258 Thiermedieinische Rundschau ete.

1888. No. 21.

deburg und in anderen grösseren und kleineren Städten der Provinz Sachsen.

Das erste auffällige und zugleich auch das hervorragendste Symptom der Krankheit ist ein trockener, ziemlich scharfer, dabei kräftiger und allem Anscheine nach gar nicht oder nur wenig schmerzhafter Husten, welcher bei zahlreichen Patienten sehr häufig, bei anderen seltener ge- hört wird. Kehlkopf und Luftröhre zeigen sich bei der Untersuchung mehr oder weniger em- pfindlich; eine künstiche Erregung des Hustens ist in den meisten Fällen durch gelinden Pruck auf den Larynx sehr leicht zu bewerkstelligen. Bisweilen geht dem ersten Hustenanfalle ein 10 Minuten und länger anhaltender Schütteffrost voraus, oder es stellt sich ein solcher mit der erstgedachten Erscheinung auch wohl gleich- zeitig ein.

Im weiteren Verlaufe wird Ausfluss einer gewöhnlich geringen Menge wässerigen Schleimes aus den Nasenöffnungen wahrgenommen. Bei etwas stärkerem Nasenausfluss pflegt eine leichte, nicht ganz unschmerzhafte Schwellung der sub- maxillaren Lymphdrüsen vorhanden zu sein. Die Fresslust findet man kaum je gestört; ist es der Fall, so beschränkt sich die Verminderung oder der Verlust des Appetits nur auf die ersten Tage der Krankheit.

Steigerungen der Figenwärme über die Norm

werden nur in manchen Fällen, und dann ent- weder erst pbeim offenkundigen Ausbruch des Uebels, oder schon 24 36 Stunden vorher fest- gestellt. Lässt sich eine krankhaft erhöhte Kör- pertemperatur nachweisen, so zeigt das Thermo- meter doch selten mehr als 39 Grad C., und nur ganz ausnahmsweise steigt die Quecksilbersäule einmal auf 40,0 40,2 Grad C. Unter solchen Umständen verschmähen die Kranken dann auch das Futter. Ist die Bluttemperatur abnorm er- höht, so findet sich auch eine dementsprechende Aufregung im Gefässsystem und in der Respira- tion; ausserdem besteht pei derartigem Befunde auch wohl eine höhere Röthung der sichtbaren Schleimhäute.

Oft ist eine ziemlich deutlich ausgeprägte Mattigkeit und nervöse Abgespanntheit pemerk- bar geworden, welche durch häufigeres Gähnen, oft wiederholtes Schildern mit den Hinterfüssen, Trägheit und Schlaffheit in den Bewegungen und anderen Erscheinungen zum Ausdruck gelangen.

Mitunter führt das Uebel zu einer entzünd- lichen Affection der Bronchialschleimhaut, des Lungenparenchyms, auch wohl des Lungen- und des Brustfelles und damit auch zu den aus Zu- ständen dieser Art sich ergebenden Consequenzen. Ist das Lungengewebe ergriffen, so besteht fast regelrecht blutiger oder rostfarbener Nasenaus-

fluss. Zeigen sich derartige Fälle gleich beim Ausbruch der Seuche in einem Pferdebestande, so kann leicht der Verdacht auf Brustseuche rege werden. Die bacteriologische Untersuchung des Nasenausflusses und der Exspirationsluft giebt nach dieser Richtung hin aber ein durchaus nega- tives Resultat; denn die vom Professor Schütz als die Ursache der Influenza pectoralis erkann- ten Mikroorganismen, welche in den Nasen- dejecten etc. prustseuchekranker Pferde niemals vermisst werden, sucht man hier vergebens. Sehr wahrscheinlich ist es, dass auch bei der soeben näher geschilderten Seuche ein pathogen wirkender Mikroparasit ätiologisch thätig ist; leider war es Z. bisher nicht möglich, in dieser Beziehung Bestimmteres festzustellen.

Die vorerwähnten, in Folge von Complication mit entzündlichen Veränderungen der Lunge und des Brustfelles schwereren Erkrankungen werden nach den Beobachtungen von anderen Kollegen und mir nur bei Pferden angetroffen, welche während der in der Entwickelung begriffenen oder bereits vollkommen ausgebildeten Krankheit noch für längere Dauer(S 10 Stunden) zu an- strengenden Pienstleistungen herangezogen werden.

Die Ansteckungsfähigkeit der Krankheit ist eine ganz hervorragende. Ist das Contagium erst einmal in einen mit Pferden besetzten Stall ver- schleppt worden, so erkrankt ein Bestand von beispielsweise 50 60 Thieren in 6 8 Tagen und kaum eins bleibt von dem Uebel verschont. Dabei ist es zum Zustandekommen einer Infection gar nicht nothwendig, dass gesunde und kranke Pferde einander berühren, sondern es genügt zur Ansteckung schon, dass ein gesundes Pferd an einem kranken auf 23 Schritte Entfernung in der Weise vorbeipassirt, dass es Gelegenheit findet, die Exspirationsluft des letzteren einzu- athmen. Auf solche Art ist in Mgdbg. die Ueber- tragung des Contagiums auf zahlreiche Equipagen- pferde pewirkt worden, welche bei einem vor der Stadt gelegenen, stark frequentirten Park- lokale von den Kutschern bis zur Zeit der Rück- fahrt ihrer Herrschaft in ruhigem Schritt bewegt wurden und hierbei in die Lage kamen, inficirten Thieren zu begegnen und an ihnen auf vorge- dachte Distance vorüber zu müssen.

Der Verlauf der Krankheit ist ein so gut- artiger, dass eine zweckentsprechende Regelung der diätetischen Verhältnisse zur Bekämpfung des Uebels ausreicht und von einer medicamen- tösen Behandlung vollkommen abgesehen werden darf. Vor Anstrengungen sind die ergriffenen Thiere zu bewahren; Bewegung, selbst mässige dienstliche Verwendung in frischer, freier Luft schadet nicht nur nicht, sondern scheint auf das Leiden sogar einen günstigen Einfluss auszuüben