur weiteren Ver- anlassung übergeben werden.

Damit wurde dieser Gegenstand verlassen.

Dr. Ulrich spricht anknüpfend an die Ministerialver- fügung betreffend den Verkehr mit Fleisch von tuber- kulösen Thieren die Meinung aus, dass darin ein genügen- der Anhalt für die praktische Beurtheilung der Frage über die Verwerthbarkeit des Fleisches solcher Thiere nicht gegeben sei. Derselbe schildert das von ihm angewendete Verfahren, wie er es sich durch langjährige Thätigkeit als Schlacht- hausthierarzt in Breslau angeeignet hat und macht be- sonders darauf aufmerksam, dass er ausser den Organen der Brust- und Bauchhöhle, Bronchial- und Gekrösdrüsen u. s. w. stets die retropharyngealen Drüsen und die am unteren Ende der ersten beiden Rippen liegenden Lymph-

drüsen untersuche und bei Kühen nie unterlasse die Uterus- wände auf Tuberkeln hin anzusehen.

Die sich daran anschliessende Debatte brachte nichts wesentlich Neues, liess aber die Uebereinstimmung der Ansichten der Kollegen erkennen, dass die betreffende Ver- fügung unzulänglich sei.

Bass-Steinau spricht sodann über die Behandlung derKolik mit Eserin und Piloearpin. Ellenberger habe zuerst auf die Verbindung des Eserins mit Pilocarpin bei der Kolikbehandlung aufmerksam gemacht. Auf Anregung von Bass hat nun der Chemiker Maas in Görlitz eine Ver- bindung der beiden Alkaloide hergestellt, die ein amorphes gelblichweisses Pulver darstellt, die sich aber leicht zer- setzt und nur in Lösung sich besser hält. Passelbe wird vorläufig als Eserin-Pilocarpin bezeichnet, und hofft Maas die Verbindung auch noch in krystallinischer Form her- stellen zu können. Bass hat nach Anwendung des Mittels pei Kolik bedeutende Erfolge erzielt und empfiehlt dasselbe auf das Wärmste. Die Dosis beträgt für Pferd und Rind 0,4 g. Weiter zeigt noch Bass den von ihm in letzter Zeit in der Thiermedizinischen Rundschau beschriebenen Antro- phor und die Art und Weise der Anwendung desselben.

Hamann-Striegau empfiehlt nach Fröhner bei der Wundbehandlung die Creolinborsäuse(Creolin 2: Bor- säure 100), die ein bedeutend pilligeres und doch ebenso viel leistendes Verbandmittel als Jodoform darstellt. Der- selbe empfiehlt ferner bei der Behandlung von Kalbefieber die Anwendung von Cocain 0,1 1,0 g als Injection, da es alle Erfordernisse bei der Behandlung dieser Krankheit erfülle.

Bei den sich hieran anschliessenden Mittheilungen aus der Praxis entspinnt sich eine lebhafte Diskussion über den Durchfall der Kälber. Trotz Anwendung der verschiedensten Mittel, waren alle Kollegen der Meinung, dass als einziges Universalmittel die Isolirung der tragenden Kühe und streng durchgeführte Desinfection zu betrachten sei.

zum Schluss kommt die Versammlung nochmals auf die Schlachthausfrage zurück, und es wurde eine Kom- mission gewählt, die der nächsten Vereinsversammlung definitive Anträge in Betreff dieser Angelegenheit unter- preiten soll. Auf Vorschlag wurden die Herren Prof. Metz- dorf. Kreisthierarzt Frauenholz in Brieg und Schlacht- hausthierarzt Haselbach-Oppeln gewählt.

Die Sitzung wurde danach geschlossen, worauf die Mehrzahl der Anwesenden noch bis zum Abend bei einem einfachen Mahle vereinigt blieb.

Kleine Mittheilungen. Pie Futtermittel und die Ernährung der Pferdes auf Java.(Schluss aus No. 19.)

Nach Scharlée und Moens enthalten 100 Theile rothen Reises im Durchschnitt:

Wacer Pieis Fett 5

Kohlehydrate Aehe