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Thiermedicinische Rundschau ete.
1888. No. 20.
W Unterschied in der Fettablagerung beim fetten und mageren Thier.
Im Allgemeinen erweisen sich alle Organe an der Fettaufnahme betheiligt, jedoch nicht so. dass alle eine gleichmässige Mehrung erleiden, sondern hauptsächlich sind es die fettreichen Gewebe, und unter ihnen wieder besonders die Bauchhöhle und das Unterhautbindegewebe. Das intermuskuläre Bindegewebe erscheint gleich an- fangs, sobald es eine wägbare Menge darstellt, ziemlich fettreich, nimmt jedoch nur wenig mehr zu. Die übrigen Organe sind im Grossen und Ganzen nur in geringem Grade zum Fettansatz geeignet. Was die Fragen anbetrifft, ob die fettarmen Organe erst zunehmen, wenn die Auf- nahmefähigkeit der fettreichen bereits erschöpft ist und ob eine Reihenfolge existirt und in welcher sich die Organe an der Fettaufnahme betheiligen, so geht aus den Versuchen hervor, dass der Fettgehalt ziemlich gleichmässig ansteigt. Die Wahrscheinlichkeit einer gewissen Reihenfolge für die Füllung der Organe fällt fort. doch macht es den Eindruck, als ob eine solche für die fett- reichen Gewebe, hauptsächlich beim Uebergang von mager zu fett. statthat. Am raschesten weist das intermuskuläre Bindegewebe einen starken Fettgehalt auf, langsamer das Unterhautbinde- gewebe.
3) Existiren im Fettgehalte Unter- schiede zwischen den einzelnen Thierarten?
Es fallen hier einzelne Abweichungen in die Augen, die jedoch nicht so bedeutend sind, dass sie als Figenthümlichkeiten der Thierarten aufzu- fassen sind, wie z. B. bei dem Herz und der Leber der Hennen, die viel fettreicher sind als die aller anderen Thiere.
4) Wie vertheilt sich das Gesammtfett auf die einzelnen Organe?
Das grösste Depot bildet das Unterhautbinde- gewebe für die Saugethiere, die Bauchhöhle für die Hühner; ihm zunächst steht die Bauchhöhle resp. das Unterhautbindegewebe. Beim mageren Thier findet sich procentig fast durchgängig eine viel grössere Menge Fett auf die fettärmeren Organe vertheilt als bei den fetten Thieren.
5) Wie gestalten sich die Fettverhältnisse beim hungernden Thier?
Beim Hungern verliert der Körper fortwährend an seinen Bestandtheilen, besonders an Fett und Fiweiss. Verfasser zieht aus seinen Versuchen den Schluss, dass das Fett in der Bauchhöhle weitaus das labilste ist, das am leichtesten ent- pehrlich und dass gerade es beim Hunger am schnellsten verloren geht; während das Muskel-
und intermuskuläre Bindegewebefett sehr wenig, das übrige Organfett so gut wie gar nicht ver- zehrt wird.
6) Wie ist der Verlust bei unzulänglicher Nahrung und gleich- zeitigem Fetthungers?
Wenn ein Thier fett wird, so lagert es zunächst Fett in das intermuskuläre Bindegewebe ab, gleichzeitig auch in das Unterhautbindegewebe. Erst wenn diese beiden eine beträchtliche Fett- menge enthalten, beginnt hauptsächlich das Fett der Bauchhöhle anzuwachsen und nur bei dauernder enormer Zufuhr von Fett oder bei grosser Fett- production im Körper selbst werden auch die übrigen Organe, vor allem Herz, Leber, Muskel wesentlich fettreicher. Magert hingegen ein Thier ab, so verschwindet in erster Linie das Fett der Bauchhöhle und in umgekehrter Reihe auch das Fett der übrigen in Frage kommenden Organe. Ein fettarmes Thier verliert beim Abmagern auch das meiste Fett aus seinen Depots, aber die gleichzeitige Betheiligung der anderen Organe ist erheblich stärker als beim fettreichen Thier.
7) Verhalten des Blutes.
Aus den vom Verfasser angeführten Zahlen geht nur das eine hervor, dass den fetten Thieren auch ein erhöhter Fettgehalt im Blute zukommt; für den Finfluss der Nahrung auf den Fettgehalt des Blutes vermag Verfasser keine Angaben zu machen, da alle Versuchsthiere sich theils in kurzem, theils längerem Hungerzustande befanden.
8) Wassergehalt der fetten und mageren Thiere.
Wenn ein Körper in seinen Organen reichlich Fett enthält, so beobachtet man constant eine Abnahme des procentischen Wassergehaltes und die Landwirthe scheinen anzunehmen, dass ihre Mastthiere in dem Grade als sie an Fett zu- nehmen, an Wasser verarmen. Aus den Versuchen des Verfassers erkennt man, dass der Wasser- gehalt der Organe bei Einlagerung von Fett nur scheinbar abnimmt, in Wirklichkeit jedoch sich nicht vermindert, sondern eher zunimmt. In der
Phat ist ersichtlich, dass die fetten Thiere im
frischen, wasser- und fetthaltigen Zustand be- trachtet, allerdings eine Procentverminderung ihres Wassergehaltes erfahren, dass dagegen nach Ab- zug des Fettes der Wassergehalt des Körpers procentisch zumeist, wenn auch nicht erheblich gesteigert ist. Absolut kann sonach ein fettes Thier nicht nur fett-, sondern auch möglicherweise wasserreicher werden, d. h. mit der stärkeren Verfettung kann auch eine Verwässerung verknüpft sein.— In gewissen Organen ergeben sich Aus- nahmen von der Regel, so bei den Knochen


