1. August
Thiermedicinische Rundschau ete. 257
1— 1 ½ Jahren normaliter eine höhere ist, als bei älteren Thieren der Gattung BRind und wohl auch höher ist, als man bisher glaubte. Bei letzteren wird dieselbe bekanntlich als zwischen 37— 38 und von Einigen auch bis 39 Grad C. schwankend angegeben. Dass die Körpertempe- ratur bei neugeborenen Thieren im Allgemeinen höher ist. weiss man, indessen werden für die Dauer derselben nur einige Wochen in Anspruch genommen. Es wäre deshalb eine weitere Ver- folgung der Frage in der angedeuteten Richtung nicht ohne Interesse.
Pathologische Anatomie und Pathogenese.
Ueber das Vorkommen von Tetanin bei einem an Wundstarrkrampf erkrankten lndividuum. Von Brieger.(Berl. Klin. Wochenschrift No. 17, 1888.) Verf. erklärt zunächst, dass dank der Unter- suchungen von Nicolaier, Rosenbach u. s. w. der Tetanus hinsichtlich seiner inneren Vorgänge unter allen Infectionskrankheiten am allerbesten pekannt ist, wenn auch noch manche dunkle Punkte der Aufklärung harren. Während die Gegenwart des Flügge-Nicolaier-Rosenbach'schen Tetanusbacillus beim Tetaniker durch eine grosse Reihe gediegener Forscher bereits sicher gestellt ist, war bisher noch nicht der Nachweis gelungen, dass Toxine dieses Bacillus, vermöge deren er befähigt ist, seine furchtbare Wirkung zu ent- falten, in der That auch im lebenden kranken Individuum vorhanden sind. B. hat durch Prof. Rose den Arm eines dreissigjährigen an Tetanus erkrankten und 5 Stunden später zu Grunde gegan- genen Arbeiters zur Untersuchung bekommen. Eine Stunde nach der Amputation wurde die chemische Untersuchung vorgenommen, wobei die Gegen- wart des Tetanin bei dem an Wundstarr- krampf erkrankten Patienten noch wäh- rend des Lebens festgestellt wurde. Behufs weiteren Studiums des Wundstarr- krampfes wurden noch einige Versuche vorge- nommen. Theilchen der salzigen Massen, welche wikroscopisch neben den Tetanusbacillen, ver- schieden lange Bacillen, Staphylokokken und Streptokokken enthielten, Mäusen. Meerschwein- chen und Kaninchen unter die Haut gebracht, erzeugten ausnahmslos Tetanus, dagegen erwies sich ein Hund gegenüber dieser Procedur sowie gegen die EFinspritzung von Tetanin vollständig reactionslos. Durch die Güte des Herrn Prof. Dieckerhoff wurde Verf. das Operiren mit einem Pferde möglich. Demselben wurde eine grössere Menge von mit solch sulzigem Gewebe peschick- ter Rindfleischbreicultur, die auf Kaninchen sehr erfolgreich wirkte, injicirt. An der Injections-
eine Handhabe schaffen
stelle entwickelte sich nun ein umfangreicher Abscess.
Dieses sulzige Gewebe auf Rindfleischbrei, Fischbrei und Blutserum ausgesät. producirt neben recht viel Ammoniak nur Tetanin, dagegen weder Tetanoxin, noch Spasmotoxin, noch das unbekannte Toxin, welche durch die Aussaat mit Rosenbach'schen Originalculturen ausser dem Tetanin gewonnen worden waren. EFin Pferd, dem eine grössere Gabe Tetanin eingespritzt worden war, wurde von längere Zeit andauern- den heftigen Muskelzuckungen heimgesucht, doch blieb die für Tetanus der Pferde so charak- teristische Starre aus.
Aus Gehirn, Rückenmark und Nerven von zwei an Tetanus verstorbenen Personen waren weder pathogene Mikroorganismen noch Toxin erhältlich.
Der Umstand, dass Crumpe bei einem in seiner Behandlung befindlichen Falle von Tetanns nach dem Genusse von 3 giftigen Miesmuscheln rasch die Muskelstarre weichen sah, liess es mir wünschenswerth erscheinen, auf experimentellem Wege dieser Beobachtung näher zu treten. Im Besitze einer relativ grösseren Menge von reinem Mytilotoxin, dem wirksamen Prinzip der giftigen Miesmuschel, das ich mir behufs Feststellung seiner Constitution dargestellt habe, benutzte ich
ein wenig von dieser kostbaren Substanz, um
dieselbe Thieren, welchen der Rosenbach'sche Tetanusbacillus eingeimpft worden, zu injieiren, doch glückte es auf diese Weise nicht, die Ver- suchsthiere zu retten.
Nach dem hier Mitgetheilten, schliesst Verf. seinen Artikel, lässt sich wohl hoffen, dass eine weitere innige Vereinigung der exacten Chemie mit der klinischen Medicin auch den Mechanis- mus anderer Krankheiten, nicht blos den der
Infectionskrankheiten, der Aufklärung entgegen-
bringen wird und dadurch in letzter Linie sich lassen wird für eine rationelle, eine specifische Therapie.
Zu Gunsten des zuletzt Angeführten fallen recht gewichtig in die Wagschale die neuerdings so erfolgreich durchgeführten Immunitätsversuche mittels Stoffwechselproducte gewisser pathogener Bacterien von Seiten Pasteurs und seiner Schüler.
Innere Medicin.
Ein seuchenartig auftretender acuter Kehlkopfs- Luftröhrencatarrh beim Pferde. Von Zorn. (Wochenschrift für Thierheilkunde, No. 29. 1888.)
2. perichtet über das seuchenartige Auftreten eines acuten Catarrhs der Kehlkopfs- und Luft- röhrenschleimheit unter Pferdebeständen in Mag-


