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Thiermedicinische Rundschau etc.
1888. No. 21.
gelangten 7 Kälbern nur auf 15 g pro Stück. Um demnach die gleiche Impfstoffmenge eines Bullens zu erhalten, müssten mindestens 3 Kälber geimpft werden.
Zu einem ähnlichen für die Bullenimpfung günstigen Ergebniss gelangt man, wenn man die Produktionskosten berücksichtigt.
Für die Ueberlassung eines Bullens zur Impfung mussten dem Lieferanten 30 Mark und für ein Kalb 20 Mark entschädigt werden. Dazu kommen die Fütterungskosten, welche das Institut bestreitet. Berechnet man dieselben für einen Bullen bei Verabreichung von hochgegriffen 25 Pfd. Heu pro Tag zu 1 Mark und für ein Kalb, welches täglich doch mindestens 8 Liter Milch, das Liter zu 18 Pf. veranschlagt, erhält, zu 1,44 Mark, so belaufen sich die Fütterungskosten
a) für einen Bullen bei 5 tägigem Aufenthalt in der Impfanstalt auf
Mk. 5, b) für ein Kalb bei viertägigem Aufenthalt auf(4 1,44 MK.) Mk. 5,76
Hierzu die obigen 30 pezw. 20 Mark Leih- geld macht an Gesammtkosten: a) für 1 Bullen 30+ 5= Mk. 35,— c) für 1 Kalb 20+ 5,76=(rund) Mk. 25,50.
Vergleicht man diesen Aufwand mit dem Purch- schnittserträgniss an Impfstoff bei jeder einzelnen Gattung von Impflingen, so stellt sich die Pro- duktion von:
50 g Lymphe bei 1 Bullen auf Mk. 35,50 666,7 15 g[Fmphe bei 1 Kalb auf„ 25,50 oder 1 g auf 70
Hieraus ist ersichtlich, dass die Bullenimpfung nicht nur ergiebiger(mehr als um das dreifache) sondern auch weitaus billiger ist als die Kälber- impfung, ganz abgesehen davon, dass weniger Fehlimpfungen zu Tage treten und man der früher gedachten störenden Zwischenfälle, wie sie die Kälberimpfung mehr oder weniger stark im Ge- folge hat, überhoben ist.
Zu einigermassen bemerkenswerthen Resultaten führte die Prüfung des Verhaltens der Körper- temperatur pei den Impflingen nach geschehener Impfung. Dabei ergab sich, dass die Körper- wärme nach der Impfung bis auf 41 Grad C. ansteigt. In den meisten Fällen gewahrte man zwischen dem zweiten und dritten Tage, seltener schon zwischen dem ersten und zweiten, eine
Wärmesteigerung auf 40 Grad C. und darüber,
welche dann bis zur Abimpfung und Schlachtung am 5. Tage anhielt.
In 42 in dieser Richtung genau verfolgten Fällen(die Thiere wurden tüglich 2 mal, Morgens
und Abends. gemessen) erreichte die Temperatur 26 mal am 2. bis 3. Tage, je 6 mal am 1. bis 2. und 3. bis 4. Tag, und 2 mal am 4. bis 5. Tag eine Höhe von 40 Grad C., während bei zwei Thieren während der ganzen 5 tägigen Beobach- tungszeit als Maximum nur 39,5 bezw. 39,8 Grad C. abzulesen war.
Einiges physiologisches Interesse dürften auch die vor der Impfung angestellten Temperatur- messungen in Anspruch nehmen. Fs hatte sich nämlich die auffallende Erscheinung gezeigt, dass hierbei wiederholt höhere Temperaturen konstatirt wurden, als normaliter angegeben wird. Pieser Umstand gab mir Veranlassung, näher auf die Sache einzugehen und die Impfthiere soweit als möglich auf ihre Temperaturverhältnisse zu prüfen resp. prüfen zu lassen. Ich pemerke dabei, dass die Messungen meistens durch den Diener der Impfanstalt insbesondere bei solchen Impflingen, welche einige Tage vor der Impfung zur Fin- stallung gelangten, vorgenommen, gelegentlich aber durch mich kontrollirt wurden. Bei den eben gedachten Thieren ist die Temperatur täglich 2 mal, Morgens und Abends festgestellt und in eine eigens zu diesem Zwecke angelegte Liste eingetragen worden.
Bei einer zweiten Reihe von Thieren konnte nur eine einmalige Messung ausgeführt werden, weil dieselben gleich nach ihrer Ankunft und der Untersuchung auf den Impftisch gelangten.
Demnach setzen sich die Wärmemessungen zusammen aus solchen, welche während einiger Tage bei ein und demselben Thiere und wieder solchen, welche nur einmal bei einem Thiere ge- wonnen wurden.
Von der ersteren Art sind es 74 an 22 Thieren vorgenommene Messungen, welche als Mittel eine Temperaturhöhe von 39.34 Grad C. berechnen lassen, von der zweiten Art 15 Messungen an ebensoviel Thieren mit einem Durchschnittsergeb- niss von 39.35 Grad C.
Im Ganzen beziffert sich somit der Versuch auf eine Reihe von 89 Messungen mit einer durch- schnittlichen Temperaturhöhe von 39,34 Grad C.
Die unterste Temperaturgrenze war 38,5(nur 1 mal), die oberste 39,9 Grad C.(4 mal) ¹), wäh- rend weitaus die grösste Mehrzahl der Messungen in der Höhe von 39,3 und 39,4 Grad C. zusammen- trafen.
Sind die Ergebnisse der angestellten Messungen richtig, so liefern sie den Nachweis, dass die Körpertemperatur bei Jungbullen im Alter von
¹) Obgleich diese Temperaturhöhe allgemein als eine fieberhafte betrachtet wird, habe ich keinen Anstand ge- nommen, die betr. Thiere nach ihrem Verhalten und dem Ergebniss der weiteren Untersuchung als gesund zu be- zeichnen.


